Kettner Edelmetalle
27.02.2026
07:18 Uhr

Bildungskatastrophe in Berlin: Fast 40 Prozent der Polizei-Bewerber scheitern an der deutschen Sprache

Was einst als SelbstverstĂ€ndlichkeit galt, ist im Jahr 2026 offenbar zur Herkulesaufgabe geworden: die Beherrschung der eigenen Muttersprache. In Berlin fĂ€llt mittlerweile mehr als jeder dritte Bewerber fĂŒr den Polizeidienst beim Deutschtest durch. Eine Zahl, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss – und die schmerzhafter kaum sein könnte fĂŒr eine Nation, die sich einst stolz als Bildungsrepublik verstand.

Die nackten Zahlen eines Versagens

Von insgesamt 10.874 Bewerbern der Jahre 2024 und 2025 fĂŒr den Berliner Polizeidienst fielen sage und schreibe 4.271 beim Sprachtest durch – das entspricht 39,3 Prozent. Doch es kommt noch schlimmer. Selbst unter den 6.013 Bewerbern, die ein Abitur, eine Fachhochschulreife oder sogar ein abgeschlossenes Studium vorweisen konnten, scheiterten 1.812 Kandidaten – fast ein Drittel. Man stelle sich das einmal vor: Menschen, denen das deutsche Bildungssystem eine Hochschulzugangsberechtigung ausgestellt hat, sind nicht in der Lage, ein simples Diktat fehlerfrei zu schreiben.

Die Konsequenzen sind handfest und unmittelbar spĂŒrbar. Im Jahr 2025 konnten von 1.224 AusbildungsplĂ€tzen bei der Berliner Polizei 288 Stellen nicht besetzt werden – schlicht weil es an ausreichend qualifizierten Bewerbern mangelte. In einer Stadt, die ohnehin unter chronischem Personalmangel bei den Sicherheitsbehörden leidet, ist das nicht nur ein bildungspolitisches Desaster, sondern ein sicherheitspolitischer Offenbarungseid.

Die Senatorin wundert sich – und zeigt auf andere

Berlins Bildungssenatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch von der CDU bezeichnete die Entwicklung als „erschreckenden AbwĂ€rtstrend". Soweit, so erwartbar. Bemerkenswert ist allerdings, mit welcher Nonchalance sie sich von jeder Verantwortung freispricht. Dieser Trend bestehe „seit Jahren", erklĂ€rte sie, und bestĂ€rke sie in ihrer „QualitĂ€tsstrategie". Man mĂŒsse noch mehr Gewicht auf Deutsch und Mathematik legen. Dass diese Basiskompetenzen in der 10., 11. oder 12. Klasse beherrscht werden mĂŒssten, sei doch klar.

Ja, das sollte es sein. Aber warum ist es das offensichtlich nicht? Und vor allem: Wo bleibt die Trendwende, die man von einer CDU-gefĂŒhrten Bildungspolitik hĂ€tte erwarten dĂŒrfen? Von einer solchen ist bislang nichts bekannt geworden. Stattdessen regiert das Prinzip Hoffnung – garniert mit wohlklingenden Strategiepapieren, die an der RealitĂ€t in den Klassenzimmern offenkundig vorbeigehen.

Ein Diktat als unĂŒberwindbare HĂŒrde

Dabei sind die Anforderungen des Deutschtests alles andere als akademisch. Der Bewerber sitzt am Computer, bekommt ĂŒber Kopfhörer einen Text von rund 200 Wörtern langsam vorgelesen – mit Sprechpausen nach jeweils fĂŒnf bis acht Wörtern. FĂŒr den mittleren Dienst bedeuten mehr als 14 Fehler das Aus, fĂŒr den gehobenen Dienst liegt die Grenze bei 11 Fehlern. Die hĂ€ufigsten Stolpersteine? Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Doppelkonsonanten. Stoff, der einst in der Grundschule vermittelt und in der Mittelstufe gefestigt wurde. Heute scheitern daran Abiturienten.

Es gab einmal eine Zeit, in der Deutschland als Bildungsnation galt. In der solide Sprachkenntnisse, saubere Rechtschreibung und grammatikalische Sicherheit zum GrundrĂŒstzeug eines jeden SchulabgĂ€ngers gehörten. Diese Zeit scheint endgĂŒltig vorbei zu sein – und die Verantwortlichen tun so, als sei das ein Naturereignis, gegen das man machtlos ist.

Das Problem reicht weit ĂŒber Berlin hinaus

Wer glaubt, es handle sich um ein rein hauptstĂ€dtisches PhĂ€nomen, der irrt gewaltig. Eine aktuelle Umfrage des Arbeitgeberverbandes „Niedersachsenmetall" unter 320 Unternehmen ergab, dass fast zwei Drittel der Betriebe ĂŒber eine abnehmende QualitĂ€t der Ausbildungsbewerber klagen. Es mangele an naturwissenschaftlichen und mathematischen Kenntnissen, an sprachlicher Kompetenz – und zunehmend auch an Motivation, Disziplin und Belastbarkeit. Die Hochschulen berichten Ähnliches: Immer mehr StudienanfĂ€nger seien zwar formal studierberechtigt, aber faktisch nicht studierfĂ€hig.

