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10.03.2026
06:49 Uhr

Diplomatisches Desaster: Spaniens Vizepremierministerin rechnet mit Kanzler Merz ab

Diplomatisches Desaster: Spaniens Vizepremierministerin rechnet mit Kanzler Merz ab

Eine Woche nach dem viel diskutierten Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz im Weißen Haus reißen die diplomatischen Verwerfungen nicht ab. Im Gegenteil: Sie verschĂ€rfen sich. Spaniens Vizepremierministerin Yolanda DĂ­az hat den deutschen Regierungschef in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Politico frontal attackiert und ihm vorgeworfen, er sei „dem historischen Moment nicht gewachsen". Ein vernichtendes Urteil – und eines, das man nicht so einfach vom Tisch wischen kann.

Merz schwieg, als Trump Spanien bedrohte

Was war geschehen? Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-PrĂ€sident Donald Trump am 3. MĂ€rz im Oval Office hatte Merz geschwiegen, als Trump Spanien offen mit einem Handelsembargo drohte. Der US-PrĂ€sident hatte Madrid scharf attackiert, weil das Land amerikanischen MilitĂ€rflugzeugen die Nutzung spanischer LuftwaffenstĂŒtzpunkte fĂŒr Angriffe auf den Iran verweigert und sich zudem gegen das ambitionierte Ziel gesperrt hatte, fĂŒnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts fĂŒr Verteidigung auszugeben.

Merz stand daneben. Und sagte – nichts. Kein Wort der SolidaritĂ€t mit einem EU-Partner. Kein Einspruch gegen die DrohgebĂ€rden des mĂ€chtigsten Mannes der Welt gegenĂŒber einem europĂ€ischen VerbĂŒndeten. Stille. OhrenbetĂ€ubendes Schweigen.

„Europa braucht FĂŒhrung, keine Vasallen"

DĂ­az, die der linken Partei Sumar vorsteht und als Juniorpartnerin in der Koalitionsregierung von MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez fungiert, fand dafĂŒr deutliche Worte: „Was Europa heute braucht, ist FĂŒhrung, keine Vasallen, die Trump huldigen." Sie fĂŒhrte Merz' devotes Verhalten auf Deutschlands „extreme wirtschaftliche SchwĂ€che" zurĂŒck – eine Diagnose, die man als schmerzhaft, aber nicht gĂ€nzlich unberechtigt bezeichnen muss.

Und genau hier liegt der wunde Punkt. Deutschland, einst wirtschaftliches Kraftzentrum Europas, hat sich durch jahrelange ideologiegetriebene Energiepolitik, ausufernde BĂŒrokratie und eine geradezu selbstzerstörerische Deindustrialisierung in eine Position manövriert, in der es gegenĂŒber Washington kaum noch Verhandlungsmasse besitzt. Wer wirtschaftlich schwach ist, kann diplomatisch nicht stark auftreten. Das ist die bittere Wahrheit, die DĂ­az' Kritik so unangenehm treffsicher macht.

Merz verteidigt sein Schweigen

Der Kanzler selbst versuchte, sein Verhalten beim Wahlkampfabschluss der CDU in Stockach fĂŒr die Landtagswahl in Baden-WĂŒrttemberg zu rechtfertigen. Er habe Trump hinter verschlossenen TĂŒren darauf hingewiesen, dass Wirtschaftssanktionen nicht gegen ein einzelnes EU-Land verhĂ€ngt werden könnten. Vor laufenden Kameras wolle er nicht mit dem amerikanischen PrĂ€sidenten streiten, so Merz. Zudem betonte er, bei der Verteidigung des europĂ€ischen Kontinents „sind und bleiben wir auf Zeit auf die Amerikaner angewiesen".

Man mag diese Argumentation als pragmatisch bezeichnen. Man kann sie aber auch als das lesen, was sie ist: ein EingestĂ€ndnis der eigenen SchwĂ€che. Denn wer sich nicht traut, vor Kameras fĂŒr einen europĂ€ischen Partner einzustehen, der sendet ein verheerendes Signal – nicht nur nach Madrid, sondern nach ganz Europa und in die Welt.

