Kettner Edelmetalle
18.05.2026
18:10 Uhr

Berliner Schweigekartell: Wenn die Bundesregierung lieber schweigt, als zu antworten

Berliner Schweigekartell: Wenn die Bundesregierung lieber schweigt, als zu antworten

Es gibt diese Montagstermine in der Bundespressekonferenz, bei denen einem als aufmerksamem Beobachter unweigerlich die Frage durch den Kopf schießt, ob die versammelten Regierungssprecher eigentlich noch wissen, wozu sie da sind. Der jĂŒngste Termin reihte sich nahtlos in eine ehrwĂŒrdige Berliner Tradition ein: viele Worte, wenig Substanz, und bei den heiklen Fragen ein routiniertes Wegducken, das man in dieser Perfektion sonst nur aus diktatorischen Regimen kennt – nur dass dort wenigstens die LĂŒge offen daherkommt.

Klimaszenarien statt LebensrealitÀt

Über weite Strecken drehte sich die Pressekonferenz um den Bericht des Expertenrats fĂŒr Klimafragen. Frage um Frage, Nachfrage um Nachfrage prasselte auf den Sprecher des Umweltministeriums ein – ob nun 100 oder 105 Gigawatt Windkraft an Land bis 2030 realistisch seien, ob das GebĂ€ude-Energie-Gesetz nun in dieser oder jener Detailfrage nachgeschĂ€rft werde. Der Ministeriumssprecher hielt tapfer dagegen, der Expertenrat arbeite eben „vorsichtiger“, das Ministerium selbst befinde sich „in guter Gesellschaft“ mit Branche und Internationaler Energieagentur.

Bemerkenswert war an dieser Stelle weniger die Substanz der Antworten als die IntensitĂ€t des journalistischen Interesses. WĂ€hrend sich die Mehrheit der BĂŒrger laut allen einschlĂ€gigen Umfragen vor allem um Energiepreise, Reallöhne und soziale Sicherheit sorgt, verbrachte das Hauptstadtpresse-Korps gefĂŒhlt die HĂ€lfte der Sitzung mit Detailfragen zu Klimaszenarien und Methodologie-Fragen. Die Diskrepanz zwischen Berliner PressebĂŒhne und den dominierenden Themen an den KĂŒchentischen in Saalfeld, Duisburg oder Salzwedel könnte kaum grĂ¶ĂŸer sein. Hier zeigt sich exemplarisch, warum das Vertrauen weiter Teile der Bevölkerung in die etablierten Medien auf einem historischen Tiefstand angekommen ist.

Sechs Wochen QuarantĂ€ne – aber bitte keine ErklĂ€rung

Konkret wurde es bei einer Nachfrage zur Handreichung des Robert-Koch-Instituts an deutsche GesundheitsĂ€mter zum sogenannten Andes-Hantavirus. Sechs Wochen QuarantĂ€ne auch fĂŒr asymptomatische Kontaktpersonen, ein negativer Test hebt die Isolation nicht auf – eine derart einschneidende Maßnahme verlangt in einer demokratischen Gesellschaft eigentlich nach belastbarer wissenschaftlicher BegrĂŒndung. Die Antwort des Gesundheitsministeriums? Man solle sich doch bitte direkt an das RKI wenden.

Keine ErklĂ€rung zur Evidenzlage, keine EinschĂ€tzung zur VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit, kein Hinweis auf die Aufsichtspflicht ĂŒber das eigene nachgeordnete Institut. Wer noch nicht vergessen hat, wie in den Corona-Jahren das RKI als unfehlbares Orakel hochstilisiert wurde – wĂ€hrend interne Protokolle spĂ€ter erhebliche politische Einflussnahme dokumentierten – dĂŒrfte hier ein ungutes DĂ©jĂ -vu verspĂŒren. Bemerkenswert auch der Kontrast: Zum Thema Ebola gab das Ministerium detailliert ĂŒber mobile Labore und Förderzusagen Auskunft. Beim Hantavirus dagegen: Funkstille.

Merz beim Katholikentag – und die unbequeme RealitĂ€t

Eine weitere Frage betraf eine Aussage des Bundeskanzlers beim WĂŒrzburger Katholikentag, wonach nur wenige LĂ€nder jungen Menschen so gute Zukunftschancen böten wie Deutschland. Eine schöne Sonntagsrede – nur leider mit der RealitĂ€t auf Kriegsfuß. Die aktuelle UNICEF-Studie „Ungleiche Chancen – Kinder und wirtschaftliche Ungleichheit“ weist der Bundesrepublik unter 37 untersuchten LĂ€ndern lediglich Rang 25 zu. Noch ernĂŒchternder: Nur 46 Prozent der Jugendlichen aus armen Familien erreichen grundlegende Bildungsstandards, gegenĂŒber 90 Prozent in wohlhabenden Haushalten.

