
Washington dreht Bagdad den Dollar-Hahn zu: 500 Millionen als Druckmittel gegen Iran-Milizen
Es ist ein diplomatischer Paukenschlag, der die fragile Ordnung im Nahen Osten weiter ins Wanken bringt: Die Vereinigten Staaten hĂ€tten eine Bargeldlieferung von rund 500 Millionen US-Dollar in den Irak gestoppt und zudem Teile der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit Bagdad auf Eis gelegt. Das berichten irakische Quellen gegenĂŒber Reuters. Der Schritt sei eine unmissverstĂ€ndliche Botschaft Washingtons an die Regierung von Premierminister Mohammed Shia al-Sudani: Wer die vom Iran gesteuerten Milizen im eigenen Land nicht zĂŒgelt, muss mit handfesten wirtschaftlichen Konsequenzen rechnen.
Ein gefÀhrliches Spiel auf mehreren Ebenen
Die Eskalation im Nahen Osten zieht den Irak immer tiefer in den Strudel des Iran-Konflikts. Iran-nahe bewaffnete Gruppen auf irakischem Boden hĂ€tten in den vergangenen Wochen wiederholt Drohnen- und Raketenangriffe auf US-Einrichtungen sowie auf Nachbarstaaten durchgefĂŒhrt â solidarisch mit Teheran, aber auf Kosten der irakischen SouverĂ€nitĂ€t. Getroffen wurden nach Angaben der Quellen unter anderem die US-Botschaft in Bagdad, das US-Konsulat in der kurdischen Region sowie Ziele in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Kuwait, Jordanien und Syrien.
Saudi-Arabien, die VAE und Kuwait hÀtten im April formelle Proteste in Bagdad eingereicht. Bahrain habe sogar den irakischen GeschÀftstrÀger in Manama einbestellt, Riad den irakischen Gesandten. Der Ton wird rauer, die Geduld der Golfstaaten mit dem Irak schwindet zusehends.
WofĂŒr das Bargeld eigentlich gedacht war
Die gestoppte Lieferung umfasse zwischen 450 und 500 Millionen US-Dollar in physischer Form â Geld, das ĂŒblicherweise regelmĂ€Ăig per Flugzeug nach Bagdad transportiert wird. Verwendet werde es ĂŒberwiegend fĂŒr den Einzelhandels-Devisenbedarf: Reisen, medizinische Behandlungen im Ausland, Auslandsstudium. Elektronische Dollar-Ăberweisungen fĂŒr Importe und Handel seien von der MaĂnahme nicht betroffen, wie ein Wirtschaftsberater Sudanis betonte.
Das Geld stammt aus irakischen Ăleinnahmen, die ĂŒber die Federal Reserve Bank of New York an die irakische Zentralbank flieĂen. Ein System, das seit der von den USA angefĂŒhrten Invasion 2003 besteht und die AbhĂ€ngigkeit Bagdads von Washington auf eindrĂŒckliche Weise vor Augen fĂŒhrt. Eine im April erwartete Lieferung sei schlicht nicht eingetroffen, der Status einer fĂŒr Mai geplanten Lieferung bleibe unklar. Eine offizielle Mitteilung Washingtons an die irakische Zentralbank gebe es bislang nicht â Diplomatie durch Schweigen sozusagen.
Die Botschaft aus Washington ist eindeutig
Ăber diplomatische KanĂ€le habe Washington Bagdad gewarnt, man werde das Versagen der Regierung beim Einhegen der iranischen Proxy-Milizen nicht lĂ€nger dulden. Diese Milizen sind bemerkenswerterweise zugleich in Parlament und Regierung vertreten â eine bizarre Konstellation, die die strukturelle SchwĂ€che des irakischen Staates offenlegt. Ein Beamter des irakischen AuĂenministeriums fasste die amerikanische Haltung unmissverstĂ€ndlich zusammen: Washington werde keine irakische Regierung unterstĂŒtzen, die nicht in der Lage sei, vom Iran gestĂŒtzte Milizen daran zu hindern, US-Interessen und GolfverbĂŒndete anzugreifen.
DarĂŒber hinaus sei die militĂ€rische und sicherheitspolitische Kooperation mit dem Irak â einem zentralen Partner im Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat â ausgesetzt worden. Das betreffe auch den Austausch von Geheimdienstinformationen. Ein hochrangiger irakischer MilitĂ€roffizier bestĂ€tigte, dass routinemĂ€Ăige gemeinsame Treffen mit dem US-MilitĂ€r ebenfalls auf Eis gelegt worden seien.
Was das fĂŒr die globale Ordnung bedeutet
Die aktuelle Episode zeigt exemplarisch, wie verwundbar Staaten sind, deren Finanzsystem am Tropf einer fremden Notenbank hĂ€ngt. Der Irak verdient seine Ăleinnahmen in Dollar â und muss tatenlos zusehen, wenn Washington beschlieĂt, den Geldhahn zuzudrehen. Ein eindringlicher Fingerzeig darauf, welche Macht jene ausĂŒben, die ĂŒber die WeltleitwĂ€hrung gebieten. Kein Wunder, dass immer mehr Staaten â von China ĂŒber Russland bis zu den BRICS-Partnern â nach Alternativen zum Dollar suchen und ihre Goldreserven systematisch aufstocken.
WĂ€hrend Regierungen und Notenbanken sich in AbhĂ€ngigkeiten verfangen, die sich politisch jederzeit gegen sie wenden lassen, zeigt sich einmal mehr der bleibende Wert von physischen Edelmetallen als staatsunabhĂ€ngige Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Sanktionen, keine diplomatischen Einbestellungen und keine gestoppten Flugzeuge voller Bargeld. Sie liegen im Tresor und behalten ihren Wert â unabhĂ€ngig davon, welche politischen Winde gerade durch Washington, Teheran oder Bagdad wehen.
Ein LehrstĂŒck ĂŒber MachtverhĂ€ltnisse
Wer hĂ€tte gedacht, dass eine schlichte Bargeld-Lieferung zum geopolitischen Druckmittel werden könnte? Die VorgĂ€nge zwischen Washington und Bagdad illustrieren eindrucksvoll, dass Finanzströme lĂ€ngst zu den schĂ€rfsten Waffen moderner AuĂenpolitik gehören. WĂ€hrend die US-Regierung unter PrĂ€sident Trump mit harter Hand vorgeht, bleibt die irakische FĂŒhrung in einem Spagat zwischen Teheran und Washington gefangen, den sie langfristig kaum durchhalten dĂŒrfte. FĂŒr Beobachter aus Europa â insbesondere aus einem Deutschland, das sich selbst in wachsende wirtschaftliche AbhĂ€ngigkeiten manövriert hat â sollte dies eine Warnung sein. SouverĂ€nitĂ€t beginnt bei der finanziellen UnabhĂ€ngigkeit, und diese lĂ€sst sich am verlĂ€sslichsten mit handfesten Werten sichern.
Hinweis: Der vorliegende Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier wiedergegebenen EinschĂ€tzungen geben ausschlieĂlich die Meinung unserer Redaktion wieder und ersetzen keine individuelle Beratung durch einen qualifizierten Finanzberater. Jeder Anleger ist selbst verantwortlich fĂŒr seine Anlageentscheidungen und sollte eigenstĂ€ndig grĂŒndlich recherchieren, bevor er Kapital investiert.










