Kettner Edelmetalle
24.10.2025
05:55 Uhr

Merz' China-Politik: Wenn der Papiertiger auf den Drachen trifft

Die neue Große Koalition unter Friedrich Merz wollte außenpolitisch StĂ€rke demonstrieren. Doch beim EU-Gipfel in BrĂŒssel musste der Bundeskanzler eine bittere Lektion lernen: WĂ€hrend Europa mit erhobenem Zeigefinger droht, sitzt Peking lĂ€ngst am lĂ€ngeren Hebel. Die RealitĂ€t der globalen MachtverhĂ€ltnisse hat die deutsche Politik eingeholt – und sie sieht nicht gut aus fĂŒr den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Sanktionswahn trifft auf chinesische RealitÀt

Das 19. Sanktionspaket gegen Russland, das die EU-Staaten am Donnerstag beschlossen, offenbart die ganze Hilflosigkeit europĂ€ischer Politik. WĂ€hrend man sich in BrĂŒssel selbst auf die Schulter klopft und von "klaren Signalen" schwadroniert, analysiert Folker Hellmeyer, Chefökonom bei Netfonds, die bittere Wahrheit: Die EU verschĂ€rft durch ihr eigenes politisches Handeln das Preis- und Versorgungsproblem. Eine "Kampfansage gegen die deutschen und europĂ€ischen Unternehmen" nennt er das treffend.

Besonders pikant: Im Sanktionspaket finden sich nicht nur Maßnahmen gegen russische Unternehmen, sondern auch gegen chinesische Firmen. Die Reaktion aus Peking ließ nicht lange auf sich warten – und sie hatte es in sich. China, das weder den Ukraine-Krieg begonnen hat noch darin verwickelt ist, protestierte scharf und warf der EU vor, blind den USA zu folgen statt echte strategische Autonomie zu zeigen.

Die schmerzhafte AbhÀngigkeit vom Reich der Mitte

Zhao Junjie vom Institut fĂŒr Europastudien der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften brachte es auf den Punkt: Europa hĂ€ngt seit Jahrzehnten am Tropf der USA und NATO, wĂ€hrend es in der digitalen Wirtschaft und bei neuen Technologien weit hinter China zurĂŒckfĂ€llt. Die wiederholte Kooperation der EU mit den USA beim Druck auf China zeige, dass die europĂ€ische Politik von "kurzsichtigen und irrationalen Entscheidungen" geprĂ€gt sei.

"Eine Krise bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen ist kein fernes Risiko mehr. Sie ist vor unserer HaustĂŒr angekommen", musste selbst KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen eingestehen.

Die Eskalation begann mit der Übernahme des Chip-Herstellers Nexperia durch die niederlĂ€ndische Regierung. Pekings Antwort war ebenso simpel wie wirkungsvoll: verschĂ€rfte Exportkontrollen fĂŒr Seltene Erden. Die Folgen? Deutsche Autobauer befĂŒrchten Produktionsstopps, der Maschinenbau warnt vor EngpĂ€ssen. VW konnte gerade noch in letzter Sekunde einen Ersatz finden.

Wenn die RĂŒstungsindustrie stillsteht

Die Auswirkungen der chinesischen Gegenmaßnahmen sind dramatisch. Tobias Gehrke und Janka Oertel vom European Council on Foreign Relations warnen: "Die europĂ€ische Verteidigungsindustrie droht zum Stillstand zu kommen." BestandsengpĂ€sse könnten dazu fĂŒhren, dass nicht genĂŒgend Waffen fĂŒr den Ukraine-Krieg produziert werden können. Eine bittere Ironie der Geschichte: WĂ€hrend man China sanktioniert, ist man gleichzeitig von chinesischen Rohstoffen abhĂ€ngig, um die Ukraine zu unterstĂŒtzen.

Philip Andrews-Speed vom Oxford Institute for Energy Studies bringt die Hilflosigkeit Europas auf den Punkt: "Kurzfristig kann man nichts tun, außer zu versuchen, mit den Chinesen zu verhandeln." Die stolze EU als Bittsteller bei China – ein Armutszeugnis fĂŒr die europĂ€ische Politik.

