Kettner Edelmetalle
08.08.2024
08:04 Uhr

Wohnungsbau-Krise: Deutschland steuert auf dramatischen Tiefpunkt zu

Wohnungsbau in der Krise: Ein dĂŒsteres Bild

Deutschland steht vor einer massiven Wohnungsbaukrise. Der Immobilienverband prognostiziert, dass 70 Prozent seiner Mitglieder im Jahr 2025 keine einzige Wohnung bauen werden. Die ohnehin angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt verschĂ€rft sich weiter, da die Baubranche mit steigenden Kosten und bĂŒrokratischen HĂŒrden kĂ€mpft.

RĂŒcklĂ€ufige Zahlen und dĂŒstere Prognosen

Die Ampelregierung hatte sich bei ihrem Amtsantritt 2021 das ambitionierte Ziel gesetzt, jÀhrlich 400.000 neue Wohnungen zu bauen. Doch dieses Ziel scheint in weiter Ferne. Im Jahr 2022 wurden knapp 300.000 Wohnungen fertiggestellt, und die Tendenz ist stark sinkend. Der Bundesverband der deutschen Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) berichtet, dass die Wohnungsfertigstellungen im Jahr 2023 um 13 Prozent eingebrochen sind. Zwei Drittel der Wohnungsunternehmen im GdW konnten in diesem Jahr gar keine Wohnungen mehr bauen.

Prognosen fĂŒr die kommenden Jahre

Das ifo Institut prognostiziert, dass die Zahl der neuen Wohnungen in diesem Jahr von knapp 300.000 auf 250.000 sinken wird. FĂŒr das Jahr 2025 wird ein weiterer RĂŒckgang auf 205.000 Wohnungen erwartet, und 2026 könnte die Zahl auf nur noch 175.000 fallen. Diese dĂŒsteren Aussichten stellen die Frage, ob der „Bau-Turbo“ der Regierung wirklich eine Trendwende herbeifĂŒhren kann.

Ursachen fĂŒr die AbwĂ€rtsentwicklung

Die GrĂŒnde fĂŒr die Krise im Wohnungsbau sind vielfĂ€ltig. Einerseits sind die Baukosten in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Laut ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister sind die Baukosten in den letzten drei Jahren um rund 35 bis 40 Prozent gestiegen. Zudem sind die Zinsen fĂŒr Baufinanzierungen auf ein normales Niveau zurĂŒckgekehrt, was die Finanzierung von Bauprojekten zusĂ€tzlich erschwert.

Fehlende UnterstĂŒtzung und ĂŒberzogene Vorgaben

Die Bundesregierung hat zwar eine Milliarde Euro zusĂ€tzlich fĂŒr klimafreundlichen Neubau im Niedrigpreissegment zugesagt, doch diese Förderung bleibt hinter den Erwartungen der Wohnungswirtschaft zurĂŒck. Der EH-40-Standard, der weiterhin gefördert wird, verteuert das Bauen zusĂ€tzlich. Axel Gedaschko, PrĂ€sident des GdW, fordert, dass keine weitere VerschĂ€rfung ĂŒber den EH55-Standard hinaus erfolgen darf, um den hohen Bedarf an Wohnungen zu decken.

Steigende Bevölkerungszahlen verschÀrfen die Lage

Ein weiterer Faktor, der die Wohnungsnot verschĂ€rft, ist das Bevölkerungswachstum. Ende 2023 lebten 84,7 Millionen Menschen in Deutschland, ein Plus von rund 1,5 Millionen Menschen im Vergleich zu Ende 2020. Dieser Zuwachs ist vor allem auf die hohe Anzahl an Migranten zurĂŒckzufĂŒhren, da die Geburtenrate in Deutschland seit Jahren unter 1,5 Kindern pro Frau liegt.

Die Forderung nach konsequenter Zusammenarbeit

Axel Gedaschko fordert die staatlichen Ebenen – Judikative, Exekutive und Legislative – zu konsequenter Zusammenarbeit auf, um alles fĂŒr bezahlbaren Wohnungsbau zu tun. Nur so könne Deutschland ein zukunftsfĂ€higes Land bleiben. „Wir brauchen bezahlbares ‚Schwarzbrot‘ statt teuren ‚Zuckerguss‘ in Form immer höherer und kostspieliger Vorgaben“, so der GdW-PrĂ€sident.

Auswirkungen auf Mieter und zukĂŒnftige EigentĂŒmer

Die hohen Baukosten wirken sich auch auf die Mieten aus. Dorffmeister beziffert die kalkulierte Miete fĂŒr neue Wohnungen auf 18 Euro pro Quadratmeter. In Berlin sind die Mieten in den letzten Jahren stark gestiegen: Anfang 2020 zahlten Mieter noch rund 13 Euro pro Quadratmeter, im zweiten Quartal 2024 bereits 17,15 Euro.

Die Zukunft des Wohnungsbaus

Die Aussichten fĂŒr den Wohnungsbau in Deutschland bleiben dĂŒster. Trotz der BemĂŒhungen der Bundesregierung und der Baubranche scheint eine echte Trendumkehr mittelfristig nicht in Sicht. Die hohen Baukosten und die steigende Nachfrage werden die Situation weiter verschĂ€rfen.

Es bleibt abzuwarten, ob die politischen EntscheidungstrĂ€ger die notwendigen Maßnahmen ergreifen werden, um den Wohnungsbau in Deutschland wieder anzukurbeln und die Wohnungsnot zu lindern.

Wissenswertes zum Thema