
Diplomatisches Debakel in New York: Wenn Berlin Moskau die Schuld fĂŒr eigenes Versagen gibt

Es ist eine Niederlage, wie sie das wiedervereinigte Deutschland noch nicht erlebt hat. Zum ersten Mal seit 1990 verpasste die Bundesrepublik den Einzug in den UN-Sicherheitsrat â und das mit einem Ergebnis, das jeden Spielraum fĂŒr Beschönigungen verschlieĂt. Ganze 104 Stimmen sammelte Berlin in der UN-Vollversammlung. Portugal kam auf 134, das kleine Ăsterreich auf 131. Deutschland, selbsternannte Schwergewichtsmacht Europas und einer der gröĂten Geldgeber der Vereinten Nationen, wurde von der Alpenrepublik schlicht ĂŒberholt.
Die Suche nach dem SĂŒndenbock
Was macht ein AuĂenminister in einer solchen Lage? Er sucht nach einem Schuldigen â und findet ihn natĂŒrlich nicht im eigenen Hause. Johann Wadephul (CDU) gab vor Journalisten in New York Russland eine Mitschuld an der Schlappe. Moskau habe âhinter den Kulissen" Stimmung gegen die deutsche Kandidatur gemacht, weil man eine deutsche Stimme am Tisch des Sicherheitsrates nicht dulden wolle.
âDass Russland eine solche Stimme nicht am Tisch des Sicherheitsrates wissen will und auch Stimmung gegen uns gemacht hat, ist kein Geheimnis." â Johann Wadephul
Bemerkenswert nur: Konkrete Belege fĂŒr diese angeblich koordinierte russische Kampagne legte der Minister bislang nicht vor. Die Wahl in der Vollversammlung erfolgt geheim. Wer fĂŒr oder gegen Deutschland stimmte, lĂ€sst sich schlicht nicht nachvollziehen. Eine bequeme Konstellation, um Vermutungen als Tatsachen zu verkaufen.
Wenn Experten ein anderes Bild zeichnen
UnabhĂ€ngige Beobachter sehen die Ursachen woanders. Ăsterreich habe seine Kandidatur bereits 2011 angekĂŒndigt und ĂŒber Jahre hinweg geduldig um UnterstĂŒtzung geworben, so ein UN-Experte der International Crisis Group. WĂ€hrend Wien also fleiĂig diplomatische Hausaufgaben machte, verlieĂ sich Berlin offenbar auf seinen vermeintlichen Status als SelbstlĂ€ufer. Hinzu komme, dass viele Diplomaten die beiden deutschsprachigen EU-Staaten als politisch zu Ă€hnlich betrachteten, um beide gleichzeitig im Gremium zu sehen.
Die hausgemachten GrĂŒnde
Selbst Wadephul musste einrĂ€umen, dass nicht allein der Kreml verantwortlich sein dĂŒrfte. Deutschland habe in mehreren internationalen Konflikten Positionen bezogen, die nicht von allen UN-Mitgliedern geteilt wĂŒrden. Besonders die Haltung im Nahost-Konflikt habe womöglich Stimmen gekostet. Portugal hat â anders als Berlin â einen PalĂ€stinenserstaat anerkannt und gilt im Globalen SĂŒden als ausgewogenerer Akteur.
Mit anderen Worten: Die Welt teilt das deutsche Selbstbild offenbar nicht. WĂ€hrend man sich in Berlin gern als moralische Instanz und unverzichtbarer StĂŒtzpfeiler der internationalen Ordnung inszeniert, sieht der Rest des Globus das deutlich nĂŒchterner.
Ein seltener Moment der Einigkeit
Quer durch das politische Spektrum hagelte es Kritik. Eine GrĂŒnen-Politikerin sprach von einer âblamablen Niederlage", die SPD nannte das Resultat einen âspĂŒrbaren auĂenpolitischen RĂŒckschlag". Sogar aus den eigenen Reihen der Union kam ErnĂŒchterung. AfD-Chefin Alice Weidel brachte es auf der Plattform X auf den Punkt: âEine Blamage folgt auf die nĂ€chste." Ausgerechnet Friedrich Merz, der angetreten war, um Deutschland wieder kraftvoll auf der WeltbĂŒhne zu positionieren, steht nun ohne Sitz da. Der Kanzler bemĂŒhte sich um Schadensbegrenzung und beteuerte, Deutschland bleibe auch ohne Mandat ein âverlĂ€sslicher StĂŒtzpfeiler des multilateralen Systems". Schöne Worte â nur glaubt sie offenbar niemand mehr.
Milliarden zahlen, nichts zu sagen haben
Pikant wird es bei der finanziellen Dimension. Ein hessischer CDU-Minister stellte die milliardenschweren deutschen BeitrĂ€ge an die Vereinten Nationen infrage. Deutschland gehöre zu den gröĂten Geldgebern der UNO â und sitze nun dennoch nicht am entscheidenden Tisch. Eine durchaus berechtigte Frage: Wozu zahlt der deutsche Steuerzahler Jahr fĂŒr Jahr Unsummen in ein System ein, das ihn bei der ersten Gelegenheit abserviert?
Der Sicherheitsrat gilt als das wichtigste Gremium der Vereinten Nationen. Er kann bindende BeschlĂŒsse fassen, Sanktionen verhĂ€ngen und MilitĂ€reinsĂ€tze autorisieren. Dass Deutschland hier drauĂen vor der TĂŒr bleibt, ist mehr als eine Randnotiz â es ist das EingestĂ€ndnis schwindender GlaubwĂŒrdigkeit einer AuĂenpolitik, die sich offenbar verrannt hat. Statt nach SĂŒndenböcken in Moskau zu fahnden, tĂ€te die Bundesregierung gut daran, vor der eigenen TĂŒr zu kehren.
Wer angetreten ist, um StĂ€rke zu demonstrieren, und stattdessen das schwĂ€chste Ergebnis der jĂŒngeren deutschen Geschichte einfĂ€hrt, sollte sich ehrlich fragen, woran das wirklich liegt. Die Antwort dĂŒrfte unbequem ausfallen â und sie hat mit Wladimir Putin herzlich wenig zu tun.
In unsicheren Zeiten zÀhlt BestÀndigkeit
Diese diplomatische Schlappe ist ein weiteres Symptom fĂŒr ein Land, dessen VerlĂ€sslichkeit international zunehmend angezweifelt wird. FĂŒr den BĂŒrger bedeutet das vor allem eines: Auf die politische FĂŒhrung allein sollte sich niemand verlassen. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen will, setzt seit jeher auf Werte, die keiner Abstimmung in New York unterliegen und keiner politischen Mode folgen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte bewiesen, dass sie unabhĂ€ngig von diplomatischen Verwerfungen und Regierungsfehlern Bestand haben â eine sinnvolle Beimischung fĂŒr jedes breit gestreute und solide aufgestellte Portefeuille.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geĂ€uĂerten EinschĂ€tzungen geben ausschlieĂlich die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenstĂ€ndig zu recherchieren und trĂ€gt fĂŒr seine Investitionsentscheidungen die alleinige Verantwortung. Eine Haftung fĂŒr etwaige Verluste wird ausdrĂŒcklich ausgeschlossen.










