Kettner Edelmetalle
23.02.2026
14:09 Uhr

Trumps Zoll-Chaos: EU friert Handelsabkommen ein – und Deutschland steht wieder im Regen

Was als historischer Durchbruch auf einem schottischen Golfplatz gefeiert wurde, entpuppt sich nun als das, was Skeptiker von Anfang an befĂŒrchtet hatten: ein Kartenhaus im transatlantischen Sturm. Die EuropĂ€ische Union hat die Umsetzung des mĂŒhsam mit Washington ausgehandelten Zollabkommens auf Eis gelegt – und steht damit vor einem handelspolitischen Scherbenhaufen, der einmal mehr die fatale AbhĂ€ngigkeit Europas von amerikanischer WillkĂŒr offenbart.

Der Golfplatz-Deal: Schon bei der Geburt ein Totgeborener?

Man erinnere sich: Im Sommer 2025 trafen sich Donald Trump und EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen auf Trumps Turnberry-Golfplatz in Schottland, um einen Kompromiss im Zollstreit zu schmieden. Die EU akzeptierte damals unter dem Druck noch höherer Strafzölle einen allgemeinen Höchstzollsatz von 15 Prozent fĂŒr Lieferungen in die USA. Im Gegenzug verpflichtete sich BrĂŒssel, eigene Zölle zu senken, mehr in den Vereinigten Staaten zu investieren und – man höre und staune – mehr amerikanisches FlĂŒssigerdgas zu kaufen. Ein Deal, der schon damals den bitteren Beigeschmack einer Kapitulation hatte.

Nun hat Trump am vergangenen Sonntag neue Zölle verkĂŒndet, die dieses Abkommen faktisch aushebeln. Laut einer Analyse von Global Trade Alert wĂŒrde die vorĂŒbergehende Regelung den effektiven Zollsatz fĂŒr die EU um etwa 0,8 Prozentpunkte auf 12,5 Prozent erhöhen. Das klingt zunĂ€chst moderat – doch die TĂŒcke liegt im Detail: Die neuen 15-Prozent-Zölle kĂ€men auf den bestehenden MeistbegĂŒnstigungszollsatz obendrauf, sodass viele europĂ€ische Produkte kĂŒnftig deutlich höher belastet wĂŒrden als im Turnberry-Abkommen vereinbart.

Die absurde Ironie: Trumps Feinde profitieren, seine VerbĂŒndeten bluten

Besonders pikant ist die Verteilung der Lasten. WĂ€hrend Trump rhetorisch nicht mĂŒde wird, die BRICS-Staaten als wirtschaftliche Gegner zu brandmarken, trifft seine neue Zollpolitik ausgerechnet die europĂ€ischen VerbĂŒndeten hĂ€rter als China, Brasilien oder Indien. Die Belastung fĂŒr diese LĂ€nder wĂŒrde durch die neue Regelung sogar sinken. Italien und Frankreich wĂ€ren besonders betroffen, aber auch Deutschland mĂŒsste deutlich schlechtere Konditionen hinnehmen. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Ist das noch Verhandlungstaktik – oder schlicht Inkompetenz?

Die EU-Kommission reagierte mit einer Mischung aus diplomatischer Empörung und hilfloser Beschwörung. „Ein Deal ist ein Deal", betonte man in BrĂŒssel und forderte, dass EU-Produkte weiterhin von der „bestmöglichen Wettbewerbsbehandlung" profitieren mĂŒssten. Schöne Worte, gewiss. Doch wer glaubt ernsthaft, dass sich ein Donald Trump von solchen Appellen beeindrucken lĂ€sst?

Berlin zwischen ZurĂŒckhaltung und Ratlosigkeit

Die Reaktionen aus Berlin offenbaren einmal mehr das ganze Dilemma deutscher Außenhandelspolitik. Bundeskanzler Friedrich Merz gab sich betont zurĂŒckhaltend. Sein Regierungssprecher Stefan Kornelius erklĂ€rte, man wolle das amerikanische Zoll-Urteil zunĂ€chst „sorgfĂ€ltig prĂŒfen" und erst dann Konsequenzen ziehen, „wenn tatsĂ€chlich das Ausmaß konkret absehbar ist". FĂŒr die Unternehmen sei Planungssicherheit wichtig. Merz plane in KĂŒrze einen bilateralen Besuch in den USA – vielleicht komme die Reise „zu einem guten Zeitpunkt".

Planungssicherheit. SorgfĂ€ltige PrĂŒfung. Guter Zeitpunkt. Man kennt diese Phrasen zur GenĂŒge aus dem Berliner Politikbetrieb. Sie sind das rhetorische Äquivalent eines Achselzuckens. WĂ€hrend deutsche Unternehmen hĂ€nderingend nach Orientierung suchen, ĂŒbt sich die Bundesregierung in abwartender Diplomatie.

