
Magdeburger Wortakrobatik: FĂ€llt jetzt die Brandmauer zur Linken?

Sachsen-Anhalts MinisterprĂ€sident Sven Schulze (CDU) hat im MDR-Interview eine Koalition mit der Linkspartei nicht ausgeschlossen. Vier Wochen vor der Landtagswahl am 6. September sprach er davon, das Land âmit allenâ voranbringen zu wollen, âdie daran Interesse habenâ. Der Grund fĂŒr die neue FlexibilitĂ€t liegt auf der Hand: Die Umfragewerte seiner Partei sind desaströs.
Ausweichen, ausweichen â und dann doch die TĂŒr geöffnet
Moderatorin Susann Reichenbach wollte wissen, ob nach der Wahl auch die âBrandmauerâ zwischen Union und Linkspartei fallen könne. Schulze verwies zunĂ€chst auf die Bedeutung des Wahlkampfs und bezeichnete das als âganz klare Aussageâ.
Die Moderatorin hielt dagegen: âDas ist keine klare Aussageâ. Erst danach wurde Schulze konkreter â und blieb es doch nicht wirklich.
âAm Ende nach dieser Wahl stellt sich doch eine Frage: Entweder die AfD regiert hier oder sie regiert hier nicht. Und ich möchte, dass wir aus der Mitte heraus Sachsen-Anhalt weiter nach vorn bringen. Mit allen, die daran Interesse haben. Aber idealerweise aus der Mitte heraus. Das ist mein Zielâ
Die Frage nach einem BĂŒndnis mit der Linken interessiere ohnehin vor allem Journalisten, meinte Schulze. Am Wahlkampfstand gehe es um ArbeitsplĂ€tze und um die Gesundheitsversorgung.
Die Arithmetik zwingt zur Wendigkeit
Ein Blick auf die jĂŒngste INSA-Erhebung im Auftrag der âBildâ erklĂ€rt die Wortwahl. Medienberichten zufolge kommt die AfD dort auf 42 Prozent, die CDU auf 22, die Linke auf 13 und die SPD auf sechs Prozent. GrĂŒne und FDP lĂ€gen bei je vier Prozent und damit auĂerhalb des Landtags.
Das Rechenexempel ist brutal: CDU, Linke und SPD kĂ€men zusammen auf 41 Prozent â und damit auf weniger als die AfD allein. Das BSW wĂŒrde den Zahlen zufolge mit fĂŒnf Prozent erstmals einziehen. Befragt wurden laut Bericht 1.000 Menschen zwischen dem 31. Juli und dem 6. August, die Fehlertoleranz gibt das Institut mit 3,1 Punkten an. Eine Infratest-dimap-Umfrage von Ende Juli sah die AfD bei 41 Prozent.
Ein Beschluss, der plötzlich stört
Formal bleibt die Lage eindeutig: Die CDU schlieĂt eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei per Unvereinbarkeitsbeschluss aus â ein Grundsatz, der seit den neunziger Jahren zum SelbstverstĂ€ndnis der Union gehört. Schulze selbst hatte wiederholt betont, weder mit der AfD noch mit der Linken zusammenarbeiten zu wollen.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart die Magdeburger Wortakrobatik ein grundsĂ€tzliches Problem: Wenn AusschlieĂeritis die Mehrheitsbildung zerstört, bleibt am Ende nur noch das BĂŒndnis mit dem, was man gestern selbst fĂŒr unvereinbar erklĂ€rt hat. WĂ€hler, die 2021 eine bĂŒrgerliche Regierung wollten, dĂŒrften sich fragen, wofĂŒr ihre Stimme dann eigentlich gut war.
Warum das weit ĂŒber Sachsen-Anhalt hinausreicht
Derzeit regiert in Magdeburg eine âDeutschland-Koalitionâ aus CDU, SPD und FDP. KĂ€me es zu einem BĂŒndnis unter Einschluss der Linken, wĂ€re das ein Signal an die gesamte Bundes-CDU â und ein Testfall fĂŒr die GlaubwĂŒrdigkeit der Partei unter Kanzler Friedrich Merz.
FĂŒr Anleger und Sparer zĂ€hlt weniger die Koalitionsarithmetik als das Ergebnis: Instabile Mehrheiten, wechselnde BĂŒndnisse und wirtschaftspolitische Kompromisse zulasten von LeistungstrĂ€gern erhöhen die Unsicherheit. Wer sein Vermögen gegen politische Wetterlagen absichern will, setzt seit Jahrhunderten auch auf physische Edelmetalle als ErgĂ€nzung eines breit gestreuten Portfolios.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist fĂŒr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenstĂ€ndig recherchieren.










