Kettner Edelmetalle
19.10.2026
14:48 Uhr
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Investitions-Stopp bei Roche: Pharmariese zieht die Notbremse!

Investitions-Stopp bei Roche: Pharmariese zieht die Notbremse!
Symbolbild: KI-generiert

Der Schweizer Pharmakonzern Roche friert alle neuen Investitionsentscheidungen in Deutschland ein. Das hat Daniel Steiners, Vorstand der Roche Pharma AG, in einem Zeitungsinterview angekündigt. Als Grund nennt er die Gesundheitspolitik der Bundesregierung, die aus seiner Sicht das Vertrauen der Branche verspielt habe.

Das ist eine schwere Ohrfeige für die Koalition von Kanzler Friedrich Merz. Sie hatte versprochen, den Standort Deutschland wieder nach vorn zu bringen.

„Auf Hold gesetzt“: Die Ansage aus Basel

Steiners formulierte es deutlich. Man habe „sämtliche künftigen Investitionsentscheidungen in Deutschland erst einmal auf Hold gesetzt“, sagte der Manager. Seine Begründung:

„Für den Pharmabereich kann ich sagen, dass die Politik zuletzt sehr viel Vertrauen zerstört hat.“

Seine Kritik richtet sich gegen das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Der Bundestag hat es am 10. Juli 2026 verabschiedet. Es soll die Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen stabilisieren. Wie dringend das ist, zeigen die Zahlen: Laut Bundestag rechnet die Regierung für 2027 mit einer Finanzlücke von 15,3 Milliarden Euro. Bis 2030 könnte sie auf rund 40 Milliarden Euro wachsen.

Der Staat holt sich das Geld bei der Industrie

Am meisten trifft die Branche der Herstellerabschlag. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Pharmafirmen den Kassen auf patentgeschützte Medikamente einen Abschlag von 15,5 statt bisher 7 Prozent gewähren. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) hat nachgerechnet. Er kommt bis 2030 auf rund 4,5 Milliarden Euro zusätzliche Belastung. Nach Darstellung des Verbands wurden andere Akteure im Gesetzgebungsverfahren entlastet, die Pharmabranche dagegen an mehreren Stellen stärker belastet.

Steiners hält das für den falschen Weg. Die Politik setze auf kurzfristige Einsparungen und belaste die Industrie zusätzlich, statt die strukturellen Probleme der Kassen anzugehen. Sparen „ohne echte Strukturreformen“ bringe nichts. Es führe nur dazu, dass „Investitionen und Arbeitsplätze ins Ausland abwandern“.

Die geplante Standortklausel soll Firmen entlasten, die in Deutschland forschen und produzieren. Auch sie überzeugt den Manager nicht. Sie könne höchstens „einen kleinen Teil des Schadens reparieren“, sagte er. Steiners fordert stattdessen eine umfassende Strategie für Pharma und Medizintechnik.

Trump rollt den roten Teppich aus

Auch der Blick über den Atlantik schmerzt. Roche hat mit US-Präsident Donald Trump eine Vereinbarung getroffen, die den Konzern von Zöllen befreit. Die USA hätten erkannt, wie wichtig die Branche sei, sagte Steiners. Sie täten alles, um Investitionen für Unternehmen so einfach und attraktiv wie möglich zu machen.

Europa müsse lernen, „sich wieder anzustrengen“, so Steiners. Vor allem Deutschland ruhe sich auf früheren Erfolgen aus. Der Standort müsse sich aber weiterentwickeln, denn Investitionen kämen nicht von allein. Das Land müsse „auch attraktiv dafür sein“.

Was jetzt auf dem Spiel steht

Für Deutschland geht es um viel. Roche ist seit 1897 im Land und gehört zu den wichtigsten Arbeitgebern der Gesundheitsbranche. Die Eckdaten:

  • mehr als 18.000 Beschäftigte, unter anderem in Mannheim, Penzberg und Grenzach-Wyhlen
  • rund 8,9 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland im vergangenen Jahr
  • rund 719 Millionen Euro Investitionen im Jahr 2025, seit 2020 fast 3,8 Milliarden Euro

Bereits beschlossene Projekte will Roche nach früheren Angaben fortführen. Dazu gehört das neue Diagnostik-Produktionszentrum in Penzberg mit mehr als 600 Millionen Euro. Es ist die größte Einzelinvestition des Konzerns in Deutschland. Offen ist, ob nach diesem Projekt noch weitere folgen.

Das Muster kennt man inzwischen. Ob Autoindustrie, Chemie oder Maschinenbau: Unternehmen beklagen seit Jahren hohe Kosten, viel Bürokratie und eine Politik, die schwer berechenbar ist. Einer aktuellen Studie zufolge hat die deutsche Industrie seit 2019 fast eine halbe Million Stellen abgebaut. Wenn Berlin die Löcher in den Kassen vor allem bei den Firmen stopft, kann das am Ende teurer werden als jede Reform. Im schlimmsten Fall gehen Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Spitzenforschung ins Ausland.

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