Deutlich unverblĂŒmter Ă€ußerte sich Bundesfinanzminister Lars Klingbeils Berater Jens SĂŒdekum. Der Deal sei „jetzt erst mal Geschichte", konstatierte er nĂŒchtern. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA, das Trumps Zölle fĂŒr unrechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rte, habe dem PrĂ€sidenten sein „flexibles Drohpotenzial" genommen. Der SPD-Politiker Dirk Wiese forderte Europa auf, „resolut aufzutreten" – „Brust raus" und „auch die ZĂ€hne zeigen". Markige Worte, die allerdings wenig darĂŒber hinwegtĂ€uschen können, dass Europa in diesem Spiel seit Jahren die schwĂ€cheren Karten hĂ€lt.

Das Urteil des Supreme Court und seine Folgen

Der Hintergrund der aktuellen Eskalation ist bemerkenswert: Der Oberste Gerichtshof der USA hatte am Freitag die meisten der von Trump verhĂ€ngten Zölle fĂŒr unrechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rt. Das von Trump bemĂŒhte Notstandsgesetz ermĂ€chtige den PrĂ€sidenten nicht zur VerhĂ€ngung von Zöllen – hierfĂŒr sei der Kongress zustĂ€ndig, urteilten die Richter. Die amerikanische Zollbehörde kĂŒndigte daraufhin an, die entsprechenden Abgaben ab Dienstag nicht mehr zu erheben. Alle Tarifcodes fĂŒr die bisherigen IEEPA-Zölle wĂŒrden deaktiviert.

Doch Trump wĂ€re nicht Trump, wenn er sich von einem Gerichtsurteil aufhalten ließe. Statt die Niederlage zu akzeptieren, verkĂŒndete er umgehend neue Zölle auf anderer Rechtsgrundlage – diesmal gestĂŒtzt auf Section 122. Ein juristisches Katz-und-Maus-Spiel, das die GrĂŒnen-Abgeordnete Anna Cavazzini treffend kommentierte: „Zu befĂŒrchten steht, dass Trump seine Befugnisse so lange ĂŒberdehnt, bis er einen neuen rechtlichen Weg fĂŒr seine ungerechtfertigten Zölle gefunden hat."

EU-Parlament zieht die Notbremse

Das EuropĂ€ische Parlament reagierte am Montag mit der einzig logischen Konsequenz und beschloss, die Arbeit an der Umsetzung des Turnberry-Deals zu pausieren. Eine breite Mehrheit der Fraktionen sprach sich dafĂŒr aus, vorerst nicht ĂŒber die Abschaffung der EU-Zölle auf amerikanische Industrieprodukte abzustimmen. Bernd Lange, Vorsitzender des EP-Handelsausschusses, brachte die Lage auf den Punkt: Niemand wisse, „ob die USA sich an die Abmachungen von Schottland halten werden – oder ĂŒberhaupt noch können".

Die WirtschaftsverbĂ€nde hingegen warnen vor einer zu harten Konfrontation. BDI-PrĂ€sident Peter Leibinger mahnte, der Turnberry-Deal sei „der Maßstab, hinter dessen Bedingungen dĂŒrfen wir nicht zurĂŒckfallen". Eine verstĂ€ndliche Position aus Sicht der Industrie – doch sie verkennt, dass man mit einem Verhandlungspartner, der sich an keine Abmachung gebunden fĂŒhlt, schlicht nicht auf Augenhöhe verhandeln kann.

Die bittere Lektion fĂŒr Europa

Was sich hier vor unseren Augen abspielt, ist mehr als ein handelspolitischer Streit. Es ist die schonungslose Offenlegung einer strategischen SchwĂ€che, die Europa seit Jahrzehnten mit sich herumschleppt. Statt eigene wirtschaftliche StĂ€rke aufzubauen, hat man sich in eine AbhĂ€ngigkeit begeben, die nun gnadenlos ausgenutzt wird. Die deutsche Wirtschaft, einst das RĂŒckgrat europĂ€ischer ProsperitĂ€t, leidet bereits unter einer hausgemachten Deindustrialisierung – und nun kommen von jenseits des Atlantiks noch zusĂ€tzliche Belastungen hinzu.

FĂŒr den deutschen BĂŒrger bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: weitere Unsicherheit in ohnehin turbulenten Zeiten. Die Inflation, befeuert durch das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der Bundesregierung, frisst bereits an der Kaufkraft. Steigende Zölle werden die Exportwirtschaft zusĂ€tzlich belasten und könnten ArbeitsplĂ€tze gefĂ€hrden. In solchen Zeiten der wirtschaftlichen Unberechenbarkeit zeigt sich einmal mehr der Wert physischer Edelmetalle als Anker der Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Zollschranken, keine politischen Launen und keine richterlichen Urteile – sie bewahren ihren Wert, wĂ€hrend Papiergeld und Handelsabkommen im Wind flattern.

„Die Bedingungen des Turnberry-Abkommens und die Rechtsgrundlage, auf der es beruht, haben sich geĂ€ndert." – Bernd Lange, Vorsitzender des EP-Handelsausschusses

Europa steht am Scheideweg. Entweder findet der Kontinent endlich den Mut zu einer eigenstĂ€ndigen, selbstbewussten Handelspolitik – oder er bleibt auf ewig der Spielball amerikanischer Innenpolitik. Die Zeichen stehen leider nicht gut.

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