
Bremen: Wenn die SPD vor Linksextremisten einknickt und die Demokratie zur Farce wird
Was sich derzeit in der Freien Hansestadt Bremen abspielt, liest sich wie ein politisches LehrstĂŒck darĂŒber, wie weit Machterhalt ĂŒber Prinzipien triumphieren kann. Bremens BĂŒrgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) â wohlgemerkt zugleich amtierender BundesratsprĂ€sident â hĂ€lt eisern an seiner rot-grĂŒn-roten Koalition fest. Und das, obwohl sich sein Koalitionspartner, die Linke, offen und demonstrativ zu einer Organisation bekennt, die der Verfassungsschutz dem âgewaltorientierten Linksextremismus" zuordnet.
Verfassungsrichter mit Extremismus-Kontakten â und niemanden stört es?
Der Skandal begann mit der Enttarnung eines V-Mannes des Verfassungsschutzes bei der Interventionistischen Linken (IL). An einem verhörĂ€hnlichen âHausbesuch" bei diesem Informanten soll sich ausgerechnet ein Mitglied des Bremer Verfassungsgerichtshofs beteiligt haben â Anatol Anuschewski, der auf Vorschlag der Linken in dieses Amt gelangt war. Zwei Mitglieder des Verfassungsgerichtshofs sind mittlerweile wegen ihrer Verbindungen zur IL und zur Roten Hilfe zurĂŒckgetreten. DarĂŒber hinaus beschĂ€ftigt der Linken-Fraktionschef Nelson JanĂen ein IL-Mitglied als seinen persönlichen Referenten.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Personen mit engen Verbindungen zu einer vom Verfassungsschutz beobachteten, gewaltorientierten Organisation saĂen an einem der sensibelsten Punkte der demokratischen Ordnung â am Verfassungsgericht. WĂ€re eine solche Konstellation im rechten politischen Spektrum aufgetaucht, hĂ€tte die mediale Empörungsmaschinerie lĂ€ngst auf Hochtouren gearbeitet. Doch bei Linksextremismus herrscht in Deutschland offenbar ein anderer MaĂstab.
Die Linke: Trotz statt Distanzierung
Bovenschulte forderte von seinem Koalitionspartner eine klare Distanzierung von der IL. Seine Worte klangen zunĂ€chst unmissverstĂ€ndlich: âWer unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehnt und wer Gewalt zur Erreichung politischer Ziele fĂŒr legitim hĂ€lt, mit dem kann es keine Zusammenarbeit geben." Starke Worte. Doch was folgte, war das genaue Gegenteil von dem, was man hĂ€tte erwarten dĂŒrfen.
Fraktionschef JanĂen erklĂ€rte kĂŒhl, eine Mitgliedschaft oder NĂ€he zur IL stelle fĂŒr seine Partei kein Hindernis dar. Und als wĂ€re das nicht genug, legte ein Parteitagsbeschluss der Bremer Linken nach: Man sei âfroh und stolz", dass Bremen ĂŒber eine kritische Zivilgesellschaft verfĂŒge, zu der auch die Interventionistische Linke gehöre. Froh und stolz â ĂŒber eine Organisation, die der Verfassungsschutz als Bedrohung fĂŒr die Demokratie einstuft. Die Dreistigkeit dieser Formulierung ist kaum zu ĂŒberbieten.
Bovenschulte knickt ein â Machterhalt ĂŒber alles
Und was tat der BĂŒrgermeister angesichts dieser offenen Provokation? Er knickte ein. Statt Konsequenzen zu ziehen, sprach er den beiden Linken-Senatorinnen Claudia Bernhard und Kristina Vogt sein Vertrauen aus und erklĂ€rte, er wolle ânicht jeden Satz eines Parteitagsbeschlusses auf die Goldwaage legen". Nicht auf die Goldwaage legen â als handele es sich um eine unbedachte Formulierung in einer GruĂbotschaft und nicht um ein offenes Bekenntnis zum Extremismus.
Dieses Einknicken offenbart ein grundlegendes Problem der deutschen Sozialdemokratie: Wenn es um den Erhalt der eigenen Macht geht, werden selbst rote Linien â im wahrsten Sinne des Wortes â bereitwillig ĂŒberschritten. Sechseinhalb Jahre regiert Rot-GrĂŒn-Rot nun in Bremen, und offenbar ist Bovenschulte nicht bereit, dieses BĂŒndnis aufzugeben, koste es, was es wolle.
Opposition ohne Durchschlagskraft
Die CDU-Fraktion unter Wiebke Winter brachte MisstrauensantrĂ€ge gegen die beiden Linken-Senatorinnen ein, unterstĂŒtzt von der FDP. Winters Argumentation trifft den Nagel auf den Kopf: Es gehe nicht um einzelne missverstĂ€ndliche Aussagen, sondern um eine offenkundige politische NĂ€he zu einem Milieu, das vom Verfassungsschutz als Bedrohung eingestuft werde. Jan Timke, Fraktionschef von BĂŒndnis Deutschland, warnte gar vor einer âselbstverschuldeten Staatskrise" und prognostizierte, dass Farb- und BrandanschlĂ€ge weiter zunehmen wĂŒrden, solange die SPD an ihrem linksradikalen Partner festhalte.
Doch all diese Warnungen verhallen ungehört. Die Mathematik ist gnadenlos: Rot-GrĂŒn-Rot verfĂŒgt in der Bremer BĂŒrgerschaft ĂŒber 48 Sitze, die gesamte Opposition aus CDU, BĂŒndnis Deutschland und FDP kommt lediglich auf 38. Die MisstrauensantrĂ€ge dĂŒrften damit zur politischen Symbolik verkommen â berechtigt in der Sache, aber wirkungslos in der Praxis.
Doppelte Standards als Dauerzustand
Der Bremer Linksextremismus-Skandal ist symptomatisch fĂŒr ein tieferliegendes Problem in der deutschen Politik. WĂ€hrend bei jeder noch so vagen Verbindung ins rechte Spektrum sofort der gesamte Staatsapparat in Alarmbereitschaft versetzt wird, Ămter entzogen und politische Karrieren beendet werden, genieĂt der Linksextremismus offenbar eine Art stillschweigende Duldung. Ein Farbanschlag auf das Wohnhaus des Bremer Verfassungsschutzchefs Thorge Koehler, den die SPD-Innensenatorin selbst der IL oder ihrem Umfeld zurechnet â und trotzdem bleibt die Koalition bestehen? Man stelle sich nur fĂŒr einen Moment vor, eine rechte Organisation hĂ€tte das Haus eines Verfassungsschutzchefs attackiert. Die Reaktion wĂ€re eine völlig andere gewesen.
Diese doppelten Standards untergraben das Vertrauen der BĂŒrger in den Rechtsstaat und die demokratischen Institutionen. Sie senden die fatale Botschaft, dass Extremismus dann tolerabel ist, wenn er von der ârichtigen" Seite kommt. Bremen mag ein kleines Bundesland sein, doch was sich dort abspielt, ist ein Warnsignal fĂŒr die gesamte Republik. Wenn Verfassungsgerichte von Personen mit Extremismus-Kontakten unterwandert werden können und die regierende Mehrheit dies achselzuckend hinnimmt, dann steht es um die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie schlechter, als viele wahrhaben wollen.
Es bleibt zu hoffen, dass die BĂŒrger Bremens bei der nĂ€chsten Wahl ein deutliches Zeichen setzen. Denn eines ist klar: Eine Regierung, die sich von Extremisten nicht distanzieren kann â oder will â, hat das Vertrauen der Menschen nicht verdient.










