
Fracking in Deutschland: Wenn die RealitÀt die Ideologie einholt

Es ist eine jener Ironien der Geschichte, die man sich kaum besser ausdenken könnte: Deutschland, das Land, das sich jahrelang als moralischer Weltmeister in Sachen Energiewende inszenierte, steht erneut vor den TrĂŒmmern seiner eigenen Energiepolitik. Der Iran-Krieg hat die globalen EnergiemĂ€rkte in Aufruhr versetzt, die Preise fĂŒr Gas und Ăl schieĂen in die Höhe â und plötzlich fĂ€llt selbst den wissenschaftlichen Beratern der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nichts Besseres ein, als das lange verpönte Fracking aus der Schublade zu holen.
Berater warnen vor Subventionen â und fordern Marktrealismus
Das Kurzgutachten, das die vier Ăkonomen in Berlin vorgelegt haben, liest sich wie eine schallende Ohrfeige fĂŒr all jene Politiker, die bei jeder Krise reflexartig nach Preisbremsen, Tankrabatten und Subventionsorgien rufen. Die Berater formulieren es unmissverstĂ€ndlich: In Zeiten der Knappheit seien Preissignale âimmanent wichtig", um den Konsum zu drosseln und das Verhalten der Nachfrager zu beeinflussen. Kurzfristiger Aktionismus wird ausdrĂŒcklich abgelehnt.
Man reibt sich die Augen. Ist das dieselbe Republik, die wĂ€hrend der letzten Energiekrise Milliarden an Steuergeldern in Gaspreisbremsen und Entlastungspakete pumpte? Dieselbe Republik, deren damalige Ampelregierung mit dem GieĂkannenprinzip operierte, als gĂ€be es kein Morgen? Offenbar haben zumindest einige Wirtschaftswissenschaftler aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt â ob die Politik folgt, steht freilich auf einem anderen Blatt.
Der deutsche Fracking-Widerspruch
Besonders brisant ist die Empfehlung, die heimische Gasförderung auszuweiten und Fracking ernsthaft zu prĂŒfen. Die Beraterin Veronika Grimm und ihre Kollegen legen den Finger in eine Wunde, die seit Jahren eitert: Deutschland lehnt Fracking auf eigenem Boden kategorisch ab, hat aber keinerlei Skrupel, Gas aus LĂ€ndern zu importieren, die genau diese Technik in groĂem Stil einsetzen. Die USA, Kanada, Argentinien â sie alle fördern per Fracking und liefern ihr LNG bereitwillig nach Europa.
Die Berater bringen es auf den Punkt, wenn sie schreiben, dass ein vollstĂ€ndiger Verzicht auf inlĂ€ndische Förderung bei gleichzeitigem Import âaus ethischer Perspektive Fragen der globalen Verteilung von ökonomischen Vorteilen und ökologischen Risiken" aufwerfe. Ăbersetzt aus dem Akademikerdeutsch heiĂt das: Wir exportieren unsere Umweltrisiken und importieren das Ergebnis. Scheinheiliger geht es kaum.
Jahrzehnte ideologischer Blockade
Dass Deutschland ĂŒber erhebliche Schiefergasvorkommen verfĂŒgt, ist seit langem bekannt. Geologen schĂ€tzen die technisch förderbaren Reserven auf mehrere hundert Milliarden Kubikmeter â genug, um die AbhĂ€ngigkeit von auslĂ€ndischen Lieferanten spĂŒrbar zu reduzieren. Doch eine Allianz aus grĂŒner Ideologie, UmweltverbĂ€nden und politischer Feigheit hat dafĂŒr gesorgt, dass diese Ressourcen unangetastet im Boden schlummern. Man denke nur an die Blockade vor Borkum, wo Umweltaktivisten die Gasförderung in der Nordsee systematisch torpedierten.
Wirtschaftsministerin Reiche selbst reagierte auf den VorstoĂ ihrer Berater betont zurĂŒckhaltend. Sie sei fĂŒr die Beratung dankbar, ĂŒbernehme die Positionen des Gremiums jedoch nicht in jedem Punkt. Eine Formulierung, die in der politischen Sprache so viel bedeutet wie: âWir werden das Thema gerĂ€uschlos in der Schublade verschwinden lassen." Ob sich die GroĂe Koalition aus CDU/CSU und SPD tatsĂ€chlich traut, das Fracking-Tabu zu brechen, darf bezweifelt werden â zu groĂ ist die Angst vor dem medialen Sturm, zu tief sitzt die grĂŒne PrĂ€gung der vergangenen Legislaturperioden.
