Kettner Edelmetalle
22.09.2025
15:04 Uhr

Corona-Aufarbeitung ohne Praktiker: Ein Armutszeugnis fĂŒr die Politik

Die erste Anhörung der Corona-Enquetekommission im Bundestag offenbart bereits jetzt ein fundamentales Problem: Diejenigen, die wĂ€hrend der Pandemie an vorderster Front standen und tĂ€glich mit den Auswirkungen der politischen Entscheidungen konfrontiert waren, bleiben außen vor. Der Vorsitzende der KassenĂ€rztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, bringt es auf den Punkt: Kein einziger niedergelassener Arzt sitzt in diesem Gremium.

Theoretiker unter sich

Was soll man von einer Aufarbeitung erwarten, die ohne praktische Expertise stattfindet? Es ist, als wĂŒrde man eine Unfallanalyse ohne die Beteiligung der RettungskrĂ€fte durchfĂŒhren. Die 14 Abgeordneten und 14 externen SachverstĂ€ndigen mögen ihre Qualifikationen haben, doch fehlt ihnen die entscheidende Perspektive: die Erfahrung aus der tĂ€glichen Patientenversorgung wĂ€hrend der Krise.

Gassen mahnt zu Recht, dass eine umfassende Aufarbeitung "sowohl aus wissenschaftlicher, aber vor allem aus rechtlicher und politischer Sicht dringend erforderlich" sei. Doch wie soll diese gelingen, wenn ausgerechnet jene fehlen, die hautnah miterlebt haben, welche Maßnahmen in der Praxis funktionierten und welche sich als kontraproduktiv erwiesen?

Die nÀchste Pandemie kommt bestimmt

Der KBV-Chef warnt eindringlich: Es sei "möglicherweise nur eine Frage der Zeit" bis zur nĂ€chsten Pandemie. Diese Warnung sollte die Politik aufrĂŒtteln. Stattdessen inszeniert man eine Kommission, die mehr nach politischem Schauspiel als nach ernsthafter Aufarbeitung aussieht. Zwei Jahre soll das Gremium tagen, bis 2027 soll der Abschlussbericht vorliegen. Zwei Jahre, in denen möglicherweise die wichtigsten Stimmen ungehört bleiben.

"Falsch ist es jedoch, dass dieser Kommission niemand angehört, der praktisch in der Patientenversorgung arbeitet"

Diese Kritik Gassens trifft ins Schwarze. Es zeigt sich einmal mehr, wie abgehoben die politische Klasse agiert. Man berĂ€t ĂŒber die Köpfe derjenigen hinweg, die die Suppe auslöffeln mussten, die ihnen die Politik eingebrockt hatte.

Lehren ohne Lehrer

Die Forderung, es dĂŒrfe nicht um Schuldzuweisungen gehen, sondern um die Frage, was gut gelaufen sei und welche Maßnahmen sich als falsch erwiesen hĂ€tten, klingt vernĂŒnftig. Doch wie will man diese Fragen beantworten, wenn die praktischen ErfahrungstrĂ€ger fehlen? Wer kann besser beurteilen, ob Maskenpflichten, Lockdowns oder Impfstrategien sinnvoll waren, als die Ärzte, die tĂ€glich mit den Folgen konfrontiert waren?

Die Zusammensetzung der Kommission wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand unserer politischen Kultur. Man bevorzugt theoretische Expertise gegenĂŒber praktischer Erfahrung, akademische Titel gegenĂŒber Alltagswissen. Diese Arroganz der Politik hat sich bereits wĂ€hrend der Pandemie gezeigt, als Entscheidungen oft ohne RĂŒcksprache mit den Praktikern getroffen wurden.

Ein verpasste Chance

Die Corona-Enquetekommission hĂ€tte die Chance sein können, endlich eine ehrliche und umfassende Aufarbeitung zu beginnen. Stattdessen droht sie zu einer weiteren Farce zu werden, bei der sich Politiker und handverlesene Experten gegenseitig auf die Schulter klopfen, wĂ€hrend die wahren Helden der Pandemie – die niedergelassenen Ärzte, PflegekrĂ€fte und medizinischen Praktiker – weiterhin ignoriert werden.

Es bleibt zu hoffen, dass die Kommission noch zur Vernunft kommt und zumindest in den Anhörungen verstĂ€rkt auf die Stimmen aus der Praxis hört. Andernfalls wird ihr Abschlussbericht 2027 nicht mehr wert sein als das Papier, auf dem er gedruckt wird. Deutschland braucht keine weiteren theoretischen Abhandlungen, sondern praktische Lehren fĂŒr die Zukunft. Doch dafĂŒr mĂŒsste man erst einmal diejenigen fragen, die wissen, wovon sie sprechen.

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