Kettner Edelmetalle
15.04.2026
21:59 Uhr

Machtkampf um die Fed: Trump will Powell aus dem Amt drängen – und rüttelt an den Grundfesten der Geldpolitik

Was sich derzeit zwischen dem Weißen Haus und der Federal Reserve abspielt, hat das Potenzial, die Finanzmärkte weltweit in Aufruhr zu versetzen. US-Präsident Donald Trump hat unmissverständlich klargemacht, dass er Fed-Chef Jerome Powell notfalls entlassen werde, sollte dieser nicht „rechtzeitig" seinen Posten räumen. Eine Drohung, die nicht nur die Unabhängigkeit der mächtigsten Notenbank der Welt infrage stellt, sondern auch fundamentale Fragen über die Gewaltenteilung in den Vereinigten Staaten aufwirft.

Trumps offene Kampfansage

In einem Interview mit Fox Business ließ Trump keinen Zweifel an seinen Absichten.

„Ich werde ihn entlassen müssen, wenn er nicht rechtzeitig geht. Bisher habe ich mich zurückgehalten, ihn zu entlassen. Ich wollte es, aber ich vermeide Kontroversen."
Man muss sich diese Worte auf der Zunge zergehen lassen: Der Präsident der Vereinigten Staaten droht dem Vorsitzenden der Notenbank öffentlich mit der Entlassung – und behauptet im selben Atemzug, er wolle „unkontrovers" bleiben. Eine bemerkenswerte Selbsteinschätzung.

Powells Amtszeit als Fed-Vorsitzender endet zwar im Mai, doch sein Mandat im Board of Governors läuft noch bis 2028. Powell selbst hatte erklärt, er würde im Falle einer ausbleibenden Nachfolgerbestätigung vorübergehend als amtierender Vorsitzender fungieren – eine Übergangsregelung, die historisch durchaus Präzedenzfälle hat. Ob Trump die rechtliche Befugnis besitzt, Powell auch aus dieser Rolle zu entfernen, ist juristisch höchst umstritten.

Das Justizministerium als politische Waffe?

Besondere Brisanz erhält der Machtkampf durch eine laufende Untersuchung des US-Justizministeriums gegen Powell. Trump machte deutlich, dass er nicht beabsichtige, diese Ermittlungen einzustellen.

„Ob es Inkompetenz, Korruption oder beides ist – ich denke, das muss geklärt werden."
Starke Worte, die unweigerlich die Frage aufwerfen, ob hier das Justizministerium als Druckmittel gegen eine unabhängige Institution instrumentalisiert wird.

Ein unangekündigter Besuch von US-Staatsanwälten in den Räumlichkeiten der Federal Reserve in Washington unterstrich die Eskalation auf dramatische Weise. Den Ermittlern wurde jedoch der Zutritt verweigert – ein Vorgang, der in der Geschichte der Fed seinesgleichen sucht und die Dimension dieses Konflikts verdeutlicht.

Widerstand aus den eigenen Reihen

Selbst innerhalb der Republikanischen Partei regt sich Widerstand gegen Trumps Vorgehen. Senator Thom Tillis, ein einflussreiches Mitglied des Bankenausschusses, kündigte an, die Bestätigung von Kevin Warsh als neuem Fed-Chef zu blockieren, solange die Untersuchung des Justizministeriums nicht abgeschlossen sei. Tillis bezeichnete das Verfahren als potenzielle Bedrohung für die Unabhängigkeit der Federal Reserve. Dennoch hat der Bankenausschuss bereits eine Anhörung zur Bestätigung von Warsh angesetzt.

Trump wischte den Einwand seines Parteifreundes mit bemerkenswerter Nonchalance beiseite: Er sei bereit, Powell als einfaches Vorstandsmitglied zu akzeptieren – aber keinesfalls als Vorsitzenden. Eine Differenzierung, die juristisch auf dünnem Eis steht.

Warum dieser Konflikt jeden Anleger betrifft

Die Unabhängigkeit der Notenbank ist kein abstraktes Prinzip, sondern ein Grundpfeiler stabiler Finanzmärkte. Wenn ein Präsident die Geldpolitik nach eigenem Gutdünken steuern kann, droht eine Politisierung der Zinsentscheidungen mit verheerenden Folgen für die Preisstabilität. Trump hatte wiederholt aggressive Zinssenkungen gefordert – ein Ansinnen, das angesichts der gestiegenen Inflationssorgen im Zuge des Iran-Konflikts und des daraus resultierenden Ölpreisanstiegs besonders problematisch erscheint.

Parallel zum Powell-Konflikt versucht Trump, auch Fed-Gouverneurin Lisa Cook aus dem Amt zu entfernen – ein Fall, der bereits vor dem Supreme Court verhandelt wird. Hier könnte ein Grundsatzurteil fallen, das die Grenzen präsidialer Machtbefugnisse gegenüber unabhängigen Behörden neu definiert.

Ein Lehrstück über institutionelle Erosion

Was wir hier beobachten, ist nichts weniger als ein Stresstest für die institutionelle Architektur der größten Volkswirtschaft der Welt. Und dieser Stresstest sollte auch europäische Anleger alarmieren. Denn wenn die Fed ihre Unabhängigkeit verliert, verliert der Dollar an Glaubwürdigkeit – und mit ihm das gesamte auf dem Dollar basierende Finanzsystem.

In Zeiten, in denen politische Machtkämpfe die Grundfesten der Geldpolitik erschüttern, erweisen sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber einmal mehr als das, was sie seit Jahrtausenden sind: ein Anker der Stabilität, unabhängig von den Launen einzelner Politiker. Wer sein Vermögen vor den Unwägbarkeiten politisch motivierter Geldpolitik schützen möchte, tut gut daran, physische Edelmetalle als festen Bestandteil eines breit diversifizierten Portfolios in Betracht zu ziehen.

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für Verluste, die aus Anlageentscheidungen resultieren, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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