Kettner Edelmetalle
27.02.2026
07:47 Uhr

Niederlande stoppen Phantomsteuer: Wie der Staat Gewinne besteuern wollte, die es gar nicht gibt

Was klingt wie eine Satire aus der Feder eines besonders zynischen Kabarettisten, war in den Niederlanden beinahe bittere RealitĂ€t geworden: Die Regierung in Den Haag wollte ab 2028 nicht realisierte Gewinne aus Aktien, Anleihen und KryptowĂ€hrungen mit satten 36 Prozent besteuern. Wohlgemerkt – Gewinne, die nur auf dem Papier existieren. Die der Anleger nie gesehen, nie ausgezahlt, nie auf seinem Konto verbucht hat. Nach einer Welle der Empörung rudert die neue linksliberale Regierung unter MinisterprĂ€sident Rob Jetten nun zurĂŒck.

Besteuern, was nicht existiert – der feuchte Traum jeder Fiskalregierung

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ein BĂŒrger kauft Aktien fĂŒr 10.000 Euro. Der Kurs steigt auf 15.000 Euro. Er verkauft nichts, er realisiert keinen einzigen Cent Gewinn – und dennoch hĂ€tte der niederlĂ€ndische Fiskus die Hand aufgehalten. 36 Prozent auf 5.000 Euro fiktiven Gewinn, das wĂ€ren 1.800 Euro Steuern. FĂ€llt der Kurs anschließend wieder auf 10.000 Euro, hat der Anleger exakt null Euro verdient, aber 1.800 Euro an den Staat abgefĂŒhrt. Absurder geht es kaum.

Der vorgesehene jĂ€hrliche Freibetrag von lĂ€cherlichen 1.800 Euro hĂ€tte daran wenig geĂ€ndert. Gerade in volatilen MĂ€rkten – man denke nur an Bitcoin und andere KryptowĂ€hrungen, deren Kurse innerhalb weniger Tage um zweistellige ProzentsĂ€tze schwanken können – wĂ€re diese Regelung einem fiskalischen Raubzug gleichgekommen. Anleger hĂ€tten Steuern auf Buchgewinne zahlen mĂŒssen, die sich am nĂ€chsten Tag bereits in Luft aufgelöst haben könnten.

Massiver Widerstand zwingt die Regierung in die Knie

Dass dieses Gesetz ĂŒberhaupt so weit kommen konnte, spricht BĂ€nde ĂŒber den Zustand der politischen Klasse in Europa. Eingebracht wurde der Entwurf ursprĂŒnglich von der niederlĂ€ndischen Übergangsregierung unter Premier Dick Schoof, und – man höre und staune – er wurde zunĂ€chst von nahezu allen großen Parteien unterstĂŒtzt. Eine bemerkenswerte Einigkeit, wenn es darum geht, den BĂŒrgern noch tiefer in die Taschen zu greifen.

Erst als die Kritik unĂŒberhörbar wurde, vollzog sich der Kurswechsel. Kritiker hatten eindringlich vor einer massiven Kapitalflucht aus den Niederlanden gewarnt. Zu Recht. Denn welcher vernĂŒnftige Anleger wĂŒrde sein Vermögen in einem Land belassen, das ihm Steuern auf Gewinne abverlangt, die er nie erzielt hat? Ein Sprecher des niederlĂ€ndischen Finanzministeriums rĂ€umte kleinlaut ein, man sei gegenĂŒber der Kritik „nicht taub" und das Gesetz mĂŒsse ĂŒberarbeitet werden. Eine bemerkenswerte Einsicht – wenngleich sie reichlich spĂ€t kommt.

Der Hintergrund: Ein Gerichtsurteil als TĂŒröffner

Auslöser der ganzen Debatte war ein Urteil des Hoge Raad, des höchsten niederlĂ€ndischen Gerichtshofs. Dieser hatte die bisherige Praxis, VermögensertrĂ€ge auf Basis angenommener – also pauschal geschĂ€tzter – Renditen zu besteuern, fĂŒr rechtswidrig erklĂ€rt. Statt jedoch eine bĂŒrgerfreundliche Lösung zu finden, griff die Politik zum denkbar schlechtesten Instrument: der Besteuerung von Buchgewinnen. Das ist in etwa so, als wĂŒrde man einem Patienten, der ĂŒber Kopfschmerzen klagt, gleich den ganzen Kopf amputieren.

Ein Warnsignal auch fĂŒr Deutschland

Deutsche BĂŒrger sollten diesen Vorgang mit Ă€ußerster Aufmerksamkeit verfolgen. Denn was in den Niederlanden beinahe RealitĂ€t geworden wĂ€re, könnte auch hierzulande schneller auf der Agenda stehen, als manchem lieb ist. Die Große Koalition unter Friedrich Merz hat mit dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen bereits gezeigt, dass fiskalische ZurĂŒckhaltung nicht gerade zu ihren Kernkompetenzen zĂ€hlt. Und wenn die Kassen erst einmal leer sind – was bei der aktuellen Ausgabenpolitik nur eine Frage der Zeit sein dĂŒrfte –, werden kreative Steuerideen nicht lange auf sich warten lassen.

Schon heute Ă€chzen deutsche Sparer und Anleger unter der Abgeltungssteuer, dem SolidaritĂ€tszuschlag und einer BĂŒrokratie, die jeden Kapitalertrag akribisch erfasst. Die Vorstellung, dass eines Tages auch hierzulande Buchgewinne besteuert werden könnten, ist keineswegs abwegig. Die niederlĂ€ndische Episode zeigt, wie schnell solche Ideen von der politischen Peripherie ins Zentrum der Gesetzgebung wandern können.

Physische Edelmetalle: Der Zugriff des Staates hat Grenzen

In Zeiten, in denen Regierungen immer dreistere Wege suchen, um an das Vermögen ihrer BĂŒrger zu gelangen, gewinnt ein Aspekt zunehmend an Bedeutung: die physische Vermögenssicherung. Gold und Silber in physischer Form bieten nicht nur einen bewĂ€hrten Inflationsschutz, sondern entziehen sich auch weitgehend der digitalen Überwachung und Besteuerung. Wer physische Edelmetalle nach einer Haltefrist von einem Jahr verĂ€ußert, kann dies in Deutschland nach aktueller Rechtslage sogar steuerfrei tun. Ein Vorteil, den weder Aktien noch KryptowĂ€hrungen bieten können. In einem breit gestreuten Anlageportfolio stellen physische Edelmetalle daher eine sinnvolle ErgĂ€nzung zur langfristigen Vermögenssicherung dar.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfĂ€ltiger Recherche getroffen werden. Wir ĂŒbernehmen keine Haftung fĂŒr individuelle Anlageentscheidungen unserer Leser. Bitte konsultieren Sie bei Bedarf einen qualifizierten Finanz- oder Steuerberater.

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