
Bosch-Betriebsratschef zerlegt Deutschlands Autopolitik â und niemand kann ihm widersprechen

Was passiert, wenn ein Mann, der 80.000 BeschĂ€ftigte vertritt, die Geduld verliert? Er spricht Klartext. Und genau das hat Frank Sell getan â der Gesamtbetriebsratsvorsitzende fĂŒr den Bereich Mobility bei Bosch und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende des Konzerns. In einem voraufgezeichneten GruĂwort fĂŒr den Internationalen Motorenkongress in Baden-Baden hat er eine Generalabrechnung mit der deutschen und europĂ€ischen Auto- und Energiepolitik geliefert, die es in sich hat.
âTotaler Unsinn" â ein Gewerkschafter findet deutliche Worte
Sell bezeichnete das aktuelle politische Vorgehen als âtotalen Unsinn". Deutschland habe ĂŒber Jahrzehnte die TechnologiefĂŒhrerschaft im Automobilbau innegehabt â ein Pfund, mit dem man hĂ€tte wuchern können. Stattdessen werde diese FĂŒhrungsposition nun leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Die viel beschworene Transformation der Automobilindustrie sei âalles andere als sozial", wirtschaftlich nicht vertretbar und in ihrer jetzigen Form schlicht zum Scheitern verurteilt.
Besonders scharf ging der Betriebsratsvorsitzende mit der europĂ€ischen Klimapolitik ins Gericht. Wenn sich Europa ein Ziel setze, 21 LĂ€nder des Kontinents aber nichts dafĂŒr tĂ€ten, und man dennoch stur an Vorgaben festhalte, die technisch, technologisch und infrastrukturell nicht mehr zu schaffen seien â dann verstehe das âkein normaler Mensch da drauĂen". Eine EinschĂ€tzung, der man beim besten Willen kaum widersprechen kann.
TrĂ€nen in den Werkhallen â der menschliche Preis der Ideologie
Der massive Personalabbau in der Autoindustrie habe inzwischen âdisruptive AnsĂ€tze" erreicht, so Sell. Er habe ânoch nie so viele Menschen weinen sehen". Die BeschĂ€ftigten hĂ€tten âextreme Angst", ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Familien, die seit Generationen bei Bosch arbeiteten, stĂŒnden vor dem Nichts. Die Verhandlungen ĂŒber den Stellenabbau der vergangenen Monate seien aus Gewerkschaftssicht âalles andere als angenehm" gewesen.
Man muss sich diese Worte auf der Zunge zergehen lassen. Hier spricht kein politischer Kommentator, kein Oppositionspolitiker, kein Wirtschaftsprofessor. Hier spricht ein Mann aus dem Herzen der deutschen Industrie, der tĂ€glich mit den Konsequenzen einer verfehlten Politik konfrontiert wird. âExtreme EnttĂ€uschung", âwahnsinnige Wut" und âFrust" â das sind die Emotionen, die in den Werkhallen herrschen. Und wer wollte es den Menschen verdenken?
China entwickelt den besten Diesel â Europa verbietet ihn
Besonders entlarvend sind Sells AusfĂŒhrungen zur globalen Wettbewerbssituation. WĂ€hrend Europa mit ideologischer Verbissenheit am Verbrenner-Verbot festhalte, werde in China âder wirksamste Diesel entwickelt, den wir jemals hatten". Die Volksrepublik sei bei der ElektromobilitĂ€t mehrere Jahre voraus und forsche gleichzeitig an einer neuen Generation von Benzinmotoren. Laut Prognosen werde 2035 weltweit eine DrittelparitĂ€t zwischen E-Autos, Hybriden und Verbrennern herrschen.
Und was macht BrĂŒssel? Statt auf diese RealitĂ€t zu reagieren, werde dort âeher eine VerschĂ€rfung" des Verbrenner-Verbots diskutiert. Man verabschiede sich damit âvon zwei Dritteln der Wertschöpfung auf dem Weltmarkt". Das perfekte âSystemverstĂ€ndnis", das bislang die StĂ€rke der deutschen Automobilindustrie gegenĂŒber Chinesen und Amerikanern gewesen sei, werde leichtfertig aufgegeben. Eine Debatte, die Sell nach eigenen Worten ânicht mehr ertragen" könne.
Die Ironie der Klimapolitik
Sell entlarvte dabei auch die ökologische Scheinheiligkeit der aktuellen Politik. Chinesische Zulieferer böten deutsche Produkte fĂŒr 20 bis 30 Prozent weniger an. Wenn diese dann âmit dem Ăltanker" nach Europa verschifft wĂŒrden, sei âwieder viel fĂŒrs Klima" getan. Eine bittere Pointe, die den ganzen Wahnsinn der europĂ€ischen Regulierungswut auf den Punkt bringt. Die Strategie fĂŒhre nicht einmal zu den maximalen CO2-Einsparungen â sie vernichte lediglich ArbeitsplĂ€tze und Wohlstand.