Spanien reagiert mit kalter Schulter

Die spanische Seite zeigte sich von Merz' ErklĂ€rungsversuchen alles andere als besĂ€nftigt. Außenminister JosĂ© Luis Albares kritisierte den Kanzler scharf und sagte, er könne sich nicht vorstellen, dass frĂŒhere Kanzler wie Angela Merkel oder Olaf Scholz in einer vergleichbaren Situation geschwiegen hĂ€tten. Spanische Medien bezeichneten Merz unverblĂŒmt als „feige". Leitartikel warfen ihm vor, die europĂ€ische SolidaritĂ€t verraten zu haben.

Besonders pikant: Merz und SĂĄnchez haben seit dem Vorfall offenbar noch nicht einmal miteinander telefoniert. Regierungssprecher Stefan Kornelius rĂ€umte ein, dass der Kanzler zweimal versucht habe, den spanischen MinisterprĂ€sidenten anzurufen – ihn aber nicht erreicht habe. Aus dem BĂŒro von SĂĄnchez hieß es lakonisch, Merz habe eine nicht mehr aktive Telefonnummer gewĂ€hlt, da der MinisterprĂ€sident seine Nummer regelmĂ€ĂŸig aus SicherheitsgrĂŒnden wechsle. Ob man diese ErklĂ€rung fĂŒr bare MĂŒnze nehmen möchte, sei jedem selbst ĂŒberlassen. Die diplomatische Botschaft jedenfalls ist unmissverstĂ€ndlich: Madrid lĂ€sst Berlin auflaufen.

Der tiefere Riss: Iran-Krieg spaltet Europa

Hinter dem bilateralen ZerwĂŒrfnis verbirgt sich ein weit tieferer Dissens, der Europa in seinen Grundfesten erschĂŒttern könnte. Spanien und Frankreich bewerten die Angriffe der USA und Israels auf den Iran als völkerrechtswidrig. DĂ­az verwies auf Artikel 1 der UN-Charta und forderte, jeder EU-Spitzenpolitiker mĂŒsse das Völkerrecht unmissverstĂ€ndlich verteidigen.

Merz hingegen bekrĂ€ftigte seine UnterstĂŒtzung fĂŒr die US-israelische Offensive und bezeichnete den Iran als „Zentrum des internationalen Terrorismus", das ausgeschaltet werden mĂŒsse. Bundesaußenminister Johann Wadephul betonte zwar, die EU sei sich in der EinschĂ€tzung der iranischen Bedrohung einig, doch diese Beschwichtigungsformel kann kaum darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass sich innerhalb Europas fundamentale Bruchlinien auftun.

Ein Kanzler zwischen allen StĂŒhlen

Friedrich Merz hatte im Wahlkampf versprochen, Deutschland wieder zu alter StĂ€rke zu fĂŒhren. Er wollte der Kanzler sein, der aufrĂ€umt, der Klartext redet, der Deutschland international wieder Gewicht verleiht. Doch was die Welt in Washington zu sehen bekam, war das genaue Gegenteil: Ein Regierungschef, der neben einem polternden US-PrĂ€sidenten verstummte, wĂ€hrend ein europĂ€ischer Partner öffentlich gedemĂŒtigt wurde.

Die Frage, die sich stellt, ist keine geringere als diese: Kann ein wirtschaftlich geschwĂ€chtes Deutschland ĂŒberhaupt noch als FĂŒhrungsmacht in Europa auftreten? Oder hat die jahrelange Misswirtschaft – von der desaströsen Energiewende ĂŒber die unkontrollierte Migration bis hin zum 500-Milliarden-Euro-Schuldenberg, der kommende Generationen belasten wird – das Land so weit geschwĂ€cht, dass es zum stillen Zuschauer degradiert wurde, wenn in Washington die Weichen gestellt werden?

DĂ­az' Forderung nach europĂ€ischer strategischer Autonomie und eigenen Industrien mag aus dem linken politischen Spektrum kommen – in der Sache aber trifft sie einen Nerv. Denn solange Europa und insbesondere Deutschland in technologischer, finanzieller und energetischer AbhĂ€ngigkeit von den USA und China verharren, wird kein Kanzler dieser Welt auf Augenhöhe mit einem amerikanischen PrĂ€sidenten verhandeln können. Das Schweigen von Washington war nicht nur ein diplomatischer Fauxpas. Es war ein Symptom einer viel tieferen Krise – der Krise eines Landes, das seine eigene StĂ€rke verspielt hat.

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