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16.03.2026
06:21 Uhr

Hessische Kommunalwahl: AfD vervielfacht ihre Ergebnisse und erschĂŒttert das politische Establishment

Hessische Kommunalwahl: AfD vervielfacht ihre Ergebnisse und erschĂŒttert das politische Establishment

Was sich in den vergangenen Monaten auf Bundesebene bereits abzeichnete, hat nun auch die kommunale Ebene in Hessen mit voller Wucht erreicht: Die AfD hat bei der Kommunalwahl am 15. MĂ€rz 2026 in zahlreichen Landkreisen und Gemeinden Ergebnisse erzielt, die das politische Koordinatensystem des Bundeslandes grundlegend verschieben dĂŒrften. Von Verdopplungen in den GroßstĂ€dten bis hin zu nahezu Verdreifachungen in lĂ€ndlichen Regionen – der WĂ€hler hat gesprochen, und seine Botschaft ist unmissverstĂ€ndlich.

Landkreise im blauen Rausch

Die Zahlen sprechen eine Sprache, die selbst hartgesottene Politbeobachter aufhorchen lĂ€sst. Im Vogelsbergkreis katapultierte sich die AfD von bescheidenen 8,2 Prozent auf satte 22,0 Prozent – ein Plus von 13,8 Punkten. Damit ĂŒberholte sie die SPD, die mit 20,0 Prozent und einem Verlust von 4,7 Punkten abgestraft wurde. Noch dramatischer fiel der Zugewinn im Landkreis Waldeck-Frankenberg aus: Hier legte die Partei um 14,2 Punkte zu und erreichte 21,2 Prozent, wĂ€hrend die Sozialdemokraten erneut das Nachsehen hatten.

Im Landkreis Fulda kletterte die AfD von 10,0 auf 21,9 Prozent und sicherte sich den zweiten Platz – hinter einer CDU, die dort mit 42,8 Prozent nach wie vor dominiert. Der Odenwaldkreis verzeichnete einen Sprung von 6,4 auf 19,8 Prozent. Im Werra-Meißner-Kreis, wo die Partei 2021 noch bei mageren 5,2 Prozent dĂŒmpelte, stehen nun 17,6 Prozent zu Buche. Im Lahn-Dill-Kreis liegt die AfD mit 20,0 Prozent gleichauf mit der SPD.

Dreimal ganz oben auf dem Treppchen

Besonders bemerkenswert: In gleich drei Gemeinden errang die AfD den ersten Platz. In Biebesheim am Rhein im Kreis Groß-Gerau erreichte sie 27,5 Prozent, in Erlensee im Main-Kinzig-Kreis 25,9 Prozent und in der Stadt BĂŒdingen im Wetteraukreis 25,4 Prozent. FĂŒr eine Partei, die von den etablierten KrĂ€ften seit Jahren systematisch ausgegrenzt und mit der berĂŒchtigten „Brandmauer" isoliert wird, sind diese Ergebnisse nichts weniger als ein politisches Erdbeben.

AfD-Landeschef Robert Lambrou zeigte sich entsprechend zufrieden. Man werde das landesweite Ergebnis von 2021, als die Partei 6,9 Prozent holte, voraussichtlich verdoppeln. Seine Analyse trifft den Kern: „Die Strategie der anderen Parteien, die AfD auszugrenzen, verfĂ€ngt immer weniger." Man sei kommunal nun sehr gut verankert. Eine EinschĂ€tzung, die angesichts der Zahlen kaum zu bestreiten ist.

GroßstĂ€dte: Verdopplung als neue NormalitĂ€t

Auch in den urbanen Zentren Hessens konnte die AfD deutlich zulegen, wenngleich die ZuwĂ€chse hier naturgemĂ€ĂŸ moderater ausfielen als auf dem Land. In der Landeshauptstadt Wiesbaden erreichte sie 12,7 Prozent – ein Plus von 6,2 Punkten – und landete auf Platz vier hinter CDU, SPD und GrĂŒnen. In Frankfurt am Main legte sie um 4,6 Punkte auf 9,1 Prozent zu. In Kassel verdoppelte sich das Ergebnis von 5,6 auf 12,1 Prozent, in Darmstadt stieg es von 4,6 auf 9,8 Prozent.

