
Tennis statt Krisenmanagement: Wie ein Stromausfall die CDU-Spitze und das Kanzleramt in die Bredouille bringt
Es sind Geschichten wie diese, die das ohnehin angeschlagene Vertrauen in die politische Führung dieses Landes weiter erodieren lassen. Der längste Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte legte im Januar Zehntausende Haushalte lahm – und was tat der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU)? Er griff nicht zum Krisentelefon, sondern zum Tennisschläger. Doch damit nicht genug: Die Affäre, die zunächst nur den Berliner Rathauschef in Bedrängnis brachte, zieht nun immer weitere Kreise – und reicht mittlerweile bis in das Bundeskanzleramt von Friedrich Merz.
Vom Blackout zur GlaubwĂĽrdigkeitskrise
Rekapitulieren wir den Skandal in seiner ganzen Peinlichkeit. Während in weiten Teilen der Hauptstadt die Lichter ausgingen, behauptete Wegner öffentlich, er sei „den ganzen Tag am Telefon" gewesen. Eine Erzählung, die von tatkräftigem Krisenmanagement zeugen sollte. Nur: Sie war offenbar frei erfunden. Erst als der Tagesspiegel diese Auskunft vor Gericht erzwingen musste, kam ans Licht, dass am Morgen des Blackouts überhaupt keine dienstlichen Telefonate stattfanden. Der Mann, der eine Millionenstadt führen soll, war stattdessen auf dem Tennisplatz.
Bemerkenswert ist bereits an dieser Stelle, dass es eines gerichtlichen Verfahrens bedurfte, um einem gewählten Amtsträger die Wahrheit zu entlocken. Ist das noch die Transparenz, die wir von einer funktionierenden Demokratie erwarten dürfen? Wegner zog inzwischen seine Kandidatur für die Berliner Abgeordnetenhauswahl zurück – mit blinzelnden Augen, den Tränen nahe, wie berichtet wird. Eine unwürdige Hängepartie, die er selbst zu verantworten hat.
Und plötzlich steht auch der Kanzler im Feuer
Doch die eigentliche Brisanz entfaltet sich erst jetzt. Denn Wegner hatte im RBB erklärt, er habe „einmal mehr" mit Bundeskanzler Merz gesprochen. Auch die Berliner Senatskanzlei bestätigte wiederholt, es habe am 4. Januar ein Telefonat zwischen den beiden CDU-Männern gegeben. Das Kanzleramt selbst hatte diese Version anfangs mitgetragen.
Und dann die Kehrtwende: Im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens teilte das Kanzleramt mit, dass – man höre und staune –
„soweit feststellbar, der Bundeskanzler während der Dauer des fragegegenständlichen Stromausfalls in Berlin im Januar 2026 kein persönliches Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Wegner geführt hat, weder in Anwesenheit persönlich noch telefonisch".
Man kann es kaum fassen. Entweder existierte das Telefonat – dann hat das Kanzleramt monatelang eine Falschdarstellung aufrechterhalten. Oder es gab das Gespräch nie – dann bleibt die Frage, warum Merz die Lügengeschichte seines Parteifreundes so lange gedeckt hat. Ein „Missverständnis in der Kommunikation" soll es gewesen sein. Wie praktisch.
ErinnerungslĂĽcken zur richtigen Zeit
Die Berliner Senatskanzlei hält dagegen: Merz habe Wegner am 4. Januar um 19:57 Uhr zurückgerufen, das Gespräch habe vier Minuten gedauert. Das Kanzleramt jedoch verweist darauf, Telefonate würden „grundsätzlich nicht vollständig dokumentiert" und dem Bundeskanzler sei ein solches Gespräch „nicht erinnerlich". Erinnerungslücken – jenes bewährte Werkzeug politischer Krisenbewältigung, das schon so manchem Amtsträger aus der Schusslinie geholfen hat.
Ein Symptom fĂĽr den Zustand des Landes
Was hier zutage tritt, ist mehr als eine Berliner Provinzposse. Es ist symptomatisch für eine politische Klasse, die offenbar reflexartig zur Verschleierung greift, sobald es unangenehm wird. Erst der Druck der Justiz und der Presse zwang die Beteiligten zur Wahrheit. Man fragt sich unweigerlich: Wie viele solcher Fälle bleiben unentdeckt, weil niemand vor Gericht zieht?
Für die Berliner CDU ist der Schaden angerichtet. Finanzsenator Stefan Evers soll nun als Spitzenkandidat einspringen. Doch der Blick richtet sich zunehmend auf das Kanzleramt – und die Frage, welche Rolle Friedrich Merz in diesem Spiel aus Halbwahrheiten und selektiver Erinnerung tatsächlich gespielt hat. Ein Bundeskanzler, der angetreten war, Vertrauen und Verlässlichkeit zurückzubringen, muss sich diese Fragen gefallen lassen.
Am Ende bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Während der Bürger im Dunkeln saß, spielte sein Regierender Bürgermeister Tennis – und die politische Aufarbeitung geriet zur Übung im Vernebeln. Es ist genau diese Mentalität, die viele Menschen in diesem Land zu Recht auf die Palme bringt. Deutschland hätte eine Führung verdient, die im Ernstfall Verantwortung übernimmt, statt sich hinter „Missverständnissen" und Gedächtnislücken zu verschanzen.
Warum echte Werte in unsicheren Zeiten zählen
Wenn Bürger erleben müssen, wie selbst grundlegende Infrastruktur versagt und die Verantwortlichen anschließend die Wahrheit verbiegen, wächst das Bedürfnis nach Beständigem. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie unabhängig von politischen Verwerfungen und institutionellem Vertrauensverlust ihren Wert bewahren. Als krisenfeste Beimischung in einem breit gestreuten Vermögensportfolio bieten sie das, was in der Politik dieser Tage schmerzlich vermisst wird: Verlässlichkeit.
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