Kettner Edelmetalle
01.06.2026
08:04 Uhr

Putins Wirtschaftsforum: Wenn deutsche Konzerne und AfD-Vertreter die Brücke nach Moskau wagen

Putins Wirtschaftsforum: Wenn deutsche Konzerne und AfD-Vertreter die Brücke nach Moskau wagen

Es ist ein Bild, das in Berlin für hochgezogene Augenbrauen sorgen dürfte: Nach Jahren der demonstrativen Abstinenz kehren deutsche Unternehmer wieder offiziell an die Newa zurück. Beim St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum, das Wladimir Putin mit der Inbrunst eines Showmasters als russisches Gegenstück zu Davos inszeniert, sind erstmals seit dem Überfall auf die Ukraine wieder Vertreter aus der deutschen Wirtschaft präsent. Und mit ihnen reisen auch Persönlichkeiten an, deren Teilnahme das politische Berlin in helle Aufregung versetzt.

Die wirtschaftliche Brücke, die niemand kappen wollte

Der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp, bringt die nüchterne Realität auf den Punkt. Man wolle, so wird er zitiert, die wirtschaftliche Brücke nach Russland erhalten – nicht zuletzt mit Blick auf den Moment nach einem möglichen Waffenstillstand. Immerhin gehe es um mehr als 100 Milliarden an deutschen Vermögenswerten, die in Russland schlummerten und geschützt werden müssten.

Schepps Argumentation hat durchaus eine bestechende Logik, die man in den ideologisch durchtränkten Debattierzirkeln der Hauptstadt nur ungern hört: Während Deutschland sich in moralischer Selbstgeißelung übte und seine Märkte räumte, marschierten andere ein. Allein die Chinesen hätten im ersten Quartal dieses Jahres 1400 neue Unternehmen in Russland gegründet. Der Westen, so warnt der Kammerchef sinngemäß, dürfe Russland samt seines gewaltigen Marktes und seiner Rohstoffe nicht dauerhaft Asien überlassen.

Sanktionen: Wer trägt eigentlich den Schaden?

Besonders aufschlussreich ist eine Umfrage der Kammer unter ihren 750 Mitgliedern. Demnach plant nahezu jedes Unternehmen seinen Verbleib in Russland. Drei Viertel der Befragten gaben an, mit der Entwicklung ihres Russlandgeschäfts zufrieden zu sein – und das trotz millionenschwerer Einbußen durch die westlichen Sanktionen.

Eine Minderheit von gut einem Drittel der Unternehmen meint, dass die westlichen Sanktionen Deutschland mehr schaden als Russland. Mehr als die Hälfte gab an, sie schadeten beiden Seiten gleichermaßen.

Man stelle sich das einmal vor: Eine deutliche Mehrheit der betroffenen Unternehmer ist überzeugt, dass die viel gepriesene Sanktionspolitik mindestens ebenso die heimische Wirtschaft trifft wie den vermeintlichen Gegner. Während Politiker in Berlin und Brüssel sich für ihre Standfestigkeit feiern lassen, blutet die deutsche Industrie. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern ist auf unter zehn Milliarden Euro abgestürzt – einst war Deutschland Russlands größter europäischer Handelspartner.

1600 deutsche Firmen halten still die Stellung

Trotz aller politischen Großtönerei sind nach Angaben der Kammer rund 1600 deutsche Unternehmen weiterhin in Russland aktiv. Ihr Umsatz lag im vergangenen Jahr bei etwa 20 Milliarden Euro. Mit dabei: der Milchproduzent Stefan Dürr mit seiner Gruppe EkoNiva sowie der langjährige Geschäftsführer der Globus Holding, Thomas Bruch. Amerikaner und Franzosen, so heißt es, seien ohnehin bereits seit dem Vorjahr mit eigenen Business-Dialogen vertreten. Wieder einmal zeigt sich: Während andere pragmatisch handeln, ergeht sich Deutschland in moralischer Symbolpolitik.

Kultur als Brückenbauer – und die AfD mittendrin

Neben den Wirtschaftsvertretern sorgt eine Veranstaltung mit dem Titel "Kultur als Brückenbauer in Krisenzeiten" für mediale Erregung. Mit von der Partie sind unter anderem der Dirigent Justus Frantz, der sächsische AfD-Chef Jörg Urban samt weiterer Parteivertreter, der Verleger der "Berliner Zeitung", Holger Friedrich, sowie der Filmemacher Hubert Seipel. Frantz und Seipel waren bereits 2024 zugegen.

Putin selbst wird die Bühne weidlich nutzen, um Russland als robuste Wirtschaftsmacht zu inszenieren – mit Pressekonferenz und großer Rede. Im vergangenen Jahr trat er dort mit unverhohlenen Maximalforderungen auf. Diese kriegerische Rhetorik darf und soll man scharf verurteilen, daran besteht kein Zweifel.

Was bleibt? Eine unbequeme Wahrheit

Die Rückkehr deutscher Unternehmen nach St. Petersburg ist mehr als eine Randnotiz. Sie ist ein Fingerzeig auf die schmerzhafte Diskrepanz zwischen politischer Symbolpolitik und wirtschaftlicher Wirklichkeit. Während die Bundesregierung gerne den moralischen Zeigefinger hebt, stimmen Unternehmer mit den Füßen ab – und retten, was zu retten ist. Wer die deutsche Wirtschaft ernsthaft schützen will, sollte sich fragen, ob die jahrelange Strategie der Selbstschädigung wirklich klug war.

In Zeiten geopolitischer Verwerfungen, schwankender Handelsbeziehungen und einer Politik, die ihre eigene Wirtschaft mit fragwürdigen Entscheidungen belastet, zeigt sich einmal mehr der Wert krisenfester Vermögenswerte. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber kennen keine Sanktionslisten, keine politischen Launen und keine ideologischen Grabenkämpfe. Als bewährte Beimischung eines breit gestreuten Portfolios bieten sie genau jene Stabilität, die in einer Welt voller Unwägbarkeiten Gold wert ist – im wahrsten Sinne des Wortes.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Investitionsentscheidungen selbst. Bei rechtlichen oder steuerlichen Fragen wenden Sie sich bitte an einen entsprechend qualifizierten Fachberater.

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