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23.08.2026
18:46 Uhr
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SPD-Fraktionschef will AfD verbieten – und empfiehlt die Linke

SPD-Fraktionschef will AfD verbieten – und empfiehlt die Linke
Symbolbild: KI-generiert

Hamburgs SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Kienscherf hat sich in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt klar fĂŒr ein Verbot der AfD ausgesprochen. Ein Parteiverbot wĂ€re nach seiner Überzeugung „genau das Richtige“ – nur fehle dafĂŒr bislang die Mehrheit. Unzufriedenen WĂ€hlern empfiehlt der Sozialdemokrat stattdessen eine andere Adresse: im Osten notfalls die Linkspartei.

Der historische Vergleich – und seine Grenzen

Kienscherf argumentiert mit der Weimarer Republik. Die NSDAP habe 1933 sehr deutlich gesagt, wohin die Reise gehe, sei von Millionen gewĂ€hlt und nicht rechtzeitig verboten worden – es folgten Judenverfolgung, Weltkrieg und Holocaust, so seine Darstellung.

Zugleich betont er, beide Parteien nicht vergleichen zu wollen. Ein rhetorisches Manöver, das Kritiker als widersprĂŒchlich empfinden dĂŒrften: Erst die Nazi-Parallele aufrufen, dann versichern, man habe sie gar nicht gezogen.

„Ich wundere mich, dass Menschen eine Partei wĂ€hlen, die nicht nur als rechtsextrem eingeschĂ€tzt wird, sondern deren öffentliche Äußerungen darauf aus sind, unsere freiheitliche Grundordnung zu beseitigen.“

FĂŒr gefĂ€hrlich hĂ€lt er unter anderem die bildungs- und kulturpolitischen PlĂ€ne der AfD sowie deren Absicht, den Rundfunkstaatsvertrag zu kĂŒndigen. Ausgerechnet die Kritik am milliardenschweren öffentlich-rechtlichen System gilt hier also als Verbotsargument – fĂŒr viele Beitragszahler dĂŒrfte das ein bemerkenswerter Maßstab sein.

Protest bitte nur nach links?

Nicht alle AfD-WĂ€hler seien Extremisten, rĂ€umt Kienscherf ein. Wer protestieren wolle, könne aber auch andere Parteien wĂ€hlen – „im Osten von mir aus auch die Linke!“. Aus Sicht unserer Redaktion offenbart dieser Satz das eigentliche Problem: Der WĂ€hlerwille wird nicht ernst genommen, sondern umgeleitet.

Bemerkenswert ehrlich fĂ€llt dagegen seine Bilanz zu 2015 aus. Den Aufstieg der AfD fĂŒhrt er auf die damalige FlĂŒchtlingskrise zurĂŒck; angesichts der ZustĂ€nde in Budapest sei die Entscheidung verstĂ€ndlich gewesen, ob sie richtig war, bezweifle er heute eher. Es sei eine Entscheidung der damaligen Kanzlerin Angela Merkel gewesen.

Bei der Integration sei nicht alles gut gelaufen, so Kienscherf weiter. Zugleich mahnt er, Menschen, die ihre Sorgen in vernĂŒnftigem Ton Ă€ußerten, dĂŒrfe man nicht pauschal als Rassisten abkanzeln.

Verbotsdebatte kurz vor entscheidenden Wahlen

Der Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Medienberichten zufolge hatte die Hamburgische BĂŒrgerschaft bereits im Januar 2026 mehrheitlich eine grĂŒndliche PrĂŒfung der Erfolgsaussichten eines Verbotsverfahrens in Auftrag gegeben; den Anstoß gaben die rot-grĂŒnen Regierungsfraktionen.

Und der Zeitpunkt ist brisant: Am 6. September 2026 wÀhlt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. In Umfragen liegt die AfD laut Umfrageportalen bei rund 42 Prozent, die regierende CDU bei etwa 23 Prozent, die SPD bei rund sieben Prozent. 2021 kam die AfD dort auf 20,8 Prozent.

Beobachter warnen seit Langem, dass Verbotsdebatten die Zustimmung eher befeuern als dĂ€mpfen. Denn eine Partei mit Verboten aus dem Wettbewerb zu nehmen, statt ihre WĂ€hler politisch zurĂŒckzugewinnen, wirkt auf viele BĂŒrger wie ein EingestĂ€ndnis eigener SchwĂ€che.

Das Bundesverfassungsgericht hat die HĂŒrden fĂŒr Parteiverbote traditionell hoch gelegt – 2017 scheiterte der zweite NPD-Verbotsantrag, weil dem Gericht die Anhaltspunkte fĂŒr eine erfolgreiche Durchsetzung der Ziele fehlten. Ein Verbotsverfahren gegen die stĂ€rkste Kraft in Umfragen wĂ€re ein Novum mit ungewissem Ausgang.

Dieser Beitrag gibt die EinschÀtzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.

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