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14.08.2026
13:30 Uhr
KI-generiert

Spiegel-Cover als Fahndungsplakat: Der Bumerang von Hamburg

Spiegel-Cover als Fahndungsplakat: Der Bumerang von Hamburg
Symbolbild: KI-generiert

Ein schwarzer Hintergrund, ein lĂ€chelndes Gesicht, darunter in blutroten Buchstaben: „Der gefĂ€hrlichste Mann Deutschlands“. So prĂ€sentiert die aktuelle Ausgabe des Magazins Der Spiegel den AfD-Spitzenkandidaten fĂŒr die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund. Die Aufmachung erinnert an ein Fahndungsplakat – und die Wirkung dĂŒrfte eine andere sein als beabsichtigt.

Ein Titelbild, das nach hinten losgeht

Denn die Reaktionen im Netz reichen von unglĂ€ubigem KopfschĂŒtteln ĂŒber Hohn bis zum hĂ€mischen Dank fĂŒr die kostenlose Wahlwerbung. Selbst erklĂ€rte AfD-Gegner sehen darin einen kapitalen Eigentor-Moment.

Der Moderator und Podcaster Micky Beisenherz, alles andere als ein Freund der Partei, konstatierte Medienberichten zufolge einen Bumerang-Effekt und verglich das Cover mit einem Warnhinweis fĂŒr Eltern – der bekanntlich vor allem eines bewirkt: dass die Zielgruppe erst richtig neugierig wird.

Auch aus dem linken Lager kommt Kritik: Der Linken-Politiker Dietmar Bartsch habe die Fahndungsplakat-Optik ausdrĂŒcklich beanstandet, wie mehrere Medien berichten.

Die Titelgeschichte liefert kaum Munition

Kurios: Wer nach dem Cover eine gnadenlose Abrechnung erwartet, wird enttĂ€uscht. Der Text selbst zeichnet Siegmund eher schmeichelhaft. Er sehe immer gut aus und wisse das, sei „charmant und einnehmend“ gewesen, ein „Schulschwarm“, „sehr erfolgreich bei Frauen“ – so die im Artikel zitierten Zuschreibungen.

Sogar Neid wird protokolliert: Bei der Linken heiße es hinter vorgehaltener Hand, so jemanden brĂ€uchte man auch; man beneide die AfD um hochwertig produzierte Videos von Simson-Ausfahrten. Als politische Demontage taugt das kaum – als SympathieportrĂ€t schon.

„Bessere Wahlwerbung kann man fĂŒr uns gar nicht machen“

Siegmund selbst reagierte gelassen bis amĂŒsiert. Bessere Wahlwerbung könne man fĂŒr die AfD nicht machen, sagte er, und fĂŒgte ironisch hinzu:

„Also ein Terrorist ist nicht gefĂ€hrlich, ein StraftĂ€ter ist nicht gefĂ€hrlich, irgendwelche AttentĂ€ter sind nicht gefĂ€hrlich, aber jemand, der sein Land liebt, der fĂŒr eine bessere Zukunft kĂ€mpft und der die Demokratie wirklich zum Leben erwecken möchte, der ist der GefĂ€hrlichste bei uns in Deutschland 
“

Genau an diesem Punkt hakten zahlreiche Nutzer ein: In einem Land, in dem die Polizeiliche Kriminalstatistik Rekordwerte und einen deutlichen Anstieg bei Messerangriffen ausweist, wirke die Superlativ-Keule gegen einen Landespolitiker schlicht deplatziert.

Warum das Timing brisant ist

Der Zeitpunkt ist alles andere als zufÀllig. In Sachsen-Anhalt wird im September gewÀhlt, und die AfD liegt in Umfragen weit vorn: Erhebungen der vergangenen Wochen sehen sie bei 41 bis 42 Prozent, die CDU von Amtsinhaber-Partei-Chef Sven Schulze bei rund 23 Prozent.

Das Magazin ist fĂŒr zugespitzte Cover berĂŒchtigt – Italien einst mit Pistole auf dem Spaghetti-Teller, Donald Trump als Meteorit oder als Enthaupter der Freiheitsstatue. Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der aktuelle Fall vor allem eines: DĂ€monisierung ersetzt zunehmend das Argument.

Wer politische Konkurrenz mit Fahndungs-Ästhetik statt mit Sachkritik bekĂ€mpft, riskiert, den Gegner grĂ¶ĂŸer zu machen. FĂŒr viele BĂŒrger im Osten dĂŒrfte das Cover weniger Warnung als BestĂ€tigung sein – dass man sie und ihre Sorgen in westdeutschen Redaktionsstuben lĂ€ngst nicht mehr versteht.

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