
Urlaub kürzen, Freiheit opfern: Wenn der Staat seine eigene Inkompetenz kaschiert
Deutschland steckt wirtschaftlich fest. Wachstum schwach, Produktivität lahmt, Unternehmen wandern ab oder investieren nicht mehr. Und was ist die Antwort aus Politik, Verbänden und staatsnahen Ökonomen? Die Menschen sollen auf Urlaub verzichten. Weniger freie Tage, mehr Arbeit, mehr Verzicht – als ließe sich ein kaputtes System mit noch mehr Belastung der Leistungsträger reparieren. Diese Debatte ist kein Betriebsunfall. Sie ist ein Armutszeugnis staatlicher Wirtschaftspolitik.

Wenn ernsthaft vorgeschlagen wird, Feiertage zu streichen oder Urlaubsansprüche zu kürzen, dann ist das kein mutiger Reformvorschlag, sondern ein Eingeständnis des Scheiterns. Der Staat hat über Jahre versagt – bei Bildung, Digitalisierung, Energiepolitik, Infrastruktur, Bürokratieabbau – und will die Rechnung nun bei denen abladen, die ohnehin schon alles tragen: Arbeitnehmer, Selbstständige, Mittelstand.
Mehr Arbeit rettet kein kaputtes System
Die Grundannahme dieser Debatte ist erschreckend primitiv: Wenn Menschen mehr Stunden arbeiten, steigt automatisch die Wirtschaftsleistung. Das klingt nach Tabellenkalkulation, hat aber mit Realität wenig zu tun. Produktivität entsteht nicht durch Zeit, sondern durch Strukturen. Wer glaubt, ein zusätzlicher Arbeitstag mache ein Land wettbewerbsfähiger, verwechselt industrielle Wertschöpfung mit Akkordarbeit des 19. Jahrhunderts.
Deutschland ist nicht reich geworden, weil die Menschen besonders lange gearbeitet haben. Sondern weil Ingenieurskunst, Innovation, Verlässlichkeit und Kapitalbildung zusammenkamen. Genau diese Grundlagen hat die Politik systematisch beschädigt: Explodierende Energiekosten. Lähmende Genehmigungsverfahren. Steuerliche Überlastung. Investitionsfeindlichkeit. Ideologisch getriebene Regulierung. Doch statt diese Ursachen anzugehen, wird an der Oberfläche geschraubt. Urlaub streichen ist Symbolpolitik für politische Hilflosigkeit.
Der Staat greift nach Lebenszeit – nicht nach Reformen
Besonders perfide ist, dass der Verzichtsappell fast ausschließlich an die Bevölkerung gerichtet ist. Nicht an Ministerien, nicht an Behörden, nicht an das aufgeblähte Fördersystem, nicht an ineffiziente Staatsausgaben. Nein – der Bürger soll verzichten, damit der Staat weitermachen kann wie bisher.
Dabei zeigen selbst ökonomische Studien, dass ganz andere Hebel existieren: Weniger Bürokratie, höhere Erwerbsbeteiligung durch funktionierende Kinderbetreuung, steuerliche Entlastung von Arbeit, flexibleres Renteneintrittssystem, Investitionen in Bildung statt Subventionen.
All das wäre politisch mühsam. Es würde Macht kosten, Zuständigkeiten infrage stellen, ideologische Glaubenssätze opfern. Also wählt man den einfachsten Weg: moralischer Druck auf die Bevölkerung. Wer Urlaub macht, gilt plötzlich als Wohlstandsgefährder. Wer Freizeit will, als unsolidarisch.
Das ist brandgefährlich. Denn hier wird nicht nur Wirtschaftspolitik gemacht – hier wird Lebenszeit politisiert.
Produktivität entsteht durch Freiheit – nicht durch Zwang
Produktivität wächst dort, wo Menschen motiviert sind, investieren wollen, Perspektiven sehen. Nicht dort, wo sie das Gefühl haben, dass der Staat ihnen immer tiefer in den Alltag greift. Ein Land, das seine wirtschaftliche Zukunft über Urlaubsverzicht definieren will, hat die Kontrolle über seine Prioritäten verloren.
Der eigentliche Skandal ist nicht die Forderung nach mehr Arbeit. Der Skandal ist, dass niemand über den Staat selbst spricht, über ineffiziente Verwaltungen, über milliardenschwere Fehlallokationen, über ideologisch motivierte Wirtschaftsbremsen oder über eine Politik, die Leistung bestraft und Besitz misstrauisch beäugt
Wer immer neue Opfer fordert, ohne selbst Verantwortung zu übernehmen, verspielt Vertrauen. Und Vertrauen ist die wichtigste Ressource einer Volkswirtschaft.
Urlaub ist nicht das Problem – der Staat ist es
Diese Debatte zeigt, wie weit sich Politik und wirtschaftliche Realität voneinander entfernt haben. Nicht der Urlaub gefährdet den Wohlstand. Gefährlich ist ein Staat, der glaubt, Wohlstand ließe sich durch Verzicht erzwingen.
Wer heute ernsthaft fordert, Menschen müssten weniger leben, damit das System weiterlaufen kann, sollte sich eine andere Frage stellen:
Warum muss dieses System überhaupt ständig gerettet werden?
Für viele Anleger ist genau das die eigentliche Lehre. Wenn der Staat beginnt, Lebenszeit, Eigentum und Freiheit als variable Größen zu betrachten, dann braucht es Alternativen jenseits politischer Versprechen. Sachwerte statt Staatsvertrauen. Substanz statt Symbolpolitik.
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