
Zuckersteuer: 55 Prozent dafür – und Klingbeil kassiert ab 2027 mit

Eine neue Steuer, und die Mehrheit klatscht Beifall: Laut einer Forsa-Umfrage für „Stern“ und RTL befürworten 55 Prozent der Deutschen die geplante Sonderabgabe auf zuckerhaltige Getränke. 44 Prozent lehnen sie ab, ein Prozent machte keine Angabe. Befragt wurden am 27. und 28. August 1002 Menschen, die Fehlertoleranz gibt das Institut mit drei Prozentpunkten an.
Grüne feiern, der Osten winkt ab
Die Zustimmung verläuft entlang klarer politischer Linien. Unter Anhängern der Grünen sagen demnach 87 Prozent Ja zur Zuckersteuer, bei Union und SPD sind es 76 beziehungsweise 77 Prozent. Deutlich häufiger abgelehnt wird die Abgabe in Ostdeutschland und von AfD-Anhängern.
Ein Muster, das man kennt: Je weiter weg vom Alltagsdruck der Haushaltskasse, desto größer die Begeisterung für neue Belastungen. Wer jeden Cent im Einkaufswagen umdreht, sieht die Sache offenbar nüchterner.
Ab 2027 wird an der Kasse abgerechnet
Schwarz-Rot hatte sich im Zuge der Verhandlungen über das Sparpaket für die gesetzlichen Krankenkassen auf die Steuer ab 2027 verständigt. Die Details werden derzeit im Bundesfinanzministerium ausgearbeitet, die Höhe soll sich nach dem Zuckergehalt richten.
Medienberichten zufolge sieht das Ministerium eine Staffelung vor: rund 26 Cent je Liter ab etwa 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter, 32 Cent bei höherem Gehalt und bis zu 38 Cent bei besonders süßen Getränken. Eine Expertenkommission empfahl eine Übergangsfrist von etwa zwölf Monaten, damit Hersteller ihre Rezepturen anpassen können.
650 Millionen Euro – oder doch mehr?
In den ersten Jahren sollen geschätzt 450 Millionen Euro jährlich zusammenkommen, die der gesetzlichen Krankenversicherung zugutekommen sollen. In der Koalitionseinigung war von 650 Millionen Euro die Rede. Branchenverbände rechnen mit deutlich höheren Einnahmen.
Positive Gesundheitseffekte erwarten die Fachleute vor allem bei Kindern und Jugendlichen sowie bei sozial benachteiligten Gruppen – diese konsumierten im Schnitt mehr gezuckerte Getränke und reagierten stärker auf Preis- und Angebotsänderungen. Übersetzt heißt das aber auch: Die Abgabe trifft ausgerechnet jene Haushalte am härtesten, bei denen ohnehin am wenigsten übrig bleibt.
Cola Zero, Hafermilch, alkoholfreies Bier – der Rohrkrepierer
Für Irritationen sorgten zuletzt Überlegungen aus dem Finanzministerium, wonach auch mit Süßstoff gesüßte Getränke wie Cola Zero, dazu Fruchtsäfte, Milchmischgetränke und alkoholfreies Bier erfasst werden könnten. Eine Zuckersteuer auf Zuckerfreies – schwer vermittelbar.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) stellte anschließend klar, dass zuckerfreie Getränke nicht besteuert werden sollen. Aus Sicht unserer Redaktion bleibt ein unangenehmer Nachgeschmack: Wenn der Entwurf so weit über das Gesundheitsargument hinausschießt, drängt sich der Verdacht auf, dass es am Ende schlicht um Einnahmen geht.
Ein Trend, der teuer wird
Ob CO2-Preis, höhere Sozialbeiträge oder nun die Zuckersteuer: Die Liste der kleinen Aufschläge wächst, und in Summe frisst sie Kaufkraft. Wer sein Vermögen langfristig gegen schleichenden Wertverlust absichern will, setzt daher traditionell auch auf Sachwerte – physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten seit Jahrhunderten als bewährte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt unsere Einschätzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Wir leisten weder Steuer- noch Rechts- oder Anlageberatung. Für individuelle Fragen wenden Sie sich bitte an fachkundige Berater; Anlageentscheidungen trifft jeder eigenverantwortlich.










