
Hacker kapern Berlins Behörden-Netz: Sensible Daten weg!

Zwei Berliner Senatsverwaltungen sind seit Freitagabend vom Landesnetz getrennt â nach einem Hackerangriff. Betroffen sind die Verwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Nach Informationen des RBB flossen dabei âzum Teil sehr sensible Datenâ ab. Ăffentlich wurde der Vorfall erst am Montag.
Fax statt Mail: Hauptstadtverwaltung im Notbetrieb
Die Senatskanzlei nennt beide HĂ€user weiterhin âarbeitsfĂ€higâ. Ein Mitarbeiter der Verkehrsverwaltung schilderte die Lage gegenĂŒber dem Tagesspiegel deutlich anders.
âWir sind praktisch arbeitsunfĂ€hig, ohne Internet und Mailkommunikation nach auĂen.â
Homeoffice? Fiel ebenfalls flach. Nach RBB-Informationen sind die Mailsysteme gekappt, es bleiben Telefon, SMS und Fax. Willkommen im digitalen Deutschland des Jahres 2026.
Die BĂŒrger merken es an der Wahlurne
Die Folgen reichen weit ĂŒber zwei Amtsstuben hinaus. Nach RBB-Informationen sind mehrere digitale Landesangebote gestört oder gar nicht nutzbar â darunter die Online-Beantragung von Briefwahlunterlagen. Grund seien die groĂflĂ€chigen Sicherheitsanalysen, die so viel Netzleistung fressen, dass es an anderer Stelle zu âPerformanceproblemenâ komme.
Zur Erinnerung: Das Berliner Landesnetz verbindet dem Bericht zufolge rund 600 behördliche und öffentliche Standorte ĂŒber Glasfaser â angeschlossen sind unter anderem Polizei, Feuerwehr und KrankenhĂ€user. Wer dieses Nervensystem trifft, trifft die Stadt.
Jeder fĂŒr sich: Eine IT-Landschaft wie ein Flickenteppich
Die Schwachstelle lag nach RBB-Informationen offenbar im IT-Betrieb der Bau- und Stadtentwicklungsverwaltung. Der zentrale Landesdienstleister ITDZ soll dafĂŒr nicht verantwortlich gewesen sein â die betroffenen HĂ€user betreiben Teile ihrer IT in eigener Regie.
Genau hier liegt der Kern des Problems. Wie die Berliner Zeitung unter Berufung auf parlamentarische Anfragen berichtet, sind Senats- und Bezirksverwaltungen teils selbst dafĂŒr zustĂ€ndig, Hard- und Software aktuell zu halten. Ein zentrales Controlling sei nicht vorgesehen. Der Senat selbst beschrieb die eigene IT-Landschaft als âeher heterogenâ â Verwaltungsdeutsch fĂŒr: Jeder werkelt vor sich hin.
Empörung im Abgeordnetenhaus â und ein bekanntes Muster
Der GrĂŒnen-Abgeordnete Stefan Ziller wirft dem Senat VersĂ€umnisse bei der Zentralisierung der Verwaltungs-IT vor; seine Fraktion will den Fall am kommenden Montag im Digitalausschuss aufrufen. GeklĂ€rt werden soll, welche LĂŒcke ausgenutzt wurde, welche Daten abflossen und ob weitere Netzteilnehmer gefĂ€hrdet waren.
Berlins FDP-GeneralsekretĂ€r Peter Langer verlangte rasche und vollstĂ€ndige AufklĂ€rung und mehr IT-Fachpersonal. Sein Satz âCybersicherheit darf nicht erst im Krisenfall PrioritĂ€t habenâ dĂŒrfte manchem Verantwortlichen unangenehm nachhallen. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) forderte im RBB mehr Investitionen; die kritische Infrastruktur sei bedroht, tĂ€glich wĂŒrden Angriffe abgewehrt â dieser eben nicht. Ein IT-Experte kritisierte im RBB, Berlin sei in der Cybersicherheit âsehr schlecht aufgestelltâ und kommuniziere die Krise schlecht.
Landeskriminalamt, Staatsanwaltschaft und das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik ermitteln, ein IKT-Notfallkrisenstab ist eingerichtet. TĂ€ter und Zeitplan fĂŒr die RĂŒckkehr ins Netz: unbekannt.
Was das fĂŒr BĂŒrger bedeutet
Aus Sicht unserer Redaktion ist der Vorfall mehr als eine technische Panne. Er zeigt, wie fragil eine Verwaltung ist, die Milliarden in Prestigeprojekte lenkt, aber offenbar am Fundament spart. Wer alles digitalisiert â Ausweise, Konten, kĂŒnftig womöglich Zentralbankgeld â, macht sich abhĂ€ngig von Systemen, die im Ernstfall schlicht ausfallen. Physische Werte wie Gold und Silber kennen dieses Risiko nicht: Sie funktionieren ohne Serverraum.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere EinschÀtzung auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.