Gasspeicher als tickende Zeitbombe
Derweil verschĂ€rft sich die Lage an der Versorgungsfront. Torsten Schmidt vom RWI-Leibniz-Institut warnt eindringlich davor, dass die derzeit niedrigen SpeicherstĂ€nde im kommenden Winter zum ernsthaften Problem werden könnten. Seine BefĂŒrchtung: Sollte der Iran-Krieg lĂ€nger dauern als erwartet, werde es kaum gelingen, die Gasspeicher rechtzeitig zu fĂŒllen. Hohe Einkaufspreise schreckten HĂ€ndler ab, weil sich das Einspeichern unter diesen Bedingungen schlicht nicht rechne.
Die Berater fordern deshalb eine ĂberprĂŒfung der bisherigen Speicherstrategie und bringen sogar eine nationale Gasreserve nach dem Vorbild der strategischen Ălreserve ins Spiel. Doch auch hier lauert ein Zielkonflikt, den die Ăkonomen selbst einrĂ€umen: Mehr Sicherheit bedeutet unweigerlich mehr Kosten. Und diese Kosten werden am Ende â wie immer â beim deutschen BĂŒrger und bei der ohnehin strauchelnden Wirtschaft landen.
Inflation, Zinsen und ein KonjunkturdÀmpfer
Die gesamtwirtschaftlichen Folgen der neuen Energiekrise sind bereits spĂŒrbar. Je lĂ€nger der Konflikt im Nahen Osten andauert, desto stĂ€rker dĂŒrften Inflation und WachstumsschwĂ€che Deutschland zusetzen. An den FinanzmĂ€rkten wird bereits mit zwei Zinsschritten der EuropĂ€ischen Zentralbank von zusammen 0,5 Prozentpunkten in diesem Jahr gerechnet â eine Entwicklung, die Unternehmen und Verbraucher gleichermaĂen belasten wĂŒrde.
Clemens Fuest vom Ifo-Institut gibt sich zwar verhalten optimistisch und erwartet keinen schweren Einbruch, spricht aber von einem âklaren DĂ€mpfer". Angesichts einer deutschen Wirtschaft, die bereits unter den Folgen der verfehlten Energiepolitik der vergangenen Jahre, explodierender BĂŒrokratie und eines 500-Milliarden-Euro-Sondervermögens Ă€chzt, das die Inflation weiter anheizen wird, klingt selbst ein âDĂ€mpfer" wie eine Drohung.
Die bittere Lektion
Was bleibt, ist eine ernĂŒchternde Erkenntnis: Deutschland hat sich durch ideologisch motivierte Energiepolitik in eine Sackgasse manövriert, aus der es keinen schmerzfreien Ausweg gibt. Der gleichzeitige Ausstieg aus Kernkraft und Kohle, das Fracking-Verbot, die gescheiterte AbhĂ€ngigkeit von russischem Gas â all das rĂ€cht sich nun mit brutaler Konsequenz. Dass ausgerechnet die wissenschaftlichen Berater der Wirtschaftsministerin nun Fracking empfehlen, zeigt, wie weit die Kluft zwischen ideologischem Wunschdenken und energiepolitischer RealitĂ€t gewachsen ist.
In Zeiten wie diesen erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als verlĂ€sslicher Anker im Portfolio. WĂ€hrend Energiepreise schwanken, Inflation droht und die Zinspolitik der EZB fĂŒr Unsicherheit sorgt, bieten Gold und Silber jenen Schutz vor Kaufkraftverlust, den weder Subventionen noch politische Versprechen garantieren können. Wer sein Vermögen langfristig sichern möchte, sollte eine Beimischung physischer Edelmetalle als festen Bestandteil einer breit gestreuten Anlagestrategie in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls nach RĂŒcksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. FĂŒr Verluste, die aus der Umsetzung der in diesem Artikel genannten Informationen entstehen, ĂŒbernehmen wir keine Haftung.










