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29.09.2024
09:14 Uhr

Erhöhtes Rentenalter: Mehr Arbeit, weniger Rente

Die Lebensspanne wÀchst langsamer als das Rentenalter, so eine Statistikspezialistin. Dies hat Auswirkungen auf Rentner: Sie erhalten weniger Rente.

Politik und Wirtschaft setzen auf spÀteren Renteneintritt

Berlin – Viele in Politik und Wirtschaft sind sich einig: ErwerbstĂ€tige sollen spĂ€ter in Rente gehen, ansonsten gerĂ€t das gesamte System unter Druck und die BeitrĂ€ge fĂŒr die Rentenversicherung mĂŒssen deutlich steigen. Grund ist die gestiegene Lebenserwartung: Die Menschen werden immer Ă€lter, beziehen damit lĂ€nger ihre Zahlungen. Gleichzeitig mĂŒssen immer weniger Arbeitende die BeitrĂ€ge zahlen. Die Datenexpertin Dagmar Pattloch stellt diese PrĂ€misse nun in Frage.

Rentenalter steigt schneller als Lebenserwartung – laut neuer Berechnung

Die Lebenserwartung ist laut Pattloch nicht so sehr gestiegen wie das Renteneintrittsalter. Damit wĂ€re die Erhöhung auf 67 Jahre bisher unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hoch. Das geht aus einer Studie der Datenexpertin beim Forschungsdatenzentrum bei der Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hervor, ĂŒber die das Portal Ihre Vorsorge zuerst berichtet hat.

VerkĂŒrzte Rentendauer trotz spĂ€terem Rentenbeginn

Laut Pattloch lag das durchschnittliche Renteneintrittsalter 2022 bei 64,9 Jahren. Die zu erwartende Rentendauer habe 16,6 Jahre bei MĂ€nnern und 20,2 Jahre bei Frauen betragen. Zwischen 2012 und 2022 hat sich den Berechnungen zufolge ein „merklicher Aufschub des Beginns der Altersrente“ um ein Jahr bei MĂ€nnern und 1,4 Jahren bei Frauen gezeigt. Die Analystin hat dabei die sogenannte Sullivan-Methode genutzt und die Lebenserwartung von 60-JĂ€hrigen in den Abschnitt vor und nach dem Rentenbeginn geteilt.

Durch Rente mit 67: Dauer hat sich laut Datenexpertin sogar verkĂŒrzt

Die durchschnittliche Dauer der Rente hat sich laut der Studie in den Jahren seit EinfĂŒhrung der Rente mit 67 und der schrittweisen AnnĂ€herung an diesen Wert nicht verlĂ€ngert, sondern verkĂŒrzt: bei Frauen um 1,3 Jahre, bei MĂ€nnern um 0,8 Jahre. Pattloch attestierte der Anhebung der Regelaltersgrenze „tatsĂ€chlich die beabsichtigte Wirkung, die Inanspruchnahme von Rente zu reduzieren“, zu haben.

„Das Problem ist, dass diese Wirkung bisher weitgehend unbemerkt blieb“, erklĂ€rte Pattloch.

TatsĂ€chlich gibt es immer wieder Stimmen, die eine weitere Erhöhung des Rentenbeginns fordern. „Wir kommen langfristig nicht drumherum, das gesetzliche Rentenalter an die fernere Lebenserwartung zu koppeln und ab 2031 langsam ĂŒber 67 Jahre hinaus weiter anzuheben“, sagte etwa die Wirtschaftsweise Veronika Grimm im Juli. Die Abgabenlast sei nicht mehr tragbar.

Zahlen der Deutschen Rentenversicherung widersprechen

Auch die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung, welchen Pattlochs Berechnung widerspricht, spiegeln die Tendenz eines immer lÀngeren Bezugs der Rente wider. Die gemeinsame durchschnittliche Rentenbezugsdauer von Frauen und MÀnnern sei zwischen 1993 und 2023 von 15,6 auf 20,5 Jahre gestiegen, berichtete das Portal Ihre Vorsorge. Auch die fernere Lebenserwartung ab 65 Jahren ist demnach in den vergangenen 25 Jahren durchschnittlich um 2,5 Jahre bei Frauen (auf 21 Jahre) und um fast drei Jahre bei MÀnnern (auf 17,5 Jahre) gewachsen.

Die Frage bleibt, ob die Politik die richtigen SchlĂŒsse aus diesen Daten zieht oder ob die deutsche Bevölkerung weiterhin die Last eines ungerechten Rentensystems tragen muss.

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