Kettner Edelmetalle
25.02.2026
20:45 Uhr

ThĂŒringer Linkspartei im Filz-Sumpf: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen

Es ist eine Ironie der Geschichte, die man sich kaum besser hĂ€tte ausdenken können. Ausgerechnet die Linkspartei – jene politische Kraft, die sich stets als moralische Instanz geriert und andere Parteien mit dem Vorwurf der Vetternwirtschaft ĂŒberzieht – steht nun selbst im Zentrum schwerwiegender Filz-VorwĂŒrfe. Was in ThĂŒringen ans Licht kommt, offenbart einmal mehr das systemische Problem der deutschen Parteienlandschaft: FamiliĂ€re Verflechtungen durchziehen die politischen Strukturen wie ein unsichtbares Netzwerk.

Mutter, Partner, Ehefrau – ein Familienbetrieb auf Steuerzahlerkosten?

Die ThĂŒringer Allgemeine hat recherchiert, und die Ergebnisse dĂŒrften selbst hartgesottene Beobachter des politischen Betriebs ins Staunen versetzen. Gleich mehrere FĂ€lle familiĂ€rer Verflechtungen innerhalb der ThĂŒringer Linkspartei sind aufgedeckt worden. Die Mutter des ThĂŒringer Fraktionschefs Christian Schaft arbeite demnach im WahlkreisbĂŒro eines Europaabgeordneten der Linken. Bei diesem handele es sich um Martin Schirdewan, der seit 2019 als Co-Vorsitzender der Linksfraktion im EuropĂ€ischen Parlament fungiert. Die Fraktion versuchte die Angelegenheit mit dem Hinweis zu entschĂ€rfen, Schafts Mutter sei â€žĂŒber viele Jahre bereits engagiert gewesen" – unter anderem als Gemeinderatsmitglied und ehrenamtliche Beigeordnete.

Doch damit nicht genug. Auch bei der Landtagsabgeordneten und Vize-LandtagsprĂ€sidentin Lena Saniye GĂŒngör existiere eine familiĂ€re Verbindung. Ihr Lebenspartner sei bei einer Bundestagsabgeordneten beschĂ€ftigt, die nicht einmal aus ThĂŒringen stamme. Das ArbeitsverhĂ€ltnis habe zwar bereits vor Beginn der Partnerschaft bestanden, wie ein Sprecher betonte – doch der fade Beigeschmack bleibt. Und als wĂ€re das Bild noch nicht vollstĂ€ndig: Die Ehefrau des Landtagsabgeordneten Sascha Bilay arbeite als Pressesprecherin in der ThĂŒringer Linke-Fraktion. Man habe sich als Mitarbeiter kennengelernt und spĂ€ter geheiratet, heißt es.

Van Akens „ClankriminalitĂ€t"-Vorwurf fĂ€llt auf die eigene Partei zurĂŒck

Besonders pikant wird die Angelegenheit durch die markigen Worte des Linken-Bundeschefs Jan van Aken. Dieser hatte zuvor mit Blick auf die AfD vollmundig erklĂ€rt: „Wenn korrupte AfD-FunktionĂ€re im ganzen Land ihre Familienmitglieder mit Parteijobs versorgen, dann ist das schlimmste ClankriminalitĂ€t." Ein Satz, der nun wie ein Bumerang zurĂŒckkehrt. Denn wenn dieselben MaßstĂ€be angelegt werden, die van Aken so großzĂŒgig auf den politischen Gegner anwendet – was bedeutet das dann fĂŒr die eigene Partei?

Es ist dieses unertrĂ€gliche Muster der Doppelmoral, das den deutschen BĂŒrger zunehmend von der etablierten Politik entfremdet. Man zeigt mit dem Finger auf andere, wĂ€hrend man selbst bis zum Hals im selben Sumpf steckt. Die Linkspartei, die sich als Erbin der SED noch immer als AnwĂ€ltin der „kleinen Leute" inszeniert, entpuppt sich bei nĂ€herer Betrachtung als ebenso anfĂ€llig fĂŒr jene Strukturen, die sie bei anderen so vehement anprangert.

Ein systemisches Problem der deutschen Parteiendemokratie

Wer ehrlich ist, muss zugeben: Das PhĂ€nomen der Vetternwirtschaft ist kein Alleinstellungsmerkmal einer einzelnen Partei. Man erinnere sich nur an den Graichen-Skandal bei den GrĂŒnen, als die familiĂ€ren Verflechtungen im Wirtschaftsministerium von Robert Habeck fĂŒr Schlagzeilen sorgten. Oder an die zahllosen FĂ€lle in CDU und SPD, wo ĂŒber Jahrzehnte hinweg Posten und Pöstchen im Familienkreis weitergereicht wurden wie ErbstĂŒcke. Die gesamte deutsche Parteienlandschaft scheint von einem Netzwerk aus GefĂ€lligkeiten, familiĂ€ren Banden und gegenseitigen AbhĂ€ngigkeiten durchzogen zu sein.

Doch gerade deshalb ist es so entlarvend, wenn eine Partei wie die Linke versucht, sich als moralisch ĂŒberlegen darzustellen und den politischen Gegner mit Begriffen wie „ClankriminalitĂ€t" zu diffamieren. Wer solche GeschĂŒtze auffĂ€hrt, sollte zumindest sicherstellen, dass das eigene Haus in Ordnung ist. Dass dies offensichtlich nicht der Fall ist, spricht BĂ€nde ĂŒber den Zustand der politischen Kultur in diesem Land.

Die BĂŒrger haben ein Recht darauf zu erfahren, wie ihre Steuergelder verwendet werden und ob Stellen in der Politik nach Qualifikation oder nach Verwandtschaftsgrad vergeben werden. Es wĂ€re an der Zeit, dass alle Parteien – ohne Ausnahme – transparente Regeln fĂŒr die BeschĂ€ftigung von Familienangehörigen einfĂŒhren. Denn das Vertrauen in die demokratischen Institutionen erodiert nicht durch die Aufdeckung solcher FĂ€lle, sondern durch die Scheinheiligkeit, mit der sie behandelt werden.

Deutschland braucht Politiker, die mit gutem Beispiel vorangehen, statt sich gegenseitig den Dreck um die Ohren zu werfen. Doch solange der politische Betrieb mehr einem Familienunternehmen gleicht als einer dem Gemeinwohl verpflichteten Institution, wird das Vertrauen der BĂŒrger in ihre gewĂ€hlten Vertreter weiter schwinden. Und das, so muss man leider konstatieren, ist vielleicht der grĂ¶ĂŸte Schaden, den diese Filz-AffĂ€ren anrichten.

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