
Dobrindts Brandmauer-Bekenntnis: Wenn der Innenminister Gerichtsurteile ignoriert
Es ist ein Schauspiel, das man inzwischen zur GenĂŒge kennt: Ein Unionspolitiker stellt sich vor die Kameras, beschwört die sogenannte âBrandmauer" und hofft, damit politisch zu punkten. Diesmal ist es Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, der in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung die AfD als ârechtsextremistische Partei" bezeichnete â wohlgemerkt seine âpersönliche EinschĂ€tzung", wie er selbst einrĂ€umte. Doch was ist eine âpersönliche EinschĂ€tzung" eines Bundesinnenministers wert, wenn sie im direkten Widerspruch zu einem aktuellen Gerichtsbeschluss steht?
Ein Minister, der sich ĂŒber die Justiz erhebt
Das Verwaltungsgericht Köln hatte dem Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz erst kĂŒrzlich vorlĂ€ufig untersagt, die AfD als âgesichert rechtsextrem" einzustufen. Ein Beschluss, der eigentlich auch fĂŒr den obersten Dienstherrn des Verfassungsschutzes von Bedeutung sein sollte. Doch Dobrindt scheint das wenig zu kĂŒmmern. Statt die richterliche Entscheidung zu respektieren und ZurĂŒckhaltung zu ĂŒben, setzt er noch einen drauf und verwendet exakt jene Terminologie, die das Gericht dem ihm unterstellten Amt gerade erst verboten hat.
Immerhin kĂŒndigte der CSU-Politiker an, das unter seiner VorgĂ€ngerin Nancy Faeser in deren letzter Dienstwoche â offenbar im Eilverfahren und ohne eingehende PrĂŒfung â veröffentlichte Verfassungsschutzgutachten zur AfD ânoch einmal intensiv im Lichte des Beschlusses" ĂŒberprĂŒfen zu lassen. Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt. Dass Faeser dieses Gutachten quasi als politisches Abschiedsgeschenk hinterlieĂ, spricht BĂ€nde ĂŒber die Instrumentalisierung des Verfassungsschutzes fĂŒr parteipolitische Zwecke.
Die StrauĂ-Doktrin â falsch verstanden
Besonders aufschlussreich ist Dobrindts Berufung auf Franz Josef StrauĂ. Der legendĂ€re CSU-Vorsitzende hatte einst gefordert, dass es rechts der Union keine demokratisch legitimierte Partei geben dĂŒrfe. Doch StrauĂ meinte damit etwas grundlegend anderes als das, was Dobrindt daraus macht. Der Bayer aus Oberbayern wollte die Union so breit aufstellen, dass sie auch konservative und nationalkonservative WĂ€hler integriert â nicht etwa, dass man diese WĂ€hler beschimpft und ausgrenzt. StrauĂ hĂ€tte die inhaltliche Leere, mit der die heutige Union dem konservativen Spektrum begegnet, vermutlich mit beiĂendem Spott kommentiert.
Stattdessen praktiziert Dobrindt eine Politik des Widerspruchs in Reinform: Er ĂŒbernimmt zentrale Forderungen der AfD in der Migrationspolitik, distanziert sich verbal von Angela Merkels Kurs â und erklĂ€rt gleichzeitig jede Zusammenarbeit mit jener Partei fĂŒr unmöglich, die diese Positionen seit Jahren vertritt. âIch mache eine bĂŒrgerliche Migrationspolitik, die sich klar von der Merkel-Ăra unterscheidet", verkĂŒndete er stolz. Doch wer hat denn die Merkel-Ăra ermöglicht? Wer hat jahrelang mitregiert und zugesehen, wie die Grenzen offen blieben?
Die âMigrationswende" als Potemkinsches Dorf
Die von der aktuellen Regierung unter Friedrich Merz angestoĂene sogenannte âMigrationswende" preist Dobrindt als Beweis dafĂŒr, dass âdie politische Mitte handeln kann". Doch die RealitĂ€t sieht ernĂŒchternd aus. Hunderttausende ausreisepflichtige Personen befinden sich nach wie vor im Land, die Abschiebezahlen bleiben beschĂ€mend niedrig, und die illegale Migration ist keineswegs gestoppt. Wer bei dieser Bilanz von einer âWende" spricht, betreibt bestenfalls SchönfĂ€rberei.
Es ist bezeichnend, dass Dobrindt in demselben Interview auch linken Politikern vorwirft, âArgumentationsmuster der AfD" zu ĂŒbernehmen. Die Ironie scheint ihm dabei völlig zu entgehen: Genau das tut die Union selbst seit Jahren. Sie kopiert AfD-Positionen in der Migrationspolitik, um dann im nĂ€chsten Atemzug die Urheber dieser Positionen als ârechtsextremistisch" zu brandmarken. Eine intellektuell redlichere Haltung sĂ€he anders aus.
Demokratie bedeutet auch, den WĂ€hlerwillen zu respektieren
Was Dobrindt und die gesamte Unionsspitze offenbar nicht begreifen wollen oder können: Die AfD ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist das direkte Produkt einer Politik, die ĂŒber Jahre hinweg die berechtigten Sorgen der BĂŒrger ignoriert hat. Wer Millionen von WĂ€hlern pauschal in die rechtsextreme Ecke stellt, betreibt genau jene Polarisierung, die er vorgibt bekĂ€mpfen zu wollen. Rund 20 Prozent der deutschen WĂ€hler haben bei der letzten Bundestagswahl ihr Kreuz bei der AfD gemacht. Diese Menschen sind keine Extremisten â sie sind BĂŒrger, die sich von den etablierten Parteien nicht mehr vertreten fĂŒhlen.
Die âBrandmauer" ist lĂ€ngst zum Symbol einer politischen Klasse geworden, die den demokratischen Wettbewerb fĂŒrchtet statt ihn zu begrĂŒĂen. Sie ist der verzweifelte Versuch, den eigenen Machtanspruch zu sichern, indem man den politischen Gegner nicht mit besseren Argumenten, sondern mit Ausgrenzung bekĂ€mpft. Dass ausgerechnet ein Bundesinnenminister, der Gerichtsurteile offenbar nach Belieben ignoriert, sich zum HĂŒter der Demokratie aufschwingt, entbehrt nicht einer gewissen tragischen Komik.
Die BĂŒrger durchschauen das Spiel
Die Wahrheit ist unbequem, aber sie lĂ€sst sich nicht ewig unterdrĂŒcken: Nicht die AfD hat den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Niedergang Deutschlands zu verantworten. Es waren die Regierungsparteien der letzten zwei Jahrzehnte â CDU, CSU, SPD, FDP und GrĂŒne â, die Deutschland in die aktuelle Lage manövriert haben. Die explodierende KriminalitĂ€t, die unkontrollierte Migration, die Deindustrialisierung, die Energiekrise â all das geschah unter der Verantwortung jener Parteien, die sich heute als âpolitische Mitte" definieren und jeden Kritiker als Extremisten abstempeln.
Dobrindt tĂ€te gut daran, weniger Zeit mit rhetorischen Brandmauer-Bekenntnissen zu verbringen und stattdessen seinen eigentlichen Job zu erledigen: die innere Sicherheit Deutschlands zu gewĂ€hrleisten. Denn daran wird er am Ende gemessen werden â nicht an der SchĂ€rfe seiner Worte gegen die AfD, sondern an der Sicherheit auf Deutschlands StraĂen und PlĂ€tzen. Und diese Bilanz fĂ€llt bislang, gelinde gesagt, verheerend aus.










