
Wien zieht die Notbremse: Politischer Islam soll in die Verfassung â als Verbot

Ăsterreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ĂVP) will den politischen Islam per Verfassungsgesetz verbieten. Den VorstoĂ kĂŒndigte der Regierungschef Ende August in mehreren Interviews an, in Wien arbeitet die zustĂ€ndige Ministerin bereits an einem Entwurf. FĂŒr die nötige Zweidrittelmehrheit braucht die Volkspartei allerdings Partner â und genau da beginnt das Politikum.
Was die Regierung konkret plant
Europa- und Integrationsministerin Claudia Bauer (ĂVP) soll den Vorschlag ausarbeiten. Er umfasst dem Vernehmen nach nicht nur das Verbot selbst, sondern ein ganzes MaĂnahmenpaket, unter anderem im Vereins- und im Kultusrecht. Grundlage sei nach Angaben ihres Ressorts das Regierungsprogramm.
Stocker selbst wurde deutlich: Werde Religion politisch instrumentalisiert, mĂŒsse man dem âmit aller HĂ€rteâ entgegentreten, sagte er einem österreichischen Boulevardblatt. In Ăsterreich gelte die Gleichberechtigung von Mann und Frau, eine Einteilung der Menschen in GlĂ€ubige und UnglĂ€ubige sei nicht hinnehmbar.
RĂŒckendeckung kommt aus dem Sicherheitsapparat. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst begrĂŒĂt Medienberichten zufolge die Debatte ĂŒber zusĂ€tzliche gesetzliche Instrumente gegen den sogenannten legalistischen Islamismus ausdrĂŒcklich. DSN-Direktorin Sylvia Mayer wird mit den Worten zitiert, das Vorgehen mĂŒsse auf mehreren Ebenen und mit klaren Zielen erfolgen.
Koalition offen â aber mit Bedingungen
Ohne SPĂ und NEOS geht nichts. Beide Koalitionspartner signalisieren GesprĂ€chsbereitschaft, halten sich bei der konkreten Ausgestaltung aber bedeckt. SPĂ-StaatssekretĂ€r Jörg Leichtfried erklĂ€rte, Rechtsstaat und Demokratie mĂŒssten sich wehren, wenn eine Religion missbraucht werde, um genau diese anzugreifen.
Die NEOS pochen auf handwerkliche Sauberkeit: Es brauche einen juristisch haltbaren, umsetzbaren Vorschlag mit klarer Definition. Klubobmann Yannick Shetty wird zudem mit der Forderung zitiert, Ăsterreich solle sich auf EU-Ebene dafĂŒr einsetzen, Ableger der Muslimbruderschaft auf die EU-Terrorliste zu setzen.
FPĂ: âsubstanzloser PR-Sagerâ
Die schĂ€rfste Attacke kommt ausgerechnet von jener Partei, die inhaltlich am dichtesten dran ist. FPĂ-Chef Herbert Kickl nannte den VorstoĂ laut Berichten einen âsubstanzlosen PR-Sagerâ. Der Vorwurf: Die ĂVP habe entsprechende freiheitliche AntrĂ€ge ĂŒber Jahre abgelehnt â zuletzt im MĂ€rz 2026.
âEin freiheitlicher Antrag fĂŒr ein Verbotsgesetz gegen den politischen Islam liegt lĂ€ngst am Tischâ, wird FPĂ-GeneralsekretĂ€r Michael Schnedlitz zitiert.
Schon nach dem islamistischen Terroranschlag in Wien 2020 sei ein eigener Straftatbestand angekĂŒndigt worden, monieren die Freiheitlichen. Passiert sei nichts. Aus Sicht vieler Beobachter ist das der eigentliche Sprengsatz dieser Debatte: AnkĂŒndigung schlĂ€gt Umsetzung â ein Muster, das BĂŒrger auch diesseits der Grenze bestens kennen.
Wo die juristischen Fallstricke liegen
Widerstand gibt es ebenfalls. RuĆen Timur Aksak, frĂŒherer Sprecher der Islamischen Glaubensgemeinschaft, warnt vor âextremen Konsequenzenâ, falls der Begriff zu weit gefasst werde; groĂe Teile des organisierten Islams samt zahlreicher Moscheevereine könnten dann erfasst werden.
Genau daran wird sich das Vorhaben messen lassen mĂŒssen. Ăsterreich reguliert das VerhĂ€ltnis zum Islam seit dem Islamgesetz von 1912 â 2015 grundlegend novelliert, inklusive des ausdrĂŒcklichen Vorrangs staatlichen Rechts vor Glaubensvorschriften. Ein Verfassungsverbot wĂ€re der nĂ€chste, deutlich schĂ€rfere Schritt. Ob er kommt, entscheidet sich am Text â nicht an der Schlagzeile.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die EinschÀtzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.










