Kettner Edelmetalle
15.07.2026
10:56 Uhr

Der große Gold-Bluff: Warum Notenbanken den Preis drücken – und Peking und Moskau lachend zugreifen

Es ist ein Schauspiel, das an klassisches Kriegstheater erinnert: Auf der einen Seite die westlichen Zentralbanken, die mit aller Kraft versuchen, den Goldpreis unter Kontrolle zu halten. Auf der anderen Seite Russland und China, die sich vor Freude die Hände reiben und ihre Tresore füllen, als stünde die Welt kurz vor dem Untergang. Der Ökonom und Publizist Dr. Markus Krall hat in einem bemerkenswerten Interview aufgezeigt, was sich hinter den jüngsten Kursstürzen des gelben Metalls wirklich verbirgt – und die Wahrheit dürfte manchem Papiergeld-Gläubigen den Schlaf rauben.

Keine harmlose Korrektur, sondern ein manipuliertes Spektakel

Nach dem fulminanten Rekordhoch zu Beginn des Jahres kam der Rücksetzer. Nichts Ungewöhnliches, könnte man meinen. Doch Krall widerspricht dieser bequemen Lesart entschieden. Zwar sei der Goldkurs Anfang des Jahres tatsächlich überhitzt gewesen und eine Korrektur überfällig – doch das Ausmaß des Preissturzes lasse sich nicht mit natürlichen Marktkräften erklären. Am Gold-, und noch stärker am Silbermarkt, sei nach seiner Einschätzung massiv eingegriffen worden.

Die Akteure dieses Manövers seien schnell benannt: Die US-Notenbank Federal Reserve und die Europäische Zentralbank. Beide hätten nicht das geringste Interesse an einem zu schnell steigenden Goldpreis. Warum? Weil ein galoppierendes Gold nichts anderes sei als ein Misstrauensvotum gegen das Papiergeld – gegen jenen Dollar und jenen Euro, deren Kaufkraft von den Notenbankern selbst Jahr für Jahr durch die Druckerpresse verwässert wird.

Ein zu schnell steigender Goldpreis stellt ein Misstrauensvotum gegen die Papierwährungen dar.

Das epochale Ringen um die Weltleitwährung

Was hier ausgetragen werde, so Krall, sei nichts Geringeres als ein historischer Machtkampf um die künftige Leitwährung des Planeten. Die USA klammerten sich mit aller Verzweiflung an die Vormachtstellung des Dollars und versuchten, das Gold in die Schranken zu weisen. Peking und Moskau hingegen arbeiteten mit strategischer Kaltblütigkeit daran, den Greenback zu entthronen und durch eine goldgedeckte Handelswährung zu ersetzen.

Und genau hier offenbart sich die geradezu tragikomische Ironie der westlichen Politik. Denn während die Fed den Goldpreis drücke, nutzten China und Russland exakt diese künstlich verbilligten Kurse, um einzukaufen – in Kralls Worten, „als gäbe es kein Morgen“. Ein taktischer Sieg des Westens, der dem Gegner einen strategischen Triumph ermögliche. Man muss sich diese Absurdität einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die westlichen Währungshüter subventionieren gewissermaßen den Goldrausch ihrer geopolitischen Rivalen.

China als kalkulierender Goldhamster

Nach Kralls Schätzungen soll das Reich der Mitte mittlerweile mindestens 20.000 Tonnen Goldreserven angehäuft haben – teils aus eigener Produktion, teils durch geschickten Zukauf. Eine, wie er betont, „sehr kluge, vernünftige Politik“. Peking dränge zudem den Handel mit sogenanntem Papiergold zurück, weil genau dieses Instrument den westlichen Zentral- und Geschäftsbanken als Manipulationswerkzeug diene. Der Goldpreis werde schließlich in London über Papiergold ermittelt – und sei damit denkbar anfällig für Spielereien.

