Kettner Edelmetalle
16.03.2026
15:36 Uhr

ZDF-Grafikpanne bei Landtagswahl: Versehen oder System?

ZDF-Grafikpanne bei Landtagswahl: Versehen oder System?

Man stelle sich einmal vor, eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt – finanziert durch Milliarden an ZwangsgebĂŒhren der deutschen BĂŒrger – stellt ausgerechnet die Wahlergebnisse der grĂ¶ĂŸten Oppositionspartei in einer Grafik systematisch zu klein dar. Klingt nach einem schlechten Witz? Ist es aber nicht. Es ist RealitĂ€t, und zwar beim ZDF, jenem Sender, der sich so gerne als Hort der journalistischen Sorgfalt und Ausgewogenheit inszeniert.

Die AfD schrumpft – aber nur auf dem Bildschirm

Was war geschehen? Am Montag nach der Landtagswahl in Baden-WĂŒrttemberg zeigte das ZDF in gleich mehreren Sendungen ein Tortendiagramm zur Sitzverteilung im neuen Landtag. Die Zahlen selbst waren korrekt: 35 Sitze fĂŒr die AfD, lediglich zehn fĂŒr die SPD. Doch die grafische Darstellung erzĂ€hlte eine ganz andere Geschichte. Das blaue Segment der AfD wirkte geradezu kĂŒmmerlich, wĂ€hrend das rote SPD-StĂŒck des Kuchens sich aufblĂ€hte, als hĂ€tte die Partei nicht zehn, sondern fĂŒnfzig Mandate errungen. Mehr als dreimal so viele Sitze – und trotzdem optisch der Zwerg im Diagramm. Man muss kein Mathematiker sein, um hier stutzig zu werden.

Besonders pikant: Die fehlerhafte Grafik wurde nicht etwa einmal kurz eingeblendet und sofort korrigiert. Nein. Im rund halbstĂŒndigen Livestream „ZDF heute live" erschien sie gleich dreimal. Und als wĂ€re das nicht genug, schaffte es die falsche Darstellung am Nachmittag erneut in die Sendung „heute – in Deutschland". Wer kontrolliert eigentlich in Mainz die Grafiken, bevor sie auf Sendung gehen? Offenbar niemand mit einem funktionierenden Augenmaß.

Der Sender spricht von einem „Eingabefehler"

Die ErklĂ€rung des ZDF klingt so technisch wie unspektakulĂ€r – und genau das macht sie verdĂ€chtig. Thomas Heinrich, Leiter der „heute"-Sendung, erklĂ€rte gegenĂŒber Medien, es habe sich um einen schlichten Eingabefehler gehandelt. Beim ZDF wĂŒrden die Zahlen fĂŒr die Beschriftung und die grafische Darstellung in getrennten Systemen eingegeben. Eine falsche Eingabe habe dazu gefĂŒhrt, dass die Proportionen nicht mehr mit den angezeigten Zahlen ĂŒbereinstimmten. Von einer „absichtlichen Manipulation" könne keine Rede sein.

Nun gut. Nehmen wir das einmal fĂŒr bare MĂŒnze. Dann bleibt allerdings die Frage, warum ein Sender mit einem Jahresbudget von ĂŒber zwei Milliarden Euro nicht in der Lage ist, ein simples Tortendiagramm korrekt darzustellen. Und warum fiel der Fehler nicht beim ersten, nicht beim zweiten und nicht einmal beim dritten Mal auf? Wie viele Redakteure, Grafiker und Produzenten schauen auf solche Sendungen, bevor sie ausgestrahlt werden? Die Antwort scheint ernĂŒchternd zu sein.

Zufall oder Muster?

AfD-Politiker reagierten erwartungsgemĂ€ĂŸ scharf. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Sebastian MĂŒnzenmaier, sprach auf der Plattform X von „Anti-AfD-Propaganda", die man schlichtweg satt habe. Und ehrlich gesagt: Kann man es ihm verdenken? Wenn Fehler bei öffentlich-rechtlichen Sendern zufĂ€llig immer in dieselbe Richtung gehen – nĂ€mlich zu Lasten der AfD –, dann darf man zumindest die Frage stellen, ob hier nicht ein strukturelles Problem vorliegt, das weit ĂŒber einen einzelnen Eingabefehler hinausgeht.

Das ZDF beteuert, fehlerhafte Wahlgrafiken seien „insgesamt selten". Recherchen zufolge seien seit 2013 bei ZDF, ARD und SWR lediglich drei FĂ€lle falscher Wahlgrafiken bekannt geworden. Drei FĂ€lle in dreizehn Jahren – das klingt tatsĂ€chlich nach wenig. Doch die entscheidende Frage ist nicht die HĂ€ufigkeit, sondern die Richtung des Fehlers. Wurde jemals eine Grafik veröffentlicht, in der die AfD versehentlich zu groß dargestellt wurde? Die Antwort dĂŒrfte bezeichnend sein.

Vertrauen verspielt – und das nicht zum ersten Mal

Der Vorfall reiht sich ein in eine lange Kette von Ereignissen, die das Vertrauen der BĂŒrger in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nachhaltig erschĂŒttern. Ob tendenziöse Berichterstattung, ideologisch gefĂ€rbte Talkshows oder eben „versehentlich" verzerrte Wahlgrafiken – der Eindruck verfestigt sich bei Millionen von GebĂŒhrenzahlern, dass hier nicht mehr neutral informiert, sondern politisch erzogen werden soll. Ein Sender, der sich als vierte Gewalt im Staat versteht, muss höchste Standards an Genauigkeit und Fairness anlegen. Gerade bei Wahlergebnissen, dem HerzstĂŒck jeder Demokratie.

Das ZDF hat angekĂŒndigt, die Kontrollprozesse bei der Erstellung solcher Grafiken zu ĂŒberprĂŒfen. Das ist das Mindeste. Doch solange der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht grundlegend reformiert wird – personell, strukturell und vor allem in seiner politischen Ausrichtung –, werden solche „Pannen" das ohnehin ramponierte Vertrauen der BĂŒrger weiter untergraben. Vielleicht wĂ€re es an der Zeit, dass die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz endlich die lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks anpackt. Die BĂŒrger, die dieses System mit ihren BeitrĂ€gen finanzieren, hĂ€tten es verdient.

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