Kettner Edelmetalle
18.06.2024
09:51 Uhr

Deutschland im internationalen Standortranking nur noch auf Platz 24

Christian Lindner muss sich eine neue Zahl merken. Der Bundesfinanzminister erwĂ€hnt in Reden und Interviews hĂ€ufig, dass Deutschland seit Jahren an WettbewerbsfĂ€higkeit verliere und im internationalen Standortranking auf Platz 22 zurĂŒckgefallen sei. Die aktuelle Rangliste der wettbewerbsfĂ€higsten Volkswirtschaften der Welt, die das IMD World Competitiveness Center (WCC) seit 36 Jahren veröffentlicht, verrĂ€t nun, dass Deutschland zwei weitere PlĂ€tze nach hinten gerutscht ist.

Das WCC gehört zur privaten Wirtschaftshochschule IMD im schweizerischen Lausanne. Nach den vom WCC in diesem FrĂŒhjahr zusammengetragenen und hernach analysierten Daten und EinschĂ€tzungen rangiert Deutschland unter den 67 verglichenen LĂ€ndern nur noch auf Platz 24 und somit hinter China (Platz 14), Saudi-Arabien (16) und Island (17), aber vor Österreich (26), Großbritannien (28) und Frankreich (31). 2022 lag die Bundesrepublik noch auf Platz 15, 2014 auf Platz 6. Singapur, die Schweiz, DĂ€nemark und Irland schneiden in der aktuellen Bewertung am besten ab.

Die Methodik der Rangliste

Um die Rangliste zu erstellen, greifen die Forscher auf 164 statistische Indikatoren zurĂŒck, die sie in vier Hauptfelder untergliedern: Wirtschaftsleistung, Infrastruktur sowie die Effizienz der Regierung und der Unternehmen. Dazu nutzen die Wissenschaftler Daten von Organisationen wie der Weltbank, des Internationalen WĂ€hrungsfonds und des Euromonitor. ZusĂ€tzlich flossen die Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 6600 FĂŒhrungskrĂ€ften aus aller Welt ein.

Ukraine-Krieg ist nicht der einzige Grund

Wie schon im Vorjahr hat Deutschland auf allen vier Hauptfeldern Boden verloren. Arturo Bris, Finanzprofessor am IMD und Leiter des World Competitiveness Centers, erklĂ€rt dies zunĂ€chst allgemein mit den Folgen des Ukraine-Kriegs, der die Wirtschaftsleistung gebremst, die Inflation befördert und einen politischen und sozialen Kollateralschaden verursacht habe. Im GesprĂ€ch mit der F.A.Z. verweist Bris aber auch auf hausgemachte Probleme: „Deutschland ist schwach darin, auf VerĂ€nderungen zu reagieren und sich flexibel anzupassen. In diesem Punkt rangiert das Land auf Platz 64 und somit auf einem Ă€hnlich schlechten Niveau wie Venezuela.“

Vor allem kleine und mittelstĂ€ndische deutsche Unternehmen agierten oft zu langsam und tĂ€ten sich schwer damit, neue produktivitĂ€tsfördernde digitale Technologien in ihre GeschĂ€fte zu integrieren. „Die Firmen mĂŒssen viel schneller werden“, mahnt Bris. Er ist der Ansicht, dass die Bundesregierung hier unter anderem mit fiskalischen Anreizen nachhelfen sollte. Dabei bezieht sich der Wissenschaftler auch auf die Ergebnisse seiner FĂŒhrungskrĂ€fteumfrage. Diese ergab, dass die hohen Steuern in Deutschland als besonders große Last und damit als gravierender Wettbewerbsnachteil wahrgenommen werden. Überhaupt sei die Stimmung unter den Managern deutlich schlechter geworden: „Der typische deutsche GeschĂ€ftsfĂŒhrer ist heute viel pessimistischer als noch vor drei Jahren.“

Schlechte Noten fĂŒr die deutsche Regierung

Das hat offenbar auch mit der Leistung der Ampel-Regierung in Berlin zu tun. Die Forscher haben die FĂŒhrungskrĂ€fte anhand einer Reihe von Kriterien gefragt, fĂŒr wie attraktiv sie ihren Wirtschaftsstandort halten. Das Ergebnis: mehrheitlich Lob fĂŒr das hohe Bildungsniveau, die qualifizierten ArbeitskrĂ€fte und die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Aber nur gut 5 Prozent der Manager sprachen der Bundesregierung zu, kompetent zu arbeiten. Lediglich 12 Prozent erkannten ein geschĂ€ftsfreundliches Umfeld.

In der Gesamtkategorie „Regierungseffizienz“ landete Deutschland in der IMD-Rangliste auf Platz 32 und verlor damit elf PlĂ€tze gegenĂŒber dem Jahr 2022. Dass andere große LĂ€nder wie die USA (Platz 34) und Frankreich (43) in dieser Kategorie noch schlechter abschnitten, kann fĂŒr die Ampel kein Trost sein.

Wenige kleine LÀnder am stÀrksten

Wenig ĂŒberraschend schneidet Deutschland auch auf dem Feld der Basisinfrastruktur schlecht ab und fiel um drei PlĂ€tze auf Rang 35 zurĂŒck. Die laufenden Investitionen in das Bahnnetz zeigen also noch keine erkennbare Wirkung. Gut positioniert ist die Bundesrepublik aber nach wie vor in der Wissenschaft, auch wenn es hier um zwei PlĂ€tze auf Rang 5 bergab ging.

Es fĂ€llt auf, dass vor allem kleine LĂ€nder wie Singapur, die Schweiz und DĂ€nemark im internationalen Vergleich am wettbewerbsfĂ€higsten sind. „In kleinen Volkswirtschaften ist es viel leichter, einen politischen Konsens herzustellen als in großen LĂ€ndern wie den Vereinigten Staaten oder Deutschland“, erlĂ€utert Bris. Zugleich profitierten diese LĂ€nder von ihrem guten Zugang zu den großen MĂ€rkten, in die sie viele GĂŒter exportierten. „Klein zu sein ist nicht per se eine Garantie fĂŒr Erfolg.“

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