Silber: Der schlafende Riese der Industrie

Auch beim Silber bleibe die fundamentale Lage glänzend. Die industrielle Nachfrage – getrieben durch Solarwirtschaft, Künstliche Intelligenz und die fortschreitende Digitalisierung – wachse derart rasant, dass die Produktion schlicht nicht mehr Schritt halten könne. Man greife bereits auf die Vorräte zurück. Auf Dauer, so Krall, lasse sich dieses Ungleichgewicht nur durch einen höheren Silberpreis beheben. Das Fundamentale werde sich durchsetzen, das Spekulative zurückgedrängt.

Die babylonische Weisheit für den modernen Anleger

Auf die Frage, wie viel ein durchschnittlicher Anleger in Gold investieren solle, verweist Krall auf ein Prinzip, das älter ist als jedes Finanzministerium: die babylonisch-talmudische Drittelregel. Seit rund 2.500 Jahren habe sie sich bewährt. Einst hieß es: je ein Drittel Vieh, Land und Gold. Heute übersetzt Krall dies in ein Drittel Aktien, ein Drittel Immobilien und ein Drittel Edelmetalle – wobei Gold und Silber in einem Verhältnis von etwa 80 zu 20 oder 70 zu 30 gemischt werden sollten.

Besonders brisant ist ein Detail seiner Empfehlung, das den Zustand unseres Landes schonungslos entlarvt: Ein größerer Teil des Goldes solle im Ausland gelagert werden – ausdrücklich, um es vor dem Zugriff deutscher Behörden zu schützen. Ein Satz, der Bände spricht über das Vertrauen, das der Bürger in den eigenen Staat noch setzen kann.

Gold als Versicherung, nicht als Wettschein

Kurzfristige Prognosen lehnt Krall konsequent ab – zu viele unberechenbare Kräfte zögen den Markt in alle Richtungen. Doch das sei auch gar nicht der Sinn der Sache. Gold habe man nicht im Depot, um in acht Wochen einen schnellen Euro zu machen, sondern als Rückversicherung gegen das Unbekannte: Krieg, Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen. In dieser Funktion, betont er, performe Gold seit 5.000 Jahren „ganz hervorragend“. Über die vergangenen 55 Jahre habe das Edelmetall im Schnitt jährlich um neun Prozent zugelegt – eine Rendite, die weder Aktie noch Immobilie weltweit vorweisen könne.

Wer hingegen mit Gold spekulieren wolle, müsse auf Papiergold setzen – wovon Krall dringend abrät. Denn Papiergold sei am Ende auch nicht besser als Papierwährung. Ein Satz, der sitzt.

Fazit: Wer den längeren Hebel hat

Am Ende bleibt die Frage, wer in diesem globalen Kräftemessen die stärkeren Bataillone ins Feld führt. Kralls Vermutung ist deutlich: Russland und China. Mit einem jährlichen Handelsbilanzüberschuss von rund einer Billion US-Dollar gegenüber dem Westen verfügten sie über die größere finanzielle Macht und mehr Bewegungsfreiheit. Der Westen, so sein nüchternes Urteil, werde „dazulernen müssen“.

Während also unsere Notenbanken den Goldpreis zu bändigen versuchen und die Bürger mit der Illusion stabiler Papierwährungen bei Laune gehalten werden sollen, füllen andere Mächte still und beharrlich ihre Schatzkammern. Wer aus dieser Gemengelage seine eigenen Schlüsse zieht, für den drängt sich eine altbewährte Erkenntnis auf: Physisches Gold und Silber – in der eigenen Hand, greifbar und unabhängig vom Vertrauen in fragile Papierversprechen – sind seit Jahrtausenden das Fundament echter Vermögenssicherung. Als solide Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio behalten sie ihren Wert dann, wenn die Druckerpressen längst heiß gelaufen sind.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die im Interview wiedergegebenen Einschätzungen dar und ist keine Anlageberatung. Wir betreiben weder Anlage- noch Steuer- oder Rechtsberatung. Die genannten Einschätzungen ersetzen keine individuelle Beratung. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig ausreichend zu recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.

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