Kettner Edelmetalle
20.06.2024
05:55 Uhr

Sicherheitslage in Deutschland spitzt sich zu: Neuer Bericht zeigt steigende ExtremismusfÀlle

Die Sicherheitslage in Deutschland ist laut Innenministerin Nancy Faeser sowohl durch externe als auch interne Bedrohungen angespannt. Die Einstufung der AfD als gesichert rechtsextrem ist weiterhin in der PrĂŒfung. Erstmals hat der Verfassungsschutz die Klimaschutzgruppe Ende GelĂ€nde als linksextremistischen Verdachtsfall klassifiziert. Zusammen mit VerfassungsschutzprĂ€sident Haldenwang stellte Bundesinnenministerin Faeser gestern den Verfassungsschutzbericht vor.

Steigende ExtremismusfÀlle und angespannte Sicherheitslage

Gestern stellten Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und der PrĂ€sident des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz (BfV) Thomas Haldenwang den aktuellen Verfassungsschutzbericht vor der Presse vor. Auf gut 400 Seiten malen die VerfassungsschĂŒtzer ein dĂŒsteres Bild: Die Sicherheitslage in Deutschland bleibt angespannt. Deutschlands Demokratie stehe unter „erheblichem Druck“, machte die Ministerin gleich zu Beginn der Pressekonferenz deutlich. 2023 habe sich die ohnehin schon angespannte Sicherheitslage verschĂ€rft. Die Zahl der extremistischen Straftaten in Deutschland erreichte im Jahr 2023 mit insgesamt 39.433 FĂ€llen einen neuen Höchststand, was ein Anstieg von etwa 11 Prozent gegenĂŒber 35.452 Delikten aus dem Vorjahr ist. Die Anzahl der Gewalttaten ist hingegen leicht auf 2.761 (2022: 2.847) zurĂŒckgegangen.

Externe Bedrohungen durch Spionage und Cyberangriffe

An den Anfang ihrer AusfĂŒhrungen stellte Bundesinnenministerin Faeser vor der Bundespressekonferenz allerdings nicht die inlĂ€ndische Gefahrenlage, sondern die AktivitĂ€ten auslĂ€ndischer Staaten. Die Bedrohung Deutschlands durch Spionage, Sabotage, Desinformation und Cyberangriffe habe eine neue Dimension erreicht, so Faeser. An erster Stelle nannte die Ministerin hier hybride Angriffe durch Russland. So stĂŒnden im Moment auch deutsche Parteien in dem Fokus russischer Cyberangriffe. Ein Angriff auf die SPD habe dem russischen MilitĂ€rgeheimdienst GRU zugeordnet werden können.

Die SPD hatte im Juni 2023 bekannt gegeben, dass E-Mail-Konten des SPD-Parteivorstands bereits im Januar Ziel eines Cyberangriffs geworden sind. Möglich geworden sei das durch eine zum Zeitpunkt des Angriffs noch unbekannte SicherheitslĂŒcke beim Softwarekonzern Microsoft, hieß es damals aus der SPD – und: „Es ist nicht auszuschließen, dass es zu einem Abfluss von Daten aus vereinzelten E-Mail-PostfĂ€chern kam.“ Aber auch China und der Iran setzten ihre Geheimdienste verstĂ€rkt in Deutschland ein, so die Innenministerin. Faeser kĂŒndigte deshalb an, dass sie sich fĂŒr eine Erweiterung der Befugnisse des Bundeskriminalamtes bei Cyberangriffen einsetzen wolle.

Gefahr durch Islamismus in Deutschland hoch

Eine weitere Bedrohung der Sicherheit ist laut der Bundesinnenministerin durch den Überfall der Hamas auf Israel im Oktober des vergangenen Jahres entstanden. Die Zahl antisemitischer Straftaten habe daraufhin in Deutschland sprunghaft zugenommen. Der Bericht enthĂ€lt erstmals ein phĂ€nomenĂŒbergreifendes Sonderkapitel zu den Auswirkungen des Nahostkonflikts und zum Antisemitismus. Ebenfalls sei die Bedrohung durch die islamistische Szene dadurch gewachsen. „Wir bleiben im Kampf gegen den Islamismus Ă€ußerst wachsam“, betonte Faeser.

Besonders von EinzeltÀtern und Kleinstgruppen gehe eine hohe Gefahr aus. Faeser nannte als Beispiel den islamistischen Messerangriff von Mannheim.

Zahl der Rechts- und Linksextremisten gestiegen

In den Bereichen Rechts- und Linksextremismus habe 2023 das Personenpotenzial allerdings zugenommen. Die Zahl der dem Rechtsextremismus zugeordneten Personen sei im vergangenen Jahr von 38.800 in 2022 auf 40.600 angewachsen. Leicht angestiegen ist laut Bericht des Verfassungsschutzes auch der Anteil gewaltorientierter Rechtsextremisten. Waren es 2022 noch 14.000 Personen, geht das Bundesamt nun fĂŒr 2023 von 14.500 Personen aus.

Im Jahr 2023 sei zudem die Zahl der Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund um fast ein Viertel auf rund 29.000 angestiegen, so Haldenwang. Besonders beunruhigt zeigte er sich vom Anstieg der Gewalttaten um 13 Prozent auf 1.148 FÀlle (2022: 1.016). In 1.016 FÀllen habe es sich um Körperverletzungsdelikte gehandelt. Zudem seien vier FÀlle von versuchter Tötung gezÀhlt worden.

Klimaaktivisten erstmals Verdachtsfall

Im Jahr 2023 ist die Zahl der Personen, die dem linksextremistischen Spektrum zugeordnet werden, um 500 auf insgesamt 37.000 angestiegen. Laut Verfassungsschutz gilt mehr als ein Viertel dieser Personen als gewaltorientiert. Besorgniserregend ist laut Haldenwang der Anstieg der linksextremistisch motivierten Gewalttaten um 20,8 Prozent auf 727 Delikte (2022: 602). Die Gesamtzahl der linksextremistisch motivierten Straftaten stieg um 10,4 Prozent auf 4.248.

Haldenwang gab zudem bekannt, dass die Klimaaktivistengruppe Ende GelĂ€nde erstmals als linksextremistischer Verdachtsfall eingestuft und beobachtet wird. Das BĂŒndnis, das vorwiegend durch Proteste gegen den Kohlebergbau in Erscheinung getreten war, habe seine Aktionsformen zunehmend „bis hin zur Sabotage“ verschĂ€rft. Grundsatzpapiere der Gruppe ließen „deutlich eine Radikalisierung im Hinblick auf die vorherrschenden ideologischen Positionen“ erkennen, so Haldenwang. Innenministerin Faeser riet den politischen Jugendorganisationen der GrĂŒnen, der SPD und anderen Parteien daraufhin, die Zusammenarbeit mit dieser Gruppierung zu beenden.

Insgesamt wurden im Jahr 2023 39.433 Straftaten mit extremistischem Hintergrund registriert, ein Anstieg von fast 4.000 FĂ€llen gegenĂŒber dem Vorjahr (2022: 35.452). Dabei handelte es sich in 2.761 FĂ€llen um Gewalttaten (2022: 2.847), womit ein neuer Höchststand erreicht wurde, so der Verfassungsschutz.

Wissenswertes zum Thema