Kettner Edelmetalle
30.08.2024
10:26 Uhr

Von der Leyen droht beim Geschlechterziel zu scheitern: Mitgliedstaaten ignorieren ihre Forderungen

EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen steht vor einer herben Niederlage: Ihr ambitioniertes Ziel, ein ausgewogenes GeschlechterverhÀltnis in der neuen EU-Kommission zu erreichen, scheint zu scheitern. Trotz ihrer klaren Aufforderung an die Mitgliedstaaten, sowohl mÀnnliche als auch weibliche Kandidaten zu nominieren, haben viele Regierungen lediglich MÀnner vorgeschlagen.

Uneinigkeit der Mitgliedstaaten

Nach Recherchen der Deutschen Presse-Agentur haben mehr als die HĂ€lfte der EU-Mitgliedstaaten nur mĂ€nnliche Kandidaten fĂŒr das neue Kollegium der Kommissare nominiert. Dies könnte dazu fĂŒhren, dass das neue Team von der Leyens zu rund zwei Dritteln aus MĂ€nnern besteht. Derzeit sind 12 der 27 Kommissionsmitglieder weiblich. Von der Leyen hatte gehofft, diese Zahl mindestens zu halten, wenn nicht sogar zu erhöhen.

Widerstand aus den HauptstÀdten

Einige Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, Ungarn und Lettland, haben bestehende mĂ€nnliche Kommissare erneut nominiert. Frankreich schickt beispielsweise den Binnenmarktkommissar Thierry Breton, Ungarn den Erweiterungskommissar Oliver Varhelyi und Lettland den Handelskommissar Valdis Dombrovskis. DĂ€nemark hat den bisherigen Minister fĂŒr Entwicklungszusammenarbeit, Dan JĂžrgensen, nominiert und erklĂ€rt, dass man sich nicht dafĂŒr schĂ€men mĂŒsse, keine Frau nominiert zu haben.

Von der Leyens begrenzte Macht

FĂŒr von der Leyen ist die Situation Ă€rgerlich, doch ihre Möglichkeiten sind begrenzt. Die Regierungen der Mitgliedstaaten sind rechtlich nicht verpflichtet, ihrer Aufforderung Folge zu leisten. Der EU-Vertrag verlangt lediglich, dass das demografische und geografische Spektrum der Mitgliedstaaten in der Kommission zum Ausdruck kommen soll. Von GeschlechterparitĂ€t ist keine Rede.

Reputationsrisiko fĂŒr die PrĂ€sidentin

Der italienische EU-Recht-Experte Alberto Alemanno warnte, dass ein von MĂ€nnern dominiertes Kollegium die AutoritĂ€t von der Leyens schwĂ€chen könnte. Er rief sie auf, den Mitgliedstaaten ihre Unzufriedenheit deutlich zu machen und sie zu bitten, ihre Nominierungen zu ĂŒberdenken, um einen Reputationsschaden fĂŒr sich selbst und die EU zu vermeiden.

Einfluss und Machtbalance

Von der Leyen hat theoretisch die Möglichkeit, Druck auf die Mitgliedstaaten auszuĂŒben, indem sie die Ressortverteilung beeinflusst. Regierungen haben in der Regel ein Interesse daran, dass ihre Kandidaten wichtige Ressorts besetzen. Dies könnte ein Hebel sein, um doch noch mehr Frauen in die Kommission zu bringen. Doch ob dies ausreicht, bleibt abzuwarten.

Ausblick

Die Auswahl der Kommissarinnen und Kommissare ist der letzte große Schritt zur Neubesetzung der politischen Spitzenpositionen nach der Europawahl im Juni. Von der Leyen muss die Nominierungen entgegennehmen und eine Aufgabenverteilung vornehmen. Sollte es ihr nicht gelingen, ein ausgewogenes GeschlechterverhĂ€ltnis zu erreichen, könnte dies nicht nur ihre AutoritĂ€t, sondern auch die GlaubwĂŒrdigkeit der gesamten EU-Kommission untergraben.

Die Zeit drÀngt: Das neue Team soll am 1. November seine Arbeit aufnehmen, kurz vor der PrÀsidentschaftswahl in den USA. Ein Scheitern beim Geschlechterziel könnte somit weitreichende geopolitische Konsequenzen haben.

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