Kettner Edelmetalle
09.03.2026
22:49 Uhr

Stagflation: Wie der Iran-Krieg die Weltwirtschaft in den Abgrund reißt

Stagflation: Wie der Iran-Krieg die Weltwirtschaft in den Abgrund reißt

Was sich derzeit an den globalen FinanzmĂ€rkten abspielt, ist nichts weniger als ein Erdbeben. Sechs Billionen US-Dollar an Aktienmarktwert – pulverisiert. Der Ölpreis schießt auf 120 Dollar pro Barrel. Anleihen brechen ein. Und mittendrin steht ein Wort, das Ökonomen und Anlegern gleichermaßen den Schweiß auf die Stirn treibt: Stagflation.

Die toxische Mischung aus Inflation und Rezession

Stagflation – das ist jene verheerende Kombination aus steigenden Preisen und schrumpfender Wirtschaftsleistung, die bereits in den 1970er Jahren ganze Volkswirtschaften in die Knie zwang. Damals war es die Ölkrise, heute ist es der eskalierende Konflikt im Iran, der die EnergiemĂ€rkte in Aufruhr versetzt. Die Parallelen sind frappierend, und doch scheint die politische Klasse nichts aus der Geschichte gelernt zu haben.

Der Optimismus auf eine schnelle Lösung des Nahostkonflikts ist an den FinanzmĂ€rkten praktisch verdampft. Was vor wenigen Tagen noch vorsichtiges Abwarten war, habe sich zu regelrechter Panik gewandelt, berichten Marktteilnehmer. Investoren wĂŒrden nun einen tieferen und lĂ€nger anhaltenden Angebotsschock einpreisen – einen, der das Wachstum dĂ€mpfe und gleichzeitig die Inflation wieder anheize.

„Das Pendel schwingt in Richtung Panik", so ein Fondsmanager aus Asien. Es gebe eine Massenflucht aus sĂ€mtlichen Risikoanlagen. Und tatsĂ€chlich: Die Preisentwicklung an den MĂ€rkten trage eher die Merkmale einer Kapitulation als die einer bloßen Vorsicht.

Trump gießt Öl ins Feuer – im wahrsten Sinne des Wortes

Als wĂ€re die Lage nicht schon angespannt genug, sorgte US-PrĂ€sident Donald Trump mit einer bemerkenswerten Aussage fĂŒr zusĂ€tzliche NervositĂ€t. Die USA wĂŒrden einen Angriff auf Gebiete im Iran in Betracht ziehen, die zuvor nicht zu den Zielen gehört hĂ€tten, erklĂ€rte er. Und als ob das nicht reichte, setzte er noch einen drauf: 100 Dollar pro Barrel Rohöl seien „ein sehr geringer Preis" fĂŒr „Sicherheit und Frieden". Eine Aussage, die sĂ€mtliche Hoffnungen auf eine begrenzte Konfrontation zunichtemachte.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. WĂ€hrend europĂ€ische Volkswirtschaften – allen voran Deutschland – unter den explodierenden Energiekosten Ă€chzen, erklĂ€rt der mĂ€chtigste Mann der Welt 100 Dollar pro Barrel fĂŒr einen SchnĂ€ppchenpreis. FĂŒr die USA, die mittlerweile selbst zu den grĂ¶ĂŸten Ölproduzenten der Welt gehören, mag das verkraftbar sein. FĂŒr die energieabhĂ€ngige deutsche Industrie, die ohnehin schon unter den Folgen einer verfehlten Energiepolitik leidet, ist es ein weiterer Sargnagel.

Die Straße von Hormus als Achillesferse der Weltwirtschaft

Im Zentrum der Krise steht die Straße von Hormus – jene schmale Meerenge, durch die ein erheblicher Teil der weltweiten Rohöl- und FlĂŒssiggastransporte fließt. China, Indien, Indonesien, SĂŒdkorea und Taiwan sind als Großimporteure besonders verwundbar. Doch auch Europa, das ohnehin empfindlich auf steigende Energiepreise reagiert, steht im Epizentrum des Einbruchs.

Die kurzfristigen Renditen in Großbritannien seien seit Kriegsbeginn um fast 60 Basispunkte gestiegen, europĂ€ische Blue-Chip-Aktien hĂ€tten zeitweise ĂŒber drei Prozent verloren. In Japan seien unter der Flut von Kundenanfragen sogar die internen Kommunikationssysteme einiger HandelsrĂ€ume zusammengebrochen. In SĂŒdkorea habe der Einbruch kurzzeitig zu einer Handelsunterbrechung gefĂŒhrt.

