Kettner Edelmetalle
20.05.2026
12:42 Uhr

Quoten-Aus in Berlin: Theatertreffen kapituliert vor seinem eigenen Gender-Dilemma

Quoten-Aus in Berlin: Theatertreffen kapituliert vor seinem eigenen Gender-Dilemma

Ein bemerkenswerter Vorgang im Herzen der deutschen Hauptstadt: Das renommierte Berliner Theatertreffen, jahrelang Aushängeschild progressiver Kulturpolitik, verabschiedet sich von einem seiner heiligsten Dogmen – der Frauenquote. Ab 2027 sollen die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen des deutschsprachigen Raums wieder allein nach künstlerischen Maßstäben ausgewählt werden. Eine kleine Sensation in einer Branche, die sich sonst gerne als moralische Avantgarde inszeniert.

Sechs Jahre Quote – und nun das stille Eingeständnis

Eingeführt wurde die Frauenquote 2019 für die Festivalausgaben 2020 und 2021. Mindestens die Hälfte der eingeladenen Produktionen sollte fortan von Frauen oder überwiegend weiblichen Teams stammen. Was als progressives Aushängeschild gefeiert wurde, entpuppt sich nun – jedenfalls in den Worten der eigenen Jury – als handfestes Problem. Am Sonntagabend, zum Abschluss des diesjährigen Treffens, kam die Wende: Die neue Jury habe sich nach „ausgiebiger Beratung" entschieden, für 2027 und 2028 wieder ohne Quote zu sichten und einzuladen.

Die Quote als Bumerang

Besonders bemerkenswert sind die Argumente, die Jury-Mitglied Jakob Hayner gegenüber der Welt vorbrachte. Die Quote habe der Jury eine zwiespältige Rolle zugemutet, die sie nur erfüllen könne, indem sie ihre eigenen zentralen Maßstäbe torpediere. Mit anderen Worten: Die selbsternannten Hüter der Kunst sahen sich gezwungen, das aufzugeben, was eigentlich ihre Aufgabe wäre – die qualitative Beurteilung von Theaterproduktionen.

Noch brisanter ist Hayners zweites Argument: Über allen eingeladenen Arbeiten von Regisseurinnen liege bereits ein „unauflösbarer Verdacht von Quotenfrauen". Genau das, was Kritiker solcher Quotenregelungen seit Jahren prophezeit hatten, ist eingetreten – die vermeintliche Förderung verkehrt sich in ihr Gegenteil und stellt die Leistung der geförderten Künstlerinnen pauschal unter Generalverdacht. Eine Erkenntnis, die übrigens auch für die ausufernde Quotenpolitik in Wirtschaft, Politik und Verwaltung gilt.

Wenn die woke Ideologie sich selbst frisst

Den eigentlichen Treppenwitz liefert allerdings das dritte Argument. Mit der von der inzwischen abgewählten Ampelkoalition durchgepeitschten Selbstbestimmung der Geschlechtsidentität sei – so Hayner sinngemäß – ein konkurrierendes geschlechterpolitisches Paradigma etabliert worden, das den binären Gleichstellungsansatz von Quoten geradezu unterlaufe. Die Pointe könnte schöner kaum sein: Das eine progressive Projekt zerlegt das andere. Wer ist denn nun eine Frau im Sinne der Quote, wenn das Geschlecht angeblich frei wählbar ist? Eine Frage, an der sich die ideologische Selbstwidersprüchlichkeit der vergangenen Jahre wie an kaum einem anderen Beispiel offenbart.

Ein Hoffnungsschimmer – aber kein Grund zum Jubel

Im kommenden Jahr werde es daher „wieder uneingeschränkt um das künstlerisch Bemerkenswerte gehen, egal von wem", verspricht Hayner. Eine erfreuliche Ansage, zugegeben. Allein, ob das Berliner Theatertreffen damit tatsächlich zu künstlerischer Substanz zurückfindet oder ob lediglich die alten ideologischen Filter durch neue ersetzt werden, dürfte sich erst zeigen müssen. Schließlich finanzieren die Steuerzahler in Berlin – und über den Länderfinanzausgleich auch jene in wirtschaftlich stärkeren Bundesländern – diesen Kulturbetrieb mit erheblichen Summen.

Das Theatertreffen 2027 findet vom 6. bis 23. Mai statt, die eingeladenen Inszenierungen werden voraussichtlich im Januar bekanntgegeben. Bleibt zu hoffen, dass künstlerische Qualität tatsächlich wieder die Hauptrolle spielt – und nicht durch die nächste ideologische Schablone ersetzt wird. Die Erfahrung der letzten Jahre lehrt allerdings Skepsis: Wo eine Quote fällt, lauert in den Kulissen der woken Hauptstadtbühne oft schon das nächste Auswahlkriterium jenseits handwerklicher Qualität.

Was die Kulturpolitik vom Bürger verlangt

Während die Diskussionen um Quoten, Identitätspolitik und Geschlechterparadigmen die Schlagzeilen füllen, bleibt eine grundlegende Frage selten gestellt: Warum eigentlich muss der deutsche Steuerzahler einen Kulturbetrieb finanzieren, dessen Funktionäre ihre Energie offenbar überwiegend in ideologische Grabenkämpfe stecken? In Zeiten, in denen die Inflation die Ersparnisse vieler Bürger frisst, in denen die Energiepreise explodieren und in denen das 500-Milliarden-Sondervermögen der neuen Großen Koalition kommende Generationen mit Schulden belastet, wirken solche Debatten wie aus einer anderen Welt. Es ist die Meinung unserer Redaktion – und vermutlich eines erheblichen Teils der deutschen Bevölkerung – dass Kulturförderung sich wieder stärker an Qualität, Tradition und gesellschaftlichem Mehrwert orientieren sollte, statt an wechselnden ideologischen Moden.

Wer in unsicheren Zeiten nach realen Werten sucht, findet diese ohnehin selten in subventionierten Theatersälen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie unabhängig von politischen Quoten, ideologischen Moden und staatlichen Eingriffen ihren Wert bewahren – eine Eigenschaft, die in der aktuellen Lage wertvoller sein dürfte denn je.

Wissenswertes zum Thema