
AfD triumphiert in 257 Gemeinden: Rheinland-Pfalz wird blauer als gedacht

Was die etablierten Parteien und ihre medialen Hofberichterstatter gerne als ostdeutsches PhĂ€nomen abtun, hat sich am vergangenen Sonntag mit aller Deutlichkeit auch im Westen der Republik manifestiert: Die AfD hat bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz mit 19,5 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland eingefahren. Landesweit reichte das zwar ânur" fĂŒr den dritten Platz â doch wer genauer hinschaut, erkennt ein tektonisches Beben in der politischen Landschaft.
257 Gemeinden â eine Zahl, die aufhorchen lĂ€sst
In sage und schreibe 257 Gemeinden des Bundeslandes steht die AfD an der Spitze der Ergebnistabelle. Nicht am Rand, nicht als ProtestphĂ€nomen einzelner Dörfer, sondern als stĂ€rkste politische Kraft â teils mit erheblichem Vorsprung vor CDU und SPD. Zum Vergleich: Die GrĂŒnen, jene Partei, die sich so gerne als Stimme der Zukunft inszeniert, schafften den Gemeindesieg exakt ein einziges Mal â im 54-Seelen-Ort Schwerbach. Man könnte sagen: Die grĂŒne Zukunft passt in einen Kleinbus.
Die klassischen Volksparteien dominieren freilich noch immer die Gesamtlandkarte. In 1.451 Gemeinden liegt die CDU vorne, in 530 die SPD. Doch diese Zahlen sollten niemanden in falscher Sicherheit wiegen. Denn die blauen Flecken auf der Landkarte werden gröĂer, dichter und â das ist das eigentlich Bemerkenswerte â sie greifen lĂ€ngst auf urbane RĂ€ume ĂŒber.
Nicht nur Dörfer: StÀdte wie Germersheim und Pirmasens wÀhlen blau
Besonders eindrucksvoll fiel das Ergebnis in Germersheim aus. Die rund 20.000 Einwohner zĂ€hlende Stadt wĂ€hlte die AfD mit 35,2 Prozent â ein Vorsprung von fast 13 Prozentpunkten vor der CDU, die bei mageren 22,3 Prozent landete. Im westpfĂ€lzischen Pirmasens, einer Stadt, die seit Jahren mit wirtschaftlichem Niedergang und sozialen Problemen kĂ€mpft, erreichte die Partei 32,1 Prozent. In Idar-Oberstein waren es 28,3 Prozent, wobei umliegende Gemeinden wie Homberg sogar auf 36,5 Prozent kamen.
Wer diese Ergebnisse als bloĂen Protestreflex abtut, macht es sich zu einfach. Die Menschen in diesen Regionen erleben tagtĂ€glich, was eine verfehlte Wirtschafts-, Migrations- und Energiepolitik anrichtet. Sie sehen, wie ArbeitsplĂ€tze verschwinden, wie die Infrastruktur verfĂ€llt, wie die KriminalitĂ€t steigt. Und sie ziehen daraus ihre SchlĂŒsse â an der Wahlurne.
Regionale Cluster offenbaren tiefgreifende Unzufriedenheit
AuffĂ€llig ist die Clusterbildung der AfD-Hochburgen. Im Westerwald, im ansonsten tiefschwarz geprĂ€gten Norden des Landes, konnte die Partei in Wölferlingen mit 36,1 Prozent mehr als doppelt so viele Stimmen einfahren wie die SPD. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Rhein-Lahn-Kreis. Im SĂŒden des Landes, rund um Idar-Oberstein, ergibt sich ein zusammenhĂ€ngendes Gebiet von etwa 20 Gemeinden mit AfD-Mehrheit. Eine Ă€hnliche Ballung von 17 Gemeinden findet sich sĂŒdlich von Alzey und östlich von Kirchheimbolanden.
Pikant dabei: Direkt neben dem grĂŒnen Schwerbach liegt mit Oberkirn eine Gemeinde, die zu 35 Prozent AfD wĂ€hlte. Deutlicher könnte die gesellschaftliche Spaltung kaum sichtbar werden. Hier die letzte grĂŒne Bastion, dort â nur einen Steinwurf entfernt â die blaue RealitĂ€t.
GroĂstĂ€dte bleiben umkĂ€mpft â doch der Trend ist eindeutig
In den gröĂeren StĂ€dten gestaltete sich das Rennen knapper. In Kaiserslautern lag die SPD mit hauchdĂŒnnen 25,5 Prozent vor der AfD mit 25,0 Prozent â ein halber Prozentpunkt, der ĂŒber Sieg und Niederlage entschied. Bemerkenswert: Im Wahlkreis Kaiserslautern I, der die Innenstadtbezirke umfasst, gewann die AfD bei den Landesstimmen sogar. In Worms und Ludwigshafen schoben sich CDU und SPD noch knapp vor die AfD. Koblenz und Trier blieben fĂŒr die Partei schwieriges Terrain, und in der Landeshauptstadt Mainz erzielte sie mit 7,8 Prozent weniger als die Linkspartei.
Doch diese urbanen Ergebnisse dĂŒrfen nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass sich in der FlĂ€che des Landes ein fundamentaler Wandel vollzieht. Die Menschen auĂerhalb der grĂŒn-urbanen Blasen haben offensichtlich genug von einer Politik, die ihre Sorgen ignoriert und ihre LebensrealitĂ€t nicht zur Kenntnis nimmt.
AfD und Freie WĂ€hler: Gemeinsam ĂŒber 50 Prozent
In mehreren Gemeinden im Ă€uĂersten Westen des Landes erreichten AfD und Freie WĂ€hler zusammengenommen sogar eine absolute Mehrheit. In Oberlascheid kam die AfD auf 30,4 Prozent, die Freien WĂ€hler auf 21,4 Prozent. In Dauwelshausen waren es 4,4 beziehungsweise 46,7 Prozent, in Altscheid 16,4 und 34,5 Prozent. Die Freien WĂ€hler scheiterten zwar knapp am Einzug in den Landtag, doch die Botschaft ist unmissverstĂ€ndlich: In weiten Teilen des lĂ€ndlichen Raums haben die BĂŒrger den etablierten Parteien den RĂŒcken gekehrt.
Ein Weckruf, den Berlin nicht ĂŒberhören sollte
Was sