Kettner Edelmetalle
27.02.2026
07:16 Uhr

Merz in Peking: Wenn Pressemitteilungen als Diplomatie verkauft werden

Der Bundeskanzler ist zurĂŒck aus China. Drei Tage Dienstreise, rote Teppiche, MilitĂ€rempfang und ein Airbus-Großauftrag als Souvenir – so lĂ€sst sich die jĂŒngste Auslandsreise von Friedrich Merz zusammenfassen. Doch wer hinter die glĂ€nzende Fassade blickt, erkennt: Deutschland wurde in Peking mit höflicher Herablassung empfangen. Das Protokoll war makellos. Die Substanz? Erschreckend dĂŒnn.

120 Flugzeuge – ein Erfolg, der keiner ist

Im Stile eines Donald Trump verkĂŒndete Merz den vermeintlichen Höhepunkt seiner Reise: China bestellt 120 Airbus-Maschinen der Typen A320 und A350. Die Bilder waren perfekt inszeniert, die Schlagzeilen vorprogrammiert. Der Kanzler als Dealmaker, als Akquisiteur europĂ€ischer Wirtschaftsinteressen auf der WeltbĂŒhne. Doch ein nĂŒchterner Blick auf die Fakten entlarvt die Inszenierung als das, was sie ist – ein Wahlkampfmanöver.

Denn chinesische Großbestellungen bei Airbus sind kein Ausnahmeereignis. Sie gehören zum eingespielten Beschaffungsrhythmus der chinesischen Luftfahrtindustrie. Jahr fĂŒr Jahr fĂŒllen AuftrĂ€ge aus dem Reich der Mitte die BĂŒcher des europĂ€ischen Flugzeugbauers. Die Produktionsslots waren lĂ€ngst geplant – sie kollidierten lediglich zufĂ€llig mit dem Besuch des Kanzlers. Was Merz als persönlichen Verhandlungserfolg rahmt, ist in Wahrheit nicht mehr als eine routinierte Industriebestellung, die auch ohne seine Anwesenheit zustande gekommen wĂ€re.

Der feine Unterschied zu Trump

Hier offenbart sich der gravierende Unterschied zwischen der Inszenierung des deutschen Kanzlers und jener des amerikanischen PrĂ€sidenten. Wenn Donald Trump von Auslandsreisen heimkehrt, bringt er reale Investitionen mit. Fabriken werden gebaut, Standorte ausgebaut, Kapital fließt messbar in amerikanische Wertschöpfung. Ob man seine Methoden nun gutheißt oder nicht – die Vereinigten Staaten ziehen unter seiner FĂŒhrung industrielle Substanz an und binden sie im eigenen Land.

Friedrich Merz hingegen bringt Pressemitteilungen mit. Er prĂ€sentiert turnusmĂ€ĂŸige AuftrĂ€ge als diplomatische Meisterleistung und hofft, dass die mediale Wirkung ĂŒber die inhaltliche Leere hinwegtĂ€uscht. Der eine schafft ProduktionskapazitĂ€ten, der andere Schlagzeilen. Ein Unterschied, der symptomatisch ist fĂŒr den Zustand der deutschen Politik insgesamt.

Protokollarische Champions League, geopolitische Kreisklasse

Man muss den Chinesen zugutehalten: Sie verstehen es meisterhaft, ihre GĂ€ste nicht mit leeren HĂ€nden nach Hause reisen zu lassen. Der Empfang in der Großen Halle des Volkes durch MinisterprĂ€sident Li Qiang, die persönliche Unterredung mit StaatsprĂ€sident Xi Jinping, das abendliche Dinner, der MilitĂ€rempfang am Flughafen – die Choreografie stimmte bis ins letzte Detail. Fahnen, Ehrenformationen, sorgfĂ€ltig arrangierte Bilder. Deutschland spielt protokollarisch nach wie vor in der ersten Liga.

Geopolitisch allerdings sieht die RealitĂ€t völlig anders aus. Merz bezeichnete China vor seiner Abreise als „strategischen Partner", ohne auch nur ansatzweise zu definieren, was dieser Begriff in der aktuellen Weltlage konkret bedeuten soll. Peking steht felsenfest an der Seite Moskaus im Ukraine-Krieg. Zwanzig EU-Sanktionspakete gegen Russland sind nicht nur Signale an den Kreml, sondern auch geopolitische Marker in Richtung China. Wie naiv muss ein deutscher Bundeskanzler sein, um zu glauben, dass sich diese Spannungen durch freundliche Worte und HĂ€ndeschĂŒtteln auflösen lassen?

Die selbstverschuldete SchwÀche

Aus chinesischer Perspektive stellt sich eine ebenso einfache wie vernichtende Frage: Welches Angebot soll man einer Wirtschaftsdelegation eines Landes unterbreiten, das durch selbstgewĂ€hlte industrielle Demontage seine eigene Produktionsbasis systematisch zerstört? Die Folgen des europĂ€ischen Ökosozialismus sind verheerend. Deutschland ist im Handel mit China lĂ€ngst zum Kapitalimporteur degradiert worden. Die Handelsbilanz klafft immer tiefer auseinander. In zentralen Industriesektoren sind Wettbewerbsvorteile erodiert, energieintensive Wertschöpfung steht unter massivem Druck.