Dass die GrĂŒnen in Kassel und Darmstadt trotz teils herber Verluste noch vorne liegen, dĂŒrfte weniger an deren politischer Überzeugungskraft liegen als vielmehr an der spezifischen Sozialstruktur dieser UniversitĂ€tsstĂ€dte. Doch der Trend ist eindeutig: Die grĂŒne Hegemonie in den StĂ€dten bröckelt.

Das RĂ€tsel Offenbach

Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet die Stadt Offenbach. Hier verlor die AfD gegen den Landestrend 3,8 Punkte und kam nur noch auf 3,5 Prozent – ein regelrechtes Fiasko. StĂ€rkste Kraft wurde die SPD mit 33,3 Prozent, gefolgt von CDU, Linken und GrĂŒnen. Im unmittelbar angrenzenden Landkreis Offenbach hingegen legte die AfD um 12,4 Punkte auf 19,6 Prozent zu und wurde zweitstĂ€rkste Kraft. Dieser krasse Gegensatz zwischen Stadt und Umland wirft Fragen auf, die sich wohl vor allem mit der demografischen Zusammensetzung der Offenbacher Stadtbevölkerung erklĂ€ren lassen dĂŒrften.

Offenbach gilt seit Jahren als eine der StĂ€dte mit dem höchsten AuslĂ€nderanteil in ganz Deutschland. Dass eine Partei, die sich fĂŒr eine restriktivere Migrationspolitik einsetzt, ausgerechnet dort ihre WĂ€hlerschaft nicht mobilisieren kann, ist weniger paradox als es auf den ersten Blick erscheint – es spiegelt schlicht die verĂ€nderte Bevölkerungsstruktur wider.

CDU bleibt stĂ€rkste Kraft – aber zu welchem Preis?

Die CDU konnte in den meisten Landkreisen und StĂ€dten ihre Position als stĂ€rkste Kraft behaupten. Doch dieser vermeintliche Erfolg sollte nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass auch die Christdemokraten vielerorts Stimmen einbĂŒĂŸten. In Frankfurt wurde die CDU zwar mit 26,5 Prozent stĂ€rkste Kraft, doch die Zeiten absoluter Dominanz sind auch fĂŒr sie vorbei. Die große Frage, die sich die Partei unter Bundeskanzler Friedrich Merz stellen muss, lautet: Wie lange kann man eine Partei ausgrenzen, die in immer mehr Kommunen zur zweitstĂ€rksten oder gar stĂ€rksten Kraft aufsteigt?

Die sogenannte „Brandmauer" gegen die AfD, an der SPD und GrĂŒne mit geradezu religiösem Eifer festhalten, erweist sich zunehmend als politisches Eigentor. Denn je stĂ€rker die Ausgrenzung, desto attraktiver wird die ausgegrenzte Partei offenbar fĂŒr jene BĂŒrger, die sich von den etablierten KrĂ€ften nicht mehr vertreten fĂŒhlen. Dass zeitgleich auf europĂ€ischer Ebene die EVP bereits mit der AfD und anderen rechtskonservativen Parteien kooperiert, macht die deutsche Sonderstellung nur noch absurder.

Ein Signal, das Berlin nicht ignorieren kann

Die hessische Kommunalwahl ist mehr als nur ein regionales Ereignis. Sie ist ein Seismograph fĂŒr die politische Stimmung im Land. Wenn eine Partei in lĂ€ndlichen Regionen ihre Ergebnisse verdreifacht und in GroßstĂ€dten verdoppelt, dann ist das kein statistischer Ausreißer – es ist ein fundamentaler Vertrauensverlust gegenĂŒber der etablierten Politik. Die BĂŒrger haben die endlosen Sonntagsreden satt. Sie wollen Ergebnisse: bei der inneren Sicherheit, bei der Migrationspolitik, bei der wirtschaftlichen StabilitĂ€t.

Dass die neue Große Koalition in Berlin mit ihrem 500-Milliarden-Schuldenpaket und der ideologisch motivierten Klimapolitik genau das Gegenteil dessen liefert, was die Menschen erwarten, dĂŒrfte den AufwĂ€rtstrend der AfD weiter befeuern. Wer glaubt, man könne den WĂ€hlerwillen dauerhaft mit Ausgrenzungsstrategien und medialer Stigmatisierung unterdrĂŒcken, der hat die Lektion dieser Kommunalwahl nicht verstanden. Die Demokratie lebt vom Wettbewerb der Ideen – nicht von der Errichtung politischer Mauern.

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