Kettner Edelmetalle
28.05.2026
05:51 Uhr

Tittmoning im Aufruhr: Wenn 60 Künstler einem demokratisch gewählten Stadtrat das Kulturreferat absprechen wollen

Tittmoning im Aufruhr: Wenn 60 Künstler einem demokratisch gewählten Stadtrat das Kulturreferat absprechen wollen

Es ist ein Lehrstück darüber, wie weit das Selbstverständnis weiter Teile des subventionierten Kulturbetriebs inzwischen von der demokratischen Realität entfernt ist. In der oberbayerischen Kleinstadt Tittmoning, gelegen im idyllischen Landkreis Traunstein, bricht ein Sturm im Wasserglas los, weil ein gewählter Stadtrat ein Ehrenamt übernehmen soll, das ihm zusteht: das Referat für Kultur, Brauchtum und Tradition. Sein Name: Sebastian Gruttauer. Sein Vergehen: Er sitzt für die AfD im Stadtrat.

Empörung auf Bestellung

Rund 60 Künstler und sogenannte Kulturvertreter, darunter der Kabarettist und Musiker Hans Well, haben einen Protestbrief an den Stadtrat gerichtet. Ihre Argumentation klingt wie aus dem Phrasenbaukasten der Berliner Republik: „Kultur ist kein unpolitischer Raum. Sie prägt unser gesellschaftliches Miteinander, unsere Werte und unser Verständnis von Offenheit, Vielfalt und Demokratie.“ Was bei näherem Hinsehen heißt: Kultur ist sehr wohl politisch – aber bitte nur in eine Richtung. Wer nicht das richtige Parteibuch hat, soll außen vor bleiben. Demokratie nach Gutsherrenart.

Besonders pikant: Ausgerechnet beim Referat für Brauchtum und Tradition – also genau jenem Bereich, in dem es um den Erhalt regionaler Identität, bayerischer Lebensart und gewachsener Bräuche geht – will man einem konservativen Politiker die Eignung absprechen. Man fragt sich unwillkürlich, ob ein Referent von den Grünen, der lieber genderneutrale Volkstänze einführen würde, bei diesen 60 Unterzeichnern auf größere Begeisterung gestoßen wäre.

Ein Bürgermeister, der sich an die Spielregeln hält

Bürgermeister Andreas Bratzdrum hat das Verfahren nüchtern dargestellt. In Tittmoning sei es schlicht üblich, dass jeder Stadtrat ein Referat übernehme. Das Kulturreferat sei nach der Kommunalwahl frei gewesen, Gruttauer habe in einer Vorbesprechung Interesse bekundet. Und – Achtung, jetzt kommt der entscheidende Satz: „Keiner hat Einwände erhoben oder Alternativvorschläge gemacht.“ Erst als die Wahl vollzogen war, erinnerten sich die selbsternannten Hüter der Demokratie an ihre Empörungspflicht.

Ein nachträglicher Versuch, das Referat zu splitten und Gruttauer lediglich den Bereich Brauchtum und Tradition zuzuteilen – Kultur also zu entziehen – scheiterte. Am 16. Juni soll der Vorgang nun erneut auf die Tagesordnung. Möglicherweise erhält Gruttauer ein anderes Referat, möglicherweise bleibt es bei der ursprünglichen Verteilung.

Worum es wirklich geht

Bemerkenswert ist die Empörung über frühere Äußerungen Gruttauers, in denen er etwa von Remigration gesprochen haben soll. Begriffe, die in einer offenen Debatte längst angekommen sein müssten – schließlich diskutiert halb Europa, von Italien über die Niederlande bis nach Skandinavien, mittlerweile offen über Migrationspolitik und Rückführungen. Nur in Deutschland gilt das Aussprechen solcher Themen weiterhin als gesellschaftliches Verbrechen, das die Karriere beenden soll.

Das Referat in Tittmoning ist im Übrigen kein hauptamtliches Amt. Gruttauer wird damit nicht Teil der Stadtverwaltung. Eine eigene Entscheidungsbefugnis über Kulturförderung oder städtische Veranstaltungen ergibt sich aus den öffentlich zugänglichen Angaben nicht. Es geht also um einen weitgehend repräsentativen Posten in einer bayerischen Kleinstadt – und doch wird daraus ein bundesweit beachteter Skandal konstruiert.

Wenn Demokratie nur dann zählt, wenn das Ergebnis passt

Der Vorgang fügt sich in ein Muster, das sich quer durch die Republik beobachten lässt: Wahlergebnisse werden akzeptiert, solange die „richtigen“ Parteien gewinnen. Sobald aber gewählte Vertreter unliebsamer politischer Richtungen die ihnen demokratisch zustehenden Ämter beanspruchen, beginnt das Lamento. Aus „Demokratie“ wird dann ganz schnell „wehrhafte Demokratie“, aus „Vielfalt“ wird Ausgrenzung, aus „Offenheit“ wird ein geschlossener Zirkel.

Die Bürger von Tittmoning haben gewählt. Sie haben einen Stadtrat ins Amt gebracht, der nun – wie jeder andere Stadtrat auch – Verantwortung übernehmen möchte. Wer das nicht akzeptiert, sollte ehrlich sein und gleich offen sagen, dass er Wahlergebnisse nur dann gelten lässt, wenn sie ihm gefallen. Das hätte zumindest den Charme der Aufrichtigkeit.

Fazit: Ein Spiegelbild des deutschen Zustands

Was sich in der kleinen oberbayerischen Stadt abspielt, ist im Grunde ein Mikrokosmos der größeren deutschen Verhältnisse. Ein Kulturbetrieb, der zu einem nicht unwesentlichen Teil von Steuergeldern lebt, beansprucht moralische Deutungshoheit und versucht, demokratisch gewählten Vertretern den Zugang zu Ämtern zu verwehren. Während die Bürger immer skeptischer werden gegenüber der politischen Klasse und ihren Helfern, klammert sich genau dieses Milieu umso fester an seine Pfründe.

Ob der Stadtrat von Tittmoning am 16. Juni dem Druck nachgibt oder Rückgrat zeigt, wird zur kleinen, aber bezeichnenden Wegmarke. In einer Zeit, in der echte Probleme – steigende Kriminalität, eine schwächelnde Wirtschaft, eine inflationsgetriebene Verarmung breiter Bevölkerungsschichten – die Republik plagen, leistet sich die selbsternannte Kulturelite Empörungsdebatten über Ehrenämter in 5.700-Einwohner-Städten. Wer noch wissen wollte, warum das Vertrauen in die etablierten Strukturen schwindet, findet hier eine Antwort.

Gerade in solchen Zeiten politischer und gesellschaftlicher Spaltung zeigt sich, wie wichtig es ist, sein Vermögen krisenfest aufzustellen. Physisches Gold und Silber bieten seit Jahrhunderten eine bewährte Möglichkeit, Werte unabhängig von politischen Launen und ideologischen Verwerfungen zu sichern. Eine sinnvolle Beimischung physischer Edelmetalle zu einem breit gestreuten Portfolio kann gerade in unsicheren Zeiten ein wichtiger Anker sein.

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