Kettner Edelmetalle
23.02.2026
07:07 Uhr

Indiens Handelsdelegation bleibt zu Hause: Trumps Zollchaos lÀhmt internationale Diplomatie

Indiens Handelsdelegation bleibt zu Hause: Trumps Zollchaos lÀhmt internationale Diplomatie

Was passiert, wenn die mĂ€chtigste Volkswirtschaft der Welt ihre Handelspartner im Minutentakt mit neuen Zollregeln ĂŒberzieht? Genau das, was man erwarten wĂŒrde: Stillstand. Indien hat eine fĂŒr die kommenden Tage geplante Handelsreise nach Washington offenbar auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Grund liegt in der beispiellosen Rechtsunsicherheit, die nach einem wegweisenden Urteil des US-Supreme Court entstanden ist.

Supreme Court kippt Trumps Zollpolitik – PrĂ€sident schlĂ€gt sofort zurĂŒck

Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hatte am Freitag zahlreiche der von PrĂ€sident Donald Trump verhĂ€ngten Zölle fĂŒr unrechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rt. Ein Paukenschlag, der die ohnehin fragile internationale Handelsarchitektur weiter erschĂŒttert. Doch wer glaubte, Trump wĂŒrde sich von einem Gerichtsurteil bremsen lassen, kennt den 47. PrĂ€sidenten schlecht. Bereits am Samstag verkĂŒndete er ĂŒber sein Netzwerk Truth Social einen neuen pauschalen Zoll von 15 Prozent auf sĂ€mtliche US-Importe, der „unverzĂŒglich" in Kraft treten solle. Das Urteil des Supreme Court bezeichnete er kurzerhand als „außergewöhnlich anti-amerikanisch".

Man muss sich diese Dynamik auf der Zunge zergehen lassen: Ein Gericht erklĂ€rt Zölle fĂŒr rechtswidrig, und der PrĂ€sident antwortet mit neuen Zöllen. Wer soll in einem solchen Umfeld noch verlĂ€ssliche Handelsabkommen aushandeln? Offensichtlich nicht Indien – und man kann es der Regierung in Neu-Delhi kaum verdenken.

Ein Abkommen im Wert von 500 Milliarden Dollar auf Eis

Dabei stand einiges auf dem Spiel. Wie Reuters und Bloomberg ĂŒbereinstimmend unter Berufung auf informierte Quellen berichteten, sollte die indische Delegation eigentlich am Sonntag aufbrechen, um ein bereits im Februar in seinen GrundzĂŒgen vereinbartes Handelsabkommen zu finalisieren. Die Eckpunkte waren durchaus bemerkenswert: Washington wollte Strafzölle von 25 Prozent auf bestimmte indische Exporte senken, die im Zusammenhang mit Indiens KĂ€ufen von russischem Rohöl stehen. Im Gegenzug hĂ€tte sich Indien verpflichtet, ĂŒber einen Zeitraum von fĂŒnf Jahren US-Waren im Wert von 500 Milliarden US-Dollar zu erwerben – darunter Flugzeuge, Ersatzteile, Edelmetalle, Technologieprodukte und Energielieferungen.

Der indische Handelsminister Piyush Goyal hatte noch in der vergangenen Woche optimistisch erklĂ€rt, das Abkommen könnte möglicherweise bereits ab April in Kraft treten. Davon ist nun keine Rede mehr. Die Entscheidung zur Verschiebung sei nach GesprĂ€chen zwischen Vertretern beider LĂ€nder gefallen, hieß es aus dem indischen Handelsministerium. Ein neuer Termin stehe nicht fest.

Indiens Opposition wittert Morgenluft

Die oppositionelle Kongresspartei in Indien nutzt die Situation erwartungsgemĂ€ĂŸ, um Druck auf die Regierung Modi auszuĂŒben. Sie fordert laut Berichten, auf Neuverhandlungen zu drĂ€ngen – schließlich hĂ€tten sich die Rahmenbedingungen durch das Supreme-Court-Urteil und Trumps anschließende ZollankĂŒndigung fundamental verĂ€ndert. Das indische Handelsministerium teilte am Samstag lediglich mit, man prĂŒfe die Auswirkungen des Urteils und der nachfolgenden ZollankĂŒndigungen.

Globale Handelsordnung im freien Fall

Was wir hier beobachten, ist nichts weniger als die fortschreitende Erosion einer regelbasierten Handelsordnung. Trumps Zollpolitik – ob man sie nun als genial oder als destruktiv betrachtet – erzeugt eine AtmosphĂ€re permanenter Unsicherheit, in der langfristige Abkommen kaum noch möglich erscheinen. FĂŒr die europĂ€ische Wirtschaft, die bereits unter den 20-prozentigen US-Zöllen auf EU-Importe Ă€chzt, sind das keine ermutigenden Signale.

FĂŒr Deutschland, dessen neue Große Koalition unter Friedrich Merz gerade ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen auf den Weg gebracht hat, stellt sich die Frage drĂ€ngender denn je: Wie soll eine exportabhĂ€ngige Volkswirtschaft in einem Umfeld gedeihen, in dem Handelsregeln ĂŒber Nacht per Social-Media-Post umgeschrieben werden? Die Antwort kennt derzeit niemand – am wenigsten offenbar die indische Handelsdelegation, die nun zu Hause bleibt und wartet. Worauf genau, weiß allerdings auch sie nicht.

In Zeiten derartiger geopolitischer und wirtschaftlicher Verwerfungen zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Instrument der Vermögenssicherung. Wenn Handelsabkommen im Wert von Hunderten Milliarden Dollar ĂŒber Nacht auf Eis gelegt werden können und Zollregime sich im Stundentakt Ă€ndern, bieten Gold und Silber jene BestĂ€ndigkeit, die in der internationalen Handelspolitik offenkundig verloren gegangen ist.

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