Der Mittelstand vor dem Abgrund
Besonders alarmierend sind Sells Warnungen bezĂŒglich der kleinen und mittelstĂ€ndischen Unternehmen. Dort stehe man vor âwahnsinnig vielen Insolvenzen". Diese Betriebe seien jedoch âwichtige Player" in der deutschen Autoindustrie. Ganze Produktionsfirmen mĂŒssten komplett umgestellt werden. Die Idee âone size fits all" mit pauschalen Modellverboten ab dem 31. Dezember 2034 sei âpolitisch ein absoluter Irrsinn".
Man mĂŒsse âin allen AntriebsstrĂ€ngen mitspielen", weil es unterschiedliche AnwendungsfĂ€lle gebe. Eine Erkenntnis, die eigentlich so banal ist, dass man sich fragt, warum sie in den Parlamenten und Ministerien offenbar noch nicht angekommen ist. Oder vielleicht ist sie dort lĂ€ngst angekommen â und wird schlicht ignoriert, weil ideologische Ăberzeugungen schwerer wiegen als wirtschaftliche Vernunft.
Alle schĂŒtzen ihre Industrie â nur Europa nicht
Sell machte unmissverstĂ€ndlich klar, dass alle WirtschaftsrĂ€ume auĂer Europa bereits MaĂnahmen zur Protektion der heimischen Wirtschaft und zum Schutz der ArbeitsplĂ€tze âvor chinesischer Unterwanderung" ergriffen hĂ€tten. Die Entwicklungszeiten in China seien kĂŒrzer, weil Zulieferer und Autohersteller dort besser zusammenarbeiteten. WĂ€hrend also die Konkurrenz aufrĂŒstet, entwaffnet sich Europa selbst â mit bĂŒrokratischen Auflagen, ideologischen Verboten und einer Energiepolitik, die Industriestandorte systematisch verteuert.
Man erinnere sich: Es war die Politik der vergangenen Jahre â von der Energiewende ĂŒber den Atomausstieg bis hin zum Verbrenner-Verbot â, die Deutschland in diese Lage gebracht hat. Die Warnungen kamen frĂŒh und von vielen Seiten. Sie wurden ignoriert, belĂ€chelt oder als ârĂŒckwĂ€rtsgewandt" abgetan. Nun stehen wir vor den TrĂŒmmern einer einst stolzen Industrienation, und selbst die Gewerkschaften, die jahrelang brav mitgeklatscht haben, können die Augen nicht mehr verschlieĂen.
Ein Appell, der zu spÀt kommt?
Sell Ă€uĂerte angesichts der Entwicklungen âgroĂe Sorgen, auch was unsere Demokratie angeht und unser politisches Zusammenarbeiten". Er appellierte an die Autoindustrie: âLasst uns zusammenstehen fĂŒr dieses Europa, fĂŒr dieses Deutschland, fĂŒr unsere Industrie." So könne es gelingen, Produkte in der HĂ€lfte der Zeit mit höherer QualitĂ€t und Sicherheit zu entwickeln.
Schöne Worte. Doch die Frage drĂ€ngt sich auf: Wo war dieser Kampfgeist, als die Weichen gestellt wurden? Wo waren die Gewerkschaften, als der Atomausstieg beschlossen wurde? Wo war der Widerstand, als das Verbrenner-Verbot durch die Instanzen gepeitscht wurde? Die IG Metall hat jahrelang eine Politik mitgetragen, deren Konsequenzen nun Zehntausende ihrer Mitglieder den Arbeitsplatz kosten. Jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, die Stimme zu erheben, mag ehrenwert sein â aber es schmeckt bitter nach dem EingestĂ€ndnis eigenen Versagens.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar versprochen, die Wirtschaft wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Doch das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das die GroĂe Koalition aufgelegt hat, wird die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Schulden belasten. Ob die Politik den Mut aufbringt, die ideologischen Fesseln der Vergangenheit abzustreifen und der deutschen Industrie wieder Luft zum Atmen zu geben, bleibt abzuwarten. Die Worte von Frank Sell jedenfalls sollten als Weckruf verstanden werden â bevor es endgĂŒltig zu spĂ€t ist.
In Zeiten wie diesen, in denen die wirtschaftliche Unsicherheit wĂ€chst und ganze Industriezweige vor dem Umbruch stehen, suchen viele BĂŒrger nach Möglichkeiten, ihr Vermögen zu sichern. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrhunderte als verlĂ€sslicher Wertspeicher bewĂ€hrt â gerade in Phasen politischer Fehlentscheidungen und wirtschaftlicher Verwerfungen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio können sie einen wichtigen Beitrag zur Vermögenssicherung leisten.
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