Und diese Misere ist hausgemacht. Jede neue Auflage, jede zusĂ€tzliche Abgabe, jede Transformationsvorgabe schnĂŒrt der deutschen Industrie die Luft ab. Regulatorische HĂŒrden, Taxonomien, Lieferkettengesetze, CO₂-Grenzausgleichsmechanismen – sie alle formen ein dichtes Geflecht indirekter Marktschranken, die Deutschland im globalen Wettbewerb systematisch benachteiligen. Es ist nicht die Schuld der Chinesen, dass sich der Antriebsraum der deutschen Wirtschaft – Ingenieurskunst, Maschinenbau, Automobilindustrie – unter dem Druck von EU-Regulatoren und Energiewendefanatismus in seine Einzelteile zerlegt hat.

Merz beklagt, was er selbst mitverursacht

Besonders entlarvend wirkte der Moment, als der Kanzler mit Blick auf die tief negative Handelsbilanz „unfaire Handelspraktiken" der Chinesen beklagte. Der Marktzugang mĂŒsse fair sein, Benachteiligungen dĂŒrfe es nicht geben, so Merz. Die Worte klingen entschlossen, sie zielen auf Gegenseitigkeit im globalen Handel. Und sie klingen – man muss es so deutlich sagen – erschreckend naiv.

Denn sind es nicht ausgerechnet die EuropĂ€er, die lĂ€ngst Weltmeister des versteckten Protektionismus geworden sind? War es nicht deutsche und europĂ€ische Politik, die den grotesk anmutenden Kampf um die emissionsfreie Wirtschaft auf maximal repressive Weise in die eigene Handelspolitik eingeflochten hat? Wer seine eigenen Kostenvorteile systematisch eliminiert, verliert im globalen Vergleich an Boden – und geopolitisch an Schlagkraft. Merz steht exemplarisch fĂŒr eine europĂ€ische politische Klasse, die die Ursachen struktureller SchwĂ€chen stets im Außen sucht, anstatt den Blick schonungslos nach innen zu richten.

China sieht Europa als Absatzmarkt fĂŒr Überproduktion

Die chinesische FĂŒhrung betrachtet Europa nĂŒchtern als das, was es aus ihrer Perspektive geworden ist: ein Absatzmarkt fĂŒr die eigene Überschussproduktion. EuropĂ€ische MĂ€rkte absorbieren, was im Inland ÜberkapazitĂ€t erzeugt. Gleichzeitig wĂ€chst die strukturelle AbhĂ€ngigkeit der EuropĂ€er von kritischen Rohstoffen wie seltenen Erden und von Energie. Das KrĂ€ftemessen ist zutiefst ungleich geworden. Die Hebel liegen nicht mehr in Europa.

In China – politisch zweifellos eine Diktatur unter FĂŒhrung einer Einheitspartei, wirtschaftlich jedoch in weiten Teilen strikt an marktwirtschaftlichen Effizienzkriterien orientiert – stĂ¶ĂŸt der deutsch-europĂ€ische Moralismus auf maximales UnverstĂ€ndnis. Dort zĂ€hlen Skaleneffekte, ProduktivitĂ€t, Marktanteile und technologische SouverĂ€nitĂ€t. Moralische Selbstvergewisserung ersetzt keine industrielle StĂ€rke. Diese bittere Lektion hĂ€tte Merz in Peking lernen können – ob er sie verstanden hat, darf bezweifelt werden.

Deutschland braucht eine Kurskorrektur – keine Inszenierung

Was Deutschland in dieser Lage brĂ€uchte, wĂ€re keine diplomatische Showreise, sondern eine grundlegende wirtschaftspolitische Kurskorrektur. Statt immer neue Regulierungen und Transformationsvorgaben braucht die deutsche Industrie Entlastung, gĂŒnstige Energie und Planungssicherheit. Statt moralischer Belehrungen auf der WeltbĂŒhne braucht es eine rationale Außenwirtschaftspolitik, die deutsche Interessen in den Mittelpunkt stellt.

Doch davon ist unter der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD wenig zu spĂŒren. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das die neue Bundesregierung aufgelegt hat, wird die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten – obwohl Friedrich Merz im Wahlkampf versprochen hatte, keine neuen Schulden zu machen. Versprechen gebrochen, Vertrauen verspielt. Ein Muster, das sich durch die gesamte Amtszeit dieses Kanzlers zieht.

In Zeiten geopolitischer Unsicherheit und wirtschaftlicher Erosion erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber einmal mehr als verlĂ€sslicher Anker der Vermögenssicherung. WĂ€hrend WĂ€hrungen an Kaufkraft verlieren und politische Versprechen sich in Luft auflösen, behĂ€lt das Edelmetall seinen Wert – unabhĂ€ngig davon, welcher Kanzler gerade welche Pressemitteilung aus Peking mitbringt.

Der Besuch von Friedrich Merz in China war, nĂŒchtern betrachtet, ein Wahlkampfauftritt fĂŒr die CDU im Superwahljahr 2026. Er folgte diplomatischen Gepflogenheiten und blieb substanziell bedeutungslos. Die Bilder waren geplant, die strategische Wirkung gleich null. Europa – und insbesondere Deutschland – hĂ€tte bessere Politik verdient. Eine Politik, die nicht auf Inszenierung setzt, sondern auf echte Reformen. Doch danach sieht es unter diesem Kanzler leider nicht aus.

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