
Wenn selbst ein Tatort-Star aufbegehrt: Liefers rechnet mit linkem Tugendterror ab

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Ausgerechnet Jan Josef Liefers, dem deutschen Fernsehpublikum als kauziger Rechtsmediziner aus dem Münsteraner „Tatort“ vertraut, hat in einem Podcast-Gespräch mit dem Journalisten Paul Ronzheimer den Finger tief in eine Wunde gelegt, die die etablierte Politik am liebsten verschweigen würde. Seine Worte waren keine plumpe Provokation, sondern eine nachdenkliche, fast melancholische Bestandsaufnahme über den Zustand einer Nation, die sich selbst zerlegt.
„Krawallig, laut und fordernd“ – das Urteil über die linke Straße
Liefers nahm sich jene Bewegungen vor, die in den letzten Jahren das öffentliche Bild prägten: Black Lives Matter, Fridays for Future und Konsorten. „Dieses Krawallige, Laute und Fordernde war nicht so eine gute Idee. Und das hat viele Leute aufgebracht“, resümierte er. Ein Satz, der sitzt. Denn er beschreibt präzise, was Millionen Bürger seit Jahren empfinden, ohne es laut auszusprechen zu wagen – aus Angst vor dem moralischen Pranger.
Auch die inflationäre Vermehrung von Geschlechtsidentitäten brachte der Schauspieler auf den Punkt. Mit feiner Ironie schilderte er, wie aus einer überschaubaren Buchstabenkombination ein Alphabet wurde, das selbst seine homosexuellen Freunde nicht mehr zu entschlüsseln vermögen. „Und alle sind ein bisschen überfordert“, so Liefers. Ein Befund, der die ganze Absurdität dieser akademischen Identitätsdebatten entlarvt, die mit dem Alltag der Menschen rein gar nichts zu tun haben.
Die müden Deutschen – am Kragen gepackt und geschüttelt
Besonders bemerkenswert ist Liefers' Diagnose einer kollektiven politischen Erschöpfung. „Mein Gefühl für Deutschland ist, dass die Leute müde geworden sind, ständig am Kragen gepackt und geschüttelt zu werden – verbal“, formulierte er. Den Wendepunkt verortet er bei der Grenzöffnung durch Angela Merkel im Jahr 2015. Von da an habe sich die Negativstimmung verschärft, um schließlich während der Corona-Zeit zu eskalieren.
„Damals schrieben hochintelligente Menschen mit gutem Geschmack und guten Kenntnissen Sachen wie: Jetzt ist Schluss mit Geduld, jetzt gehört ein tiefer Keil in die Gesellschaft getrieben. Und die Guten müssen von den Schlechten getrennt werden.“
Wer erinnert sich nicht an diese vergiftete Atmosphäre, in der Andersdenkende ausgegrenzt, diffamiert und gesellschaftlich geächtet wurden? Liefers selbst hatte als Initiator der Aktion #allesdichtmachen am eigenen Leib erfahren, was es bedeute, vom selbsternannten Tugendwächter-Mob niedergeschrieen zu werden. Seine bittere Frage hallt nach: „Es ist so viel Klugheit da und so wenig Weisheit. Wo ist die eigentlich hin?“
Wenn die eigene Fahne plötzlich verdächtig ist
Selbst die Fußball-Weltmeisterschaft blieb von dieser ideologischen Vergiftung nicht verschont. Liefers beobachtete, dass immer weniger Menschen ihre Deutschlandfahne heraushängen. Doch er widersprach der gängigen Lesart entschieden: Nicht die Deutschen hätten ein Problem mit ihren Symbolen, sondern jene lautstarken Minderheiten, denen es gelungen sei, „diese Idee, das sei alles nationalistischer Quatsch und auf eine Art eklig“, in die Köpfe zu pflanzen. Ein gesundes Verhältnis zur eigenen Nation, einst eine Selbstverständlichkeit, gilt heute als Provokation. Wie weit ist es gekommen?
Meldeportale und die Frage nach der Robustheit der Demokratie
Mit kaum verhohlener Empörung sprach Liefers über die staatlich geförderten Denunziationsplattformen. „Ministerien richten Meldeportale ein, wo du sagst: Da hat einer was Antidemokratisches gesagt, den melde ich mal. Wo sind wir gelandet?“ Eine berechtigte Frage, die sich viele Bürger stellen, wenn der Staat seine Untertanen zum gegenseitigen Bespitzeln ermuntert wie in finstersten Zeiten deutscher Geschichte.
Auch zur sogenannten Brandmauer fand der Schauspieler ein bemerkenswertes Bild. Sei die Demokratie ein „fragiles, altes Mütterchen“, dem man überall unter die Arme greifen müsse? Oder vielmehr ein „dynamischer Mensch im besten Alter, mit physischer Kraft und mit Überzeugungskraft“? Eine Demokratie, die jede abweichende Meinung wegsperren muss, um sich selbst zu schützen, hat ihre Selbstsicherheit längst verloren.
Ein nachdenklicher Mahner – mit Schwächen
Ehrlichkeit gebietet es zu erwähnen, dass Liefers am Ende doch wieder ins gewohnte Fahrwasser zurückrudert. Auf die Frage, ob er die AfD für gefährlich halte, bejahte er dies und sprach von einer „Reinheitsidee“. Hier verließ ihn die sonst so geschätzte Differenziertheit. Denn eine vernünftige Begrenzung und Steuerung der Zuwanderung ist kein finsteres Ideologem, sondern das legitime Anliegen eines jeden Rechtsstaates und seiner Bürger. Dass diese Unterscheidung selbst einem kritischen Geist wie Liefers verschwimmt, zeigt, wie tief der jahrelange mediale Dauerbeschuss seine Spuren hinterlassen hat.
Dennoch bleibt festzuhalten: Wenn selbst ein Vertreter aus dem Herzen des öffentlich-rechtlichen Apparats den Mut findet, die Spaltung der Gesellschaft, den Meinungsdruck und den Verlust der Weisheit zu benennen, dann ist das ein Signal. Ein Signal dafür, dass die schweigende Mehrheit ihre Stimme wiederfindet – und dass die Tage des moralischen Größenwahns gezählt sein könnten.










