
Der Goldverkäufer aus Berlin: Wie ein DIW-Chef Deutschland umerziehen will

Wenn ein deutscher Ökonom öffentlich vorschlägt, die nationalen Goldreserven zu verscherbeln, dann sollten bei jedem mitdenkenden Bürger sämtliche Alarmglocken läuten. Genau das aber ist die jüngste Eingebung von Marcel Fratzscher, seines Zeichens Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und einer der medial omnipräsentesten Wirtschaftsweisen der Republik. Dass ausgerechnet ein Mann an der Spitze einer Institution, die seit 1925 Regierungen berät, derart sorglos mit dem Tafelsilber – oder besser: dem Tafelgold – der Nation umgehen möchte, sagt mehr über den Zustand unseres ökonomischen Establishments aus als jede Konjunkturprognose.
Eine „mentale Depression" – und ein selbsternannter Therapeut
Deutschland leide unter einer „mentalen Depression" und sei reformunwillig, diagnostiziert Fratzscher mit der Selbstsicherheit eines Mediziners, der die Krankheit selbst mitverursacht hat. Der 1971 in Bonn geborene Makroökonom der Berliner Humboldt-Universität versteht sich als großer Architekt des Staatshaushaltes. Doch seine Vorschläge offenbaren ein erstaunliches Muster: Stets sind es die Sparer, die Eigentümer, die Leistungsträger und nun auch die Generation der Baby-Boomer, die gefälligst zur Kasse gebeten werden sollen.
Der Goldverkauf – ein gefährliches Signal
Besonders bemerkenswert: Fratzschers Forderung, Deutschland möge seine Goldreserven veräußern. Wer auch nur einen Funken historisches und ökonomisches Verständnis besitzt, weiß, dass die deutschen Goldreserven nicht irgendein beliebiger Posten in der Bundesbankbilanz sind. Sie sind das letzte tragende Fundament monetärer Souveränität, der ultimative Anker in Zeiten, in denen Papierwährungen durch ungebremste Schuldenmacherei – siehe das 500-Milliarden-Sondervermögen der Merz-Regierung – immer weiter entwertet werden. Wer dieses Fundament antastet, opfert die Zukunftsfähigkeit Deutschlands für kurzfristige haushaltspolitische Bequemlichkeiten. Es ist kein Zufall, dass historisch betrachtet stets jene Staaten in den Abgrund taumelten, die ihre Reserven verschleuderten, um aktuelle Löcher zu stopfen.
„Soziale Gerechtigkeit" – die ewige Umverteilungsphantasie
Fratzschers eigentliche Obsession sei jedoch die „soziale Gerechtigkeit", jene sozialistische Zauberformel, die in der Praxis meist bedeutet, dass diejenigen, die etwas erarbeitet haben, denjenigen abgeben sollen, die sich darauf bequem ausruhen. Im Visier hat der DIW-Chef die Generation der Baby-Boomer, die er als willkommene Melkkuh entdeckt zu haben scheint. Im Spiegel beklagte er, es sei ein Tabu, dass Ältere nicht mehr zur Kasse gebeten werden dürften – sie hätten es schließlich erarbeitet. Diese Selbstverständlichkeit als Skandal zu inszenieren, zeugt von einem geradezu erschreckenden Verhältnis zum Eigentumsrecht.
Sein Rezept liest sich wie das Wunschkonzert der SPD-Parteitagsbasis: höhere Erbschaftsteuer, höherer Spitzensteuersatz, Belastung von Immobilienvermögen. Dass ausgerechnet ein Mann mit so ausgeprägter Nähe zur Sozialdemokratie zum Lautsprecher gegen die AfD und für die sogenannte „grüne Transformation" mutiert, überrascht da niemanden mehr.
Sommerloch-Strategie und Buchverkaufs-PR
Ein verpflichtendes soziales Jahr für Rentner. Bundeswehrdienst für Senioren. Ein Höchstwahlalter. Mit derlei Provokationen füllte der kinderlose Wahlberliner ganze Sommerlöcher – stets passend zur eigenen Buchveröffentlichung. „Nach uns die Zukunft. Ein neuer Generationenvertrag" lautete der Titel des letzten Werkes. Wenn der mediale Sturm sich dann gegen ihn richtet, flüchtet Fratzscher in die Schutzbehauptung, alles sei doch nur „Humor" gewesen. Ein Humor freilich, der weder zündet noch jemanden zum Lachen bringt – außer womöglich den Verlagsmarketing-Abteilungen.
Wenn selbst die Genossen die Augen verdrehen
Bemerkenswert ist die wachsende Skepsis selbst in jenen Kreisen, die Fratzscher einst hofierten. Berichten zufolge ernte der DIW-Präsident inzwischen nicht nur in Politikerzirkeln zunehmend genervtes Augenrollen, auch im eigenen Institut werde das Grummeln lauter. Das DIW, eine traditionsreiche Forschungseinrichtung, droht zur Bühne eines Mannes zu verkommen, dem seine eigene Medienpräsenz wichtiger erscheint als seriöse wirtschaftswissenschaftliche Arbeit. Rund hunderttausend LinkedIn-Follower mögen schmeicheln – ein wissenschaftliches Renommee aber baut man so nicht auf, sondern reißt es ab.
Was wirklich auf dem Spiel steht
Hinter dem Schauspiel des polyglotten Akademikers verbirgt sich ein größeres Problem: Die deutsche Wirtschaftselite, eng verflochten mit Politik und Staatsmedien, scheint die Realität des darbenden Mittelstandes, der ausgepressten Arbeitnehmer und der schrumpfenden Ersparnisse völlig aus dem Blick verloren zu haben. Während die Bürger sich fragen, wie sie angesichts explodierender Energiepreise und stagnierender Löhne über die Runden kommen sollen, debattiert der Berliner Elfenbeinturm darüber, wie man Rentner und Erben noch ein bisschen kräftiger schröpfen könnte.
Der Vorschlag, die Goldreserven zu veräußern, ist dabei mehr als nur eine Schnapsidee – er ist ein Symptom. Ein Symptom für eine politische und wirtschaftspolitische Klasse, die den langfristigen Wohlstand der Nation dem kurzfristigen Applaus opfert. Wer in solchen Zeiten sein Vermögen sichern möchte, sollte vielleicht genau das Gegenteil dessen tun, was Fratzscher empfiehlt. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrtausende als verlässlicher Anker bewährt – gerade dann, wenn Staaten ihre Schuldenmacherei beschleunigen und Papierwährungen unter Druck geraten. Eine vernünftige Beimischung physischer Edelmetalle in ein breit gestreutes Portfolio bleibt ein bewährtes Mittel zur Vermögenssicherung – ganz unabhängig davon, was selbsternannte Wirtschaftsweisen aus dem Berliner Politikbetrieb verkünden.
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