
Enteignung als Wahlversprechen: Die Linke will Berlin zum sozialistischen Reallabor machen

Es gibt SĂ€tze, die brauchen keine Interpretation. âEs wird mit der Berliner Linken in der Regierung vergesellschaftet werdenâ â so soll es die Co-Vorsitzende der Linkspartei, Ines Schwerdtner, in einem GesprĂ€ch mit dem Stern formuliert haben. Kein Vielleicht, kein PrĂŒfauftrag, keine Arbeitsgruppe. Eine AnkĂŒndigung. Und wer glaubt, das sei nur Wahlkampfrhetorik fĂŒr die Galerie, der sollte sich die Umfragen ansehen.
Von der Forderung zur Bedingung
Die Enteignung groĂer Wohnungskonzerne, jahrelang als Fieberfantasie einiger Aktivisten in Kreuzberger Hinterhöfen abgetan, sei nun offenbar Koalitionsbedingung. âDas ist fĂŒr uns gar keine Frage. Das kann ich Ihnen sicher sagenâ, habe Schwerdtner erklĂ€rt. Die BegrĂŒndung klingt beinahe technokratisch: Man mĂŒsse einen Teil der Wohnungen der Marktlogik entziehen, um Mietpreise langfristig zu senken oder wenigstens zu stabilisieren.
Der Marktlogik entziehen. Man lasse sich diese Formulierung auf der Zunge zergehen. Es ist exakt jene Sprache, mit der im 20. Jahrhundert ganze Volkswirtschaften in den Ruin gefĂŒhrt wurden. Wer Eigentum dem Markt entzieht, entzieht ihm auch den Anreiz, zu investieren, zu sanieren, zu bauen. Das Ergebnis heiĂt nicht bezahlbarer Wohnraum, sondern Verfall â nachzubesichtigen in jeder ostdeutschen Plattenbausiedlung des Jahres 1989.
âUrsozialdemokratischâ â der Griff nach der SPD
Besonders pikant: Schwerdtner soll das Vorhaben als âursozialdemokratischâ bezeichnet und darauf verwiesen haben, dass âganz viele Sozialdemokratenâ das genauso sĂ€hen. Ein Umarmungsversuch, der in Wahrheit eine Einladung zur Kapitulation ist. Die SPD, in Berlin im linken Lager mittlerweile hinter der Linken liegend, wehrt sich â noch.
âUnd wenn die sich jetzt hinstellen und uns sagen: ,Der Mietwucher wird bekĂ€mpft, wir werden enteignen und jeder kriegt hier irgendwie eine bezahlbare Wohnungâ, dann ist das wirklich so plumper Populismus. Der darf nicht erfolgreich sein.â â SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach
Krach verwies zudem darauf, dass die Linke in den vergangenen fĂŒnfundzwanzig Jahren sage und schreibe siebzehn Jahre lang in Berlin mitregiert habe. Eine bemerkenswerte Bilanz fĂŒr eine Partei, die nun so tut, als sei die Wohnungsnot vom Himmel gefallen. Wer siebzehn Jahre lang mitgestaltet und danach den Zustand der Stadt beklagt, stellt sich selbst ein vernichtendes Zeugnis aus.
Kein Neubau? Die Logik der Mangelverwaltung
Noch entlarvender wirkt eine Aussage der Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp, wonach Berlin keinen Neubau brauche. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: In einer Stadt mit dramatischem Wohnungsmangel erklĂ€rt die aussichtsreichste Kandidatin auf das Amt der Regierenden BĂŒrgermeisterin, dass gebaut werden mĂŒsse â nein, eben nicht. Man will umverteilen, was da ist. Das ist keine Wohnungspolitik, das ist Mangelverwaltung mit ideologischem Anstrich.
Warum das jeden Sparer angeht
Laut jĂŒngster Civey-Umfrage liegt die Linke bei 21 Prozent, Rot-GrĂŒn-Rot kĂ€me rechnerisch auf 50 Prozent. Die AnkĂŒndigung ist also keine Folklore, sondern realistische Regierungsperspektive. Und genau hier wird es fĂŒr jeden BĂŒrger relevant, der Vermögen aufgebaut hat.
Denn der entscheidende Punkt ist nicht die Frage, ob ausgerechnet ein bestimmter Wohnungskonzern Sympathien verdient. Der entscheidende Punkt ist das Prinzip: Wenn Eigentum per politischem Beschluss entzogen werden kann, sobald es politisch opportun erscheint, dann ist Eigentum keine Sicherheit mehr, sondern eine Leihgabe des Staates auf Widerruf. Wer heute Konzerne enteignet, definiert morgen neu, wo âgroĂer Besitzâ beginnt. Historisch betrachtet ist diese Schwelle stets nach unten gewandert â niemals nach oben.
Immobilien sind eben nicht das viel beschworene âBetongoldâ. Sie sind unbeweglich, im Grundbuch fĂŒr jeden Zugriff dokumentiert und damit die politisch angreifbarste Anlageklasse ĂŒberhaupt. Mietendeckel, SanierungszwĂ€nge, Grundsteuerreform, Enteignungsdebatten: Der Staat hat unzĂ€hlige Hebel. Physische Edelmetalle hingegen entziehen sich der Marktlogik ganz von selbst â sie kennen kein Grundbuch, keinen Bebauungsplan und keinen Koalitionsvertrag. Gold und Silber haben Enteignungen, WĂ€hrungsreformen und Systemwechsel ĂŒberstanden, weil sie nicht von der ZahlungsfĂ€higkeit oder dem Wohlwollen einer Regierung abhĂ€ngen.
Ein Déjà -vu, das niemand gebraucht hÀtte
Berlin, jene Stadt, in der ĂŒber Jahrzehnte die Systemgrenze verlief, diskutiert im Jahr 2026 wieder offen ĂŒber Vergesellschaftung. Man könnte darĂŒber lachen, wenn es nicht so bitter wĂ€re. Die Erfahrung mit kollektiviertem Wohnraum liegt keine zwei Generationen zurĂŒck, sie ist dokumentiert, fotografiert und von Millionen Menschen erlebt worden. Wer daraus nichts lernt, will nichts lernen.
Nach unserer EinschĂ€tzung â und wir stehen mit dieser Auffassung im Land keineswegs allein â braucht dieses Land keine neuen Experimente mit fremdem Eigentum, sondern eine Politik, die Leistung schĂŒtzt statt sie umzuverteilen. Wer bauen will, muss bauen lassen. Alles andere ist Symbolpolitik auf Kosten derer, die morgens aufstehen und arbeiten gehen.
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