AuslÀndische Investoren fliehen aus Asien

Die Zahlen sprechen eine unmissverstĂ€ndliche Sprache: AuslĂ€ndische Investoren hĂ€tten in der vergangenen Woche 14,2 Milliarden US-Dollar aus asiatischen AktienmĂ€rkten außerhalb Chinas abgezogen – der grĂ¶ĂŸte Abfluss seit mindestens 2009. Der Verkauf habe sich auf die halbleiterlastigen MĂ€rkte SĂŒdkoreas und Taiwans konzentriert, die zuvor als Lieblinge der globalen KI-Investoren gegolten hĂ€tten.

„Wenn MĂ€rkte mit einem schwarzen Schwan konfrontiert werden, kann alles gleichzeitig fallen", kommentierte eine Anlagestrategin die Situation. Genau das sei derzeit zu beobachten – VerkĂ€ufe in allen Bereichen, von Aktien ĂŒber Anleihen bis hin zu WĂ€hrungen. Mit Ausnahme von Öl und Dollar.

Zentralbanken in der ZwickmĂŒhle

Besonders brisant ist die Lage fĂŒr die Notenbanken. Statt der erhofften Zinssenkungen drohen nun sogar Zinserhöhungen. Im Euroraum setzten HĂ€ndler bereits auf zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr, wobei die erste möglicherweise schon im Juni erfolgen könnte. Die Erwartungen fĂŒr die nĂ€chste Zinssenkung der US-Notenbank Fed seien auf September zurĂŒckgeschraubt worden – einige OptionshĂ€ndler wetteten sogar darauf, dass die Fed 2026 ĂŒberhaupt keine Zinssenkungen vornehmen werde.

FĂŒr die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft wĂ€ren steigende Zinsen bei gleichzeitig explodierenden Energiekosten ein verheerender Doppelschlag. Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz hat mit dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen bereits massive Schulden aufgetĂŒrmt – Schulden, die nun unter möglicherweise deutlich höheren Zinsen bedient werden mĂŒssen. Die Zeche zahlt, wie immer, der deutsche Steuerzahler.

Gold als Fels in der Brandung?

In Zeiten wie diesen zeigt sich einmal mehr, warum physische Edelmetalle als KrisenwĂ€hrung seit Jahrtausenden ihren Wert bewiesen haben. WĂ€hrend Aktien, Anleihen und WĂ€hrungen gleichzeitig unter Druck geraten, wĂ€hrend digitale Vermögenswerte sich als ebenso fragil erweisen wie die Versprechen der Politik, bleibt Gold das, was es immer war: ein Anker der StabilitĂ€t in stĂŒrmischen Zeiten.

Die Energiesicherheit sei plötzlich wieder zum entscheidenden makroökonomischen Thema geworden, konstatieren Marktbeobachter. Die Stagflation verĂ€ndere das Investitionsumfeld dramatisch. Wer in solchen Zeiten nicht ĂŒber physische Edelmetalle als Bestandteil eines breit gestreuten Portfolios verfĂŒgt, der steht im Sturm ohne Regenschirm.

Die aktuelle Krise fĂŒhrt uns schmerzhaft vor Augen, wie verwundbar unsere auf billiger Energie aufgebaute Wirtschaftsordnung ist. Und sie zeigt, dass die jahrelange VernachlĂ€ssigung einer eigenstĂ€ndigen Energiepolitik in Deutschland – das ideologiegetriebene Abschalten der Kernkraftwerke, die einseitige AbhĂ€ngigkeit von Gasimporten – nun ihren bitteren Preis fordert. Deutschland braucht endlich eine Politik, die wirtschaftliche Vernunft ĂŒber ideologische TrĂ€umereien stellt. Doch ob die aktuelle Regierung dazu in der Lage ist, darf bezweifelt werden.

„Die Anleger stellen sich jetzt auf einen langen Winter ein. Die Risiken sind von hier aus eindeutig nach unten gerichtet, ohne dass ein klarer Zeitplan fĂŒr ein Ende in Sicht ist."

Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen und EinschĂ€tzungen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener sorgfĂ€ltiger Recherche und gegebenenfalls nach RĂŒcksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. FĂŒr etwaige Verluste, die aus der Nutzung der in diesem Artikel enthaltenen Informationen resultieren, ĂŒbernehmen wir keinerlei Haftung.

Wissenswertes zum Thema