Die Antwort des Regierungssprechers folgte dem altbekannten Drei-Stufen-Plan: Erst wurde die Datengrundlage in Zweifel gezogen, dann die Kanzlerthese reflexhaft bekrĂ€ftigt, schließlich auf die „DurchlĂ€ssigkeit“ des deutschen Bildungssystems und die LĂ€nderzustĂ€ndigkeit verwiesen.

Ich will trotzdem an der Aussage festhalten, dass die Zukunftsaussichten in Deutschland und die Versorgung der Kinder und Jugendlichen in diesem Land ausgezeichnet sind.

So zitiert man den Regierungssprecher Stefan Kornelius. Dass eine BildungsbeteiligungslĂŒcke von 44 Prozentpunkten zwischen armen und reichen Familien möglicherweise ein strukturelles Problem darstellt, das ĂŒber die berĂŒhmten „LĂ€nderzustĂ€ndigkeiten“ weit hinausreicht, scheint im Kanzleramt schlicht nicht angekommen zu sein. FĂŒr eine Regierung, die soziale Aufstiegsversprechen gerne im Munde fĂŒhrt – man denke an Merz‘ Versprechen, keine neuen Schulden zu machen, das mittlerweile in einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen mĂŒndete – eine bezeichnende argumentative Leerstelle.

US-Biolabor in der Pfalz: Diagnostik oder doch etwas anderes?

Besonders brisant – und entsprechend wortkarg beantwortet – war die Frage nach dem geplanten Biosicherheitslabor der US-Armee im pfĂ€lzischen Weilerbach. Schutzstufe 3, hochinfektiöse Erreger der Risikogruppe 3, offizieller Bauherr das Bundesbauministerium. Die US-Seite versichert vornehm, es handle sich um rein diagnostische Zwecke, experimentelle AktivitĂ€ten seien ausgeschlossen.

Wer in der Bundesregierung das eigentlich kontrolliert, welche verbindlichen Vereinbarungen existieren, welche Berichtspflichten gelten – all das blieb unbeantwortet. Auf deutschem Boden entsteht ein Hochsicherheitslabor einer fremden Armee, und die Bundesregierung tut so, als gehe sie das nichts an. In jedem souverĂ€nen Land wĂ€re dies ein politischer Skandal ersten Ranges. In Berlin? Eine Randnotiz.

Bundeswehr-Beförderungsstopp: Zwei Jahrzehnte Tatenlosigkeit

Erstaunlich auskunftsfreudig zeigte sich hingegen das Verteidigungsministerium beim Thema Beförderungsstopp bei Heer und Marine. Die Gerichte urteilen bereits seit Anfang der 2000er Jahre regelmĂ€ĂŸig, dass das bestehende System nicht rechtskonform sei. Passiert ist ĂŒber zwei Jahrzehnte hinweg: nichts. Erst das Urteil des Oberverwaltungsgerichts MĂŒnster habe nun den entscheidenden Impuls geliefert. FrĂŒhestens 2027 sollen neue Beförderungsstrukturen greifen. Der Bundeswehrverband spricht von einem „Super-GAU“ fĂŒr die ohnehin angeschlagene Personalplanung. Passend zu einer „Zeitenwende“, bei der bislang 111 Milliarden Euro ausgegeben wurden – und niemand so recht weiß, wo das Geld eigentlich geblieben ist.

Eine Frage der PrioritÀten

Am Ende blieb der Eindruck einer Veranstaltung, in der die zentralen Fragen – soziale Bildungsungleichheit, ein US-Biolabor auf deutschem Boden, gesundheitspolitische VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit – entweder ausgeklammert oder schlicht ausgesessen wurden. Stattdessen Klimaszenarien bis zur letzten Nachkommastelle. Man muss kein Zyniker sein, um darin auch eine Aussage ĂŒber die PrioritĂ€ten des deutschen Hauptstadtjournalismus zu erkennen. Und es ist nicht nur die Meinung unserer Redaktion, sondern auch jene eines erheblichen Teils des deutschen Volkes, dass eine derart entkoppelte politisch-mediale Klasse die wachsende Vertrauenskrise in Berlin maßgeblich befeuert.

Vermögenssicherung in unsicheren Zeiten

Wer eine Bundesregierung erlebt, die zu Biolaboren, QuarantĂ€nevorschriften und Bildungsdesastern lieber schweigt, statt Verantwortung zu ĂŒbernehmen, und die gleichzeitig Schuldenberge in historischer Dimension auftĂŒrmt, wird unweigerlich nach Wegen suchen, sein hart erarbeitetes Vermögen vor den Folgen dieser politischen UnfĂ€higkeit zu schĂŒtzen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrtausende als wertstabile SĂ€ule eines breit gestreuten Vermögensportfolios bewĂ€hrt – gerade dann, wenn das Vertrauen in staatliche Institutionen erodiert und Inflation sowie politische Risiken zunehmen.

Hinweis: Die in diesem Artikel geĂ€ußerten EinschĂ€tzungen geben die Meinung der Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Sie stellen keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen anstellen oder fachkundigen Rat einholen.

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