
US-Wirtschaft schwächelt: Wachstumsmotor stottert bedenklich – und Europa schaut zu

Die größte Volkswirtschaft der Welt zeigt erste Risse. Was am Donnerstag aus dem US-Handelsministerium in Washington verkündet wurde, dürfte Ökonomen rund um den Globus zumindest nachdenklich stimmen: Die amerikanische Wirtschaft ist deutlich schwächer ins Jahr gestartet, als bislang angenommen. Statt der ursprünglich geschätzten zwei Prozent legte das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal auf das Jahr hochgerechnet lediglich um 1,6 Prozent zu. Eine Korrektur, die zwar nicht dramatisch klingt, aber eine bedenkliche Tendenz offenbart.
Der Konsum stockt – die Inflation frisst die Kaufkraft
Verantwortlich für die Abwärtsrevision seien laut Handelsministerium geringere Investitionen sowie schwächere private Konsumausgaben. Wer einen Blick auf das vorangegangene Quartal wirft, dem schwant Übles: Damals hatte das Plus gerade einmal magere 0,5 Prozent betragen – unter anderem deshalb, weil der berüchtigte Haushaltsstreit in Washington die Regierungsgeschäfte für 43 Tage faktisch lahmlegte. Ein Schauspiel, das auch in deutschen Regierungskreisen längst zur traurigen Routine geworden ist, wenn man an die diversen Etat-Streitereien der vergangenen Jahre denkt.
Besonders aufschlussreich: Die Kauflaune der Amerikaner werde derzeit massiv von der gestiegenen Inflation gedämpft – eine direkte Folge des seit fast drei Monaten andauernden Iran-Konflikts, der die Energiepreise weltweit in die Höhe treibt. Die privaten Konsumausgaben legten im April zwar um 0,5 Prozent zum Vormonat zu, doch das ist nicht mehr als ein zaghaftes Lebenszeichen eines angeschlagenen Konsumenten.
Industrie unter Druck – nur die Rüstung floriert
Noch alarmierender sind die Zahlen aus der US-Industrie. Im April erhielten die amerikanischen Unternehmen überraschend weniger Aufträge für wichtige Investitionsgüter. Die Bestellungen ohne Verteidigungs- und Flugzeugtechnik sanken um 1,1 Prozent – während die von Reuters befragten Ökonomen mit einem Anstieg von 0,4 Prozent gerechnet hatten. Ein Fehlschuss um satte 1,5 Prozentpunkte. Im März hatte es nach revidierten Daten noch ein kräftiges Plus von 3,9 Prozent gegeben. Der Absturz ist also rapide.
Bezeichnend bleibt: Ausgerechnet die Verteidigungs- und Flugzeugtechnik sind die einzigen Investitionsgüter ohne rückläufige Aufträge. Wer von Krieg und geopolitischer Eskalation profitiert, ist offenkundig die Rüstungsindustrie. Eine Erkenntnis, die nicht erst seit gestern gilt, aber in Zeiten, in denen auch die Bundesregierung das Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigung in dreistelliger Milliardenhöhe durch das Grundgesetz gepeitscht hat, eine besondere Brisanz erhält.
Was bedeutet das für deutsche Sparer?
Die Vereinigten Staaten gelten gemeinhin als globaler Konjunkturmotor. Stottert dieser Motor, bekommt es auch die exportorientierte deutsche Wirtschaft zu spüren – die ohnehin schon unter den Trump'schen Zollhammer-Schlägen ächzt. Mit 20 Prozent Strafzöllen auf EU-Importe hat der US-Präsident eine Belastung verhängt, die deutschen Mittelständlern den Schweiß auf die Stirn treibt. Wer in einem solchen Umfeld noch glaubt, mit ETFs auf den amerikanischen Aktienmarkt sorgenfrei in die Zukunft zu blicken, dem sei ein nüchterner Blick auf die Realität empfohlen.
Wenn die Konsumstimmung in den USA kippt, die Inflation durch geopolitische Krisen weiter angeheizt wird und die Industrie schwächelt, bleibt die Frage: Worauf können sich Anleger noch verlassen? Historisch gesehen haben sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber in Zeiten wirtschaftlicher Verwerfungen stets als Fels in der Brandung erwiesen. Sie sind weder von der Kauflaune amerikanischer Verbraucher abhängig noch von den Launen Washingtoner Politiker. Ein Aspekt, den jeder vernünftige Anleger in einem breit gestreuten Portfolio berücksichtigen sollte.
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