Kettner Edelmetalle
19.05.2026
16:53 Uhr

Bessent lÀsst China zappeln: Washington spielt auf Zeit im Handelspoker

Bessent lÀsst China zappeln: Washington spielt auf Zeit im Handelspoker

Es ist ein bemerkenswerter Tonwechsel aus Washington, der in Paris zu hören war. US-Finanzminister Scott Bessent gab am Rande des G7-Finanzministertreffens zu Protokoll, dass die Trump-Administration keinerlei Eile habe, den im November auslaufenden Zoll- und Rohstoff-Waffenstillstand mit der Volksrepublik China zu verlĂ€ngern. WĂ€hrend Berlin und BrĂŒssel sich noch immer in selbstverschuldeten energie- und industriepolitischen Sackgassen verheddern, demonstriert Washington wieder einmal, wie man eine Verhandlungsposition aus einer Position der StĂ€rke heraus aufbaut.

"Wir haben keine Eile" – Washington gibt den Takt vor

Bessent erklĂ€rte gegenĂŒber Reuters, die Lage sei stabil, man könne die Vereinbarung in spĂ€teren Treffen dieses Jahres erneuern. Zwischen den Zeilen schwingt jedoch eine deutliche DrohgebĂ€rde mit: Sollte Peking nicht spuren, könnten die alten US-ZollsĂ€tze durch neue Section-301-Abgaben schlicht wiederhergestellt werden. Bessent zeigte sich ĂŒberzeugt, dass China dies akzeptieren werde – solange die SĂ€tze nicht weiter angehoben wĂŒrden.

Interessant ist der Hinweis des Finanzministers, dass China zuletzt sogar von einem niedrigeren Zollniveau profitiert habe. Hintergrund sei eine Entscheidung des US-Supreme Court, die Trumps globale Notstandszölle gekippt habe. FĂŒr Peking sei das ein unverhoffter GlĂŒcksfall gewesen – einer, der jedoch nicht von Dauer sein mĂŒsse.

Kritische Rohstoffe: Pekings Trumpf wird stumpfer

Besonders aufschlussreich sind Bessents Aussagen zum heiklen Thema der kritischen Mineralien. Chinas ErfĂŒllung der Vereinbarungen sei "zufriedenstellend, aber nicht exzellent" gewesen. Eine diplomatische Umschreibung fĂŒr: Peking liefert nicht so, wie es zugesagt hat. Genau hier liegt der wunde Punkt der westlichen Industrienationen. Wer Seltene Erden, Lithium oder Gallium fĂŒr die Produktion von Halbleitern, Elektromotoren und RĂŒstungsgĂŒtern benötigt, hĂ€ngt am Tropf der chinesischen Förder- und VerarbeitungskapazitĂ€ten.

WĂ€hrend Deutschland sich in ideologischen Debatten ĂŒber Genderfragen und KlimaneutralitĂ€t im Grundgesetz verliert, hat Washington lĂ€ngst erkannt, dass die wirtschaftliche SouverĂ€nitĂ€t an der VerfĂŒgbarkeit dieser Rohstoffe hĂ€ngt. Die Trump-Regierung nutzt die Zollpolitik als Hebel, um Peking zur vertraglich zugesagten Lieferung zu zwingen.

Xi reist nach Washington – Treffen im September geplant

Der chinesische StaatsprĂ€sident Xi Jinping werde im September ins Weiße Haus reisen, um Donald Trump persönlich zu treffen. Im Vorfeld dieses Gipfels werde Bessent seinen Amtskollegen, Chinas Wirtschafts-Strategen He Lifeng, treffen, um die Detailfragen des HandelsverhĂ€ltnisses auszuarbeiten. Dass Trump den chinesischen FĂŒhrer im eigenen Haus empfĂ€ngt, ist ein nicht zu unterschĂ€tzendes symbolisches Signal – Washington setzt sich an den Kopf des Verhandlungstisches.

Was bedeutet das fĂŒr deutsche Anleger?

WĂ€hrend die GroßmĂ€chte ihre Handelsbeziehungen neu ordnen, gerĂ€t der deutsche Mittelstand zwischen die Mahlsteine. Höhere US-Zölle auf europĂ€ische Produkte – Trump hatte bekanntlich 20 Prozent auf EU-Importe verhĂ€ngt – belasten die ohnehin angeschlagene deutsche Exportwirtschaft. Gleichzeitig droht ein neuer Zollkonflikt zwischen Washington und Peking, der globale Lieferketten erneut zerreißen könnte. Hinzu kommen die schwelenden Konflikte im Nahen Osten und der anhaltende Ukraine-Krieg.

In Zeiten, in denen WĂ€hrungen unter politischem Druck stehen, Staatsschulden explodieren und das von der Großen Koalition unter Merz und Klingbeil beschlossene 500-Milliarden-Sondervermögen die Inflation weiter anheizen dĂŒrfte, gewinnt physisches Edelmetall als krisenfester Vermögensanker wieder an Bedeutung. Gold und Silber kennen weder Zollschranken noch Sanktionen – sie behalten ihren intrinsischen Wert, gleich wie die geopolitischen Karten neu gemischt werden.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geĂ€ußerten EinschĂ€tzungen geben ausschließlich die Meinung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Anlageentscheidungen sollten stets nach eigener grĂŒndlicher Recherche oder nach Konsultation eines qualifizierten Beraters getroffen werden. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Entscheidungen selbst verantwortlich.

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