Merz' leere Drohungen verhallen ungehört

Friedrich Merz versuchte am Rande des EU-Gipfels den starken Mann zu markieren: "Die chinesische StaatsfĂŒhrung muss wissen, dass wir das nicht akzeptieren, was da gerade passiert." Doch im gleichen Atemzug ruderte er zurĂŒck, sprach davon, man wolle "keine Eskalation des Konflikts" und sei bemĂŒht, "eine gemeinsame Lösung" zu finden. Diese Mischung aus DrohgebĂ€rden und RĂŒckzug wirkt wie das Bellen eines SchoßhĂŒndchens gegenĂŒber einem Drachen.

Um das Gesicht zu wahren, schickt Merz nun seinen Außenminister Johann Wadephul nach Peking. Der soll dort "gut Wetter machen" und China dazu bewegen, die ExportbeschrĂ€nkungen zu lockern. Man kann sich die höflichen LĂ€cheln der chinesischen Gastgeber bereits vorstellen, wĂ€hrend sie dem deutschen Bittsteller zuhören.

Die unbequeme Wahrheit der Handelszahlen

Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: China ist mittlerweile wichtigster Handelspartner Deutschlands – noch vor den USA. Die deutschen Exporte in die USA brachen von Januar bis August 2025 um 7,4 Prozent ein, die nach China sogar um 13,5 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Importe aus China um 8,3 Prozent. Deutschland ist wirtschaftlich abhĂ€ngiger von China als je zuvor.

Ökonom Hellmeyer kommentiert trocken: "Die mangelnde KonkurrenzfĂ€higkeit des Standorts fĂŒhrt zu Produktionsverlagerungen in LĂ€nder, in denen die Rahmendaten stimmen." BASF mit seinem "Ludwigshafen II" in China ist nur ein prominentes Beispiel fĂŒr diese Entwicklung.

Chinas elegante DemĂŒtigung

WĂ€hrend Merz poltert, antwortet China mit Fakten. Die staatliche China Daily prĂ€sentiert genĂŒsslich deutsche Erfolgsgeschichten in China: Siemens kĂŒndigt neue VertrĂ€ge im Bereich kĂŒnstlicher Intelligenz an, die Vollmer-Gruppe verzeichnet einen Exportanstieg von 150 Prozent. Die Botschaft ist klar: WĂ€hrend die deutsche Politik sanktioniert und droht, machen deutsche Unternehmen in China glĂ€nzende GeschĂ€fte.

Sun Xiaohong von der Chinesischen Handelskammer betont die "komplementÀren StÀrken" beider Seiten in Technologie, Kapital und Marktnachfrage. Der Handel zwischen China und der EU stieg in den ersten drei Quartalen 2025 um 5,2 Prozent auf umgerechnet 618 Milliarden US-Dollar. Die RealitÀt der wirtschaftlichen Verflechtung lÀsst sich nicht wegsanktionieren.

Das Fazit dieser Posse ist ernĂŒchternd: Die deutsche und europĂ€ische Politik hat sich in eine Sackgasse manövriert. Man folgt blind der US-Agenda, ohne die eigenen wirtschaftlichen Interessen zu berĂŒcksichtigen. Die Sanktionspolitik schadet primĂ€r der eigenen Wirtschaft, wĂ€hrend China gelassen seine Position ausbaut. In Zeiten wie diesen zeigt sich der wahre Wert von Sachwerten wie Gold und Silber als krisensichere Anlage – sie sind unabhĂ€ngig von geopolitischen Machtspielen und bewahren ihren Wert, wenn Politiker versagen.

Die neue Große Koalition unter Merz hatte versprochen, Deutschland wieder stark zu machen. Stattdessen offenbart sich eine Politik der SchwĂ€che, die zwischen den StĂŒhlen sitzt und weder den USA noch China gewachsen ist. Es wird Zeit, dass Deutschland wieder eine eigenstĂ€ndige, an den nationalen Interessen orientierte Außenpolitik betreibt – bevor es wirtschaftlich vollends den Anschluss verliert.

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