Kettner Edelmetalle
18.05.2026
06:13 Uhr

UBS rudert zurück: Warum die Silber-Prognosen plötzlich nach unten korrigiert werden

UBS rudert zurück: Warum die Silber-Prognosen plötzlich nach unten korrigiert werden

Lange Zeit galt Silber als der heimliche Star unter den Edelmetallen – ein Markt, der angeblich aus allen Nähten platzte, getrieben von einem gigantischen Angebotsdefizit und einer Industrie, die das weiße Metall regelrecht verschlang. Doch nun meldet sich die Schweizer Großbank UBS mit einem nüchternen Realitätscheck zu Wort. Die Analysten haben ihre Prognosen für den Silberpreis spürbar nach unten geschraubt. Was steckt hinter dieser plötzlichen Kehrtwende?

Die Angebotslücke schmilzt dahin

Im Mittelpunkt der Neubewertung steht eine deutliche Korrektur des erwarteten Marktdefizits. Während die UBS für 2026 bislang von einer Angebotslücke in Höhe von satten 300 Millionen Unzen ausging, schrumpft dieser Fehlbetrag nun auf magere 60 bis 70 Millionen Unzen zusammen. Eine drastische Anpassung, die zeigt, wie schnell sich Marktnarrative wandeln können – und wie vorsichtig man mit allzu euphorischen Prognosen umgehen sollte.

Verantwortlich für diese Neuausrichtung sind gleich zwei gegenläufige Entwicklungen. Auf der Angebotsseite zeichnet sich ein deutlich freundlicheres Bild: Die Bank rechnet für 2026 mit einer weltweiten Minenproduktion von rund 850 Millionen Unzen. Gleichzeitig hinterlassen die zuletzt hohen Silberpreise sichtbare Bremsspuren beim Verbrauch. Allein in den Sektoren Photovoltaik, Silberwaren und Schmuck rechnet die UBS mit einem Nachfrageausfall von etwa 50 Millionen Unzen. Hohe Preise zerstören Nachfrage – ein eisernes ökonomisches Gesetz, das auch beim Silber gilt.

Investoren machen Kasse

Auch die Investmentnachfrage zeigt deutliche Ermüdungserscheinungen. Die Analysten haben ihre Schätzung für das Gesamtjahr von zuvor mehr als 400 Millionen auf nunmehr 300 Millionen Unzen gestutzt – eine Zahl, die die Bank selbst noch als großzügig bezeichnet. Die globalen ETF-Bestände sind bereits um knapp 70 Millionen auf etwa 794 Millionen Unzen abgeschmolzen. Parallel dazu hat sich die Netto-Positionierung spekulativer Futures-Anleger auf etwas mehr als 100 Millionen Unzen reduziert.

Seitwärtsbewegung statt Höhenrausch

Vor diesem Hintergrund stutzen die Schweizer Strategen ihre Kursziele über sämtliche Zeiträume hinweg zusammen. Statt eines steilen Höhenfluges erwarten sie im Basisszenario eine breite Seitwärtsbewegung – allerdings auf historisch hohem Niveau. Für das Ende des zweiten Quartals 2026 sieht die UBS nun 85 US-Dollar je Unze (zuvor 100 USD), im September 2026 ebenfalls 85 Dollar (zuvor 95 USD), zum Jahresende 2026 dann 80 Dollar (zuvor 85 USD) und im März 2027 schließlich 75 US-Dollar (zuvor 85 USD).

Gold bleibt das Fundament

Trotz aller Dämpfer rechnet die Bank ausdrücklich nicht mit einem Absturz beim Silber. Als stabilisierender Anker fungiere das Gold, bei dem die Analysten weiterhin von tendenziell steigenden Notierungen ausgehen. Die zuletzt wieder gewachsene Korrelation beider Edelmetalle sichere den Silberpreis nach unten ab. Das Gold-Silber-Verhältnis solle sich mittelfristig im Bereich von 75 bis 80 einpendeln.

Interessant ist auch der strategische Hinweis der UBS-Strategen: Statt reiner Long-Positionen halten sie es derzeit für attraktiver, Abwärtsrisiken zur Ertragsgenerierung zu verkaufen. Die implizite Volatilität habe sich zwar von den Extremwerten zu Jahresbeginn beruhigt – im Februar lag die realisierte Ein-Monats-Volatilität bei nahezu astronomischen 150 Prozent –, bleibe historisch betrachtet aber überaus hoch.

Was bedeutet das für den Anleger?

Wer die Geschichte der Finanzmärkte studiert hat, weiß, dass Bankprognosen mit gesunder Skepsis zu betrachten sind. Dieselben Häuser, die heute Kursziele nach unten korrigieren, haben sie noch vor wenigen Monaten euphorisch nach oben geschrieben. Die Wahrheit ist: Niemand kennt den exakten Preis von morgen. Was aber bleibt, ist die fundamentale Stärke physischer Edelmetalle als Schutz vor den geldpolitischen Eskapaden unserer Zeit.

Während die EZB weiter munter Geld druckt, die Bundesregierung unter Friedrich Merz mit einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die Schuldenuhr beschleunigt und die Inflation den Bürger schleichend enteignet, bleiben Gold und Silber das, was sie seit Jahrtausenden sind: ehrliches Geld, das man anfassen kann. Eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau – um die 80 Dollar je Unze – ist keineswegs ein Drama, sondern eine Bestätigung dafür, dass Silber sein Preisniveau im Vergleich zu den Tiefstständen früherer Jahre vervielfacht hat. Wer physisches Silber besitzt, hat einen handfesten Wert in der Hand, während Aktien-Depots und ETF-Konstrukte bei der nächsten Marktverwerfung schnell zur Makulatur werden können.

Für ein gesund diversifiziertes Vermögen bleiben physische Edelmetalle daher eine sinnvolle Beimischung – nicht als Spekulationsobjekt für schnelle Gewinne, sondern als Versicherung gegen die Risiken eines Finanzsystems, das immer deutlicher aus den Fugen gerät.

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