Das ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Bildungspolitik, die Leistung systematisch entwertet hat. Statt auf QualitĂ€t und Exzellenz zu setzen, wurde nivelliert, relativiert und schöngeredet. Rechtschreibreformen, die mehr Verwirrung als Klarheit stifteten. LehrplĂ€ne, die ideologisch aufgeladen, aber inhaltlich ausgedĂŒnnt wurden. Eine PĂ€dagogik, die das Fordern durch Fördern ersetzte – und am Ende beides nicht mehr leistete.

Nachhilfe fĂŒr angehende Polizisten – seit 2019

Besonders entlarvend ist ein Detail, das fast untergehen könnte: Bereits seit 2019 bietet die Berliner Polizei Deutsch-Nachhilfekurse fĂŒr ihre eigenen Auszubildenden an. Wohlgemerkt: fĂŒr Menschen, die den Einstellungstest bereits bestanden haben und sich in der Ausbildung befinden. Wenn der Staat seinen kĂŒnftigen OrdnungshĂŒtern erst beibringen muss, wie man einen korrekten deutschen Satz formuliert, dann ist das keine Randnotiz – dann ist das ein Symptom eines systemischen Versagens.

InnenstaatssekretĂ€r Christian Hochgrebe von der SPD verwies darauf, dass von den Bewerbern erwartet werde, sich eigenstĂ€ndig auf das Auswahlverfahren vorzubereiten. Eine bemerkenswerte Aussage aus den Reihen einer Partei, die ĂŒber Jahrzehnte die Berliner Bildungspolitik maßgeblich geprĂ€gt hat. Wenn die Absolventen des eigenen Schulsystems nicht einmal mehr in der Lage sind, einen Einstellungstest auf Grundschulniveau zu bestehen, dann ist der Verweis auf „Eigeninitiative" nichts anderes als eine BankrotterklĂ€rung.

Die unbequeme Wahrheit ĂŒber Berlins Schulen

Berlins PolizeiprĂ€sidentin Barbara Slowik Meisel behauptete im Innenausschuss, beim schlechten Abschneiden gebe es kaum Unterschiede zwischen Bewerbern mit und ohne Migrationshintergrund. Das mag auf den ersten Blick beruhigend klingen, offenbart bei genauerem Hinsehen jedoch ein noch tieferliegendes Problem: In vielen Berliner Schulen liegt der Anteil von SchĂŒlern nichtdeutscher Herkunftssprache bei weit ĂŒber 50 Prozent. Wenn sich das allgemeine Sprachniveau an diesen Schulen nach unten anpasst, dann sinkt eben das Niveau fĂŒr alle – unabhĂ€ngig vom Hintergrund.

AfD-Bildungsexperte Tommy Tabor, der die erschreckenden Zahlen durch eine parlamentarische Anfrage ans Licht gebracht hatte, brachte es auf den Punkt: Wenn selbst Abiturienten Mindeststandards in Rechtschreibung und Grammatik nicht mehr sicher beherrschten, sei das ein Armutszeugnis fĂŒr das Berliner Bildungssystem. Dem ist wenig hinzuzufĂŒgen – außer vielleicht die Feststellung, dass dieses Armutszeugnis lĂ€ngst nicht mehr nur fĂŒr Berlin gilt, sondern fĂŒr weite Teile der Republik.

Ein Land, das seine Zukunft verspielt

Deutschland steht vor einem fundamentalen Problem, das weit ĂŒber fehlende Polizeibewerber hinausreicht. Eine Gesellschaft, die ihren Nachwuchs nicht mehr befĂ€higt, die eigene Sprache korrekt zu beherrschen, untergrĂ€bt die Grundlagen ihres Wohlstands und ihrer FunktionsfĂ€higkeit. WĂ€hrend in Ostasien Bildungsexzellenz als nationale PrioritĂ€t behandelt wird, diskutiert man hierzulande lieber ĂŒber Gendersprache und inklusive PĂ€dagogik – und wundert sich dann, dass die Ergebnisse immer schlechter werden.

Die politische Klasse, die diesen Niedergang zu verantworten hat, reagiert mit dem immer gleichen Reflex: mehr Geld, mehr Programme, mehr Strategiepapiere. Was fehlt, ist der Mut zur Umkehr. Der Mut, wieder Leistung einzufordern, Standards durchzusetzen und Bildung als das zu behandeln, was sie ist: die wichtigste Investition in die Zukunft einer Nation. Stattdessen wird der FachkrĂ€ftemangel beklagt und reflexartig nach noch mehr Zuwanderung gerufen – wĂ€hrend der eigene Nachwuchs im Bildungssystem verkĂŒmmert.

Es war einmal eine Bildungsnation. Ihr Name war Deutschland. Was davon ĂŒbrig geblieben ist, lĂ€sst sich an einer einzigen Zahl ablesen: 39,3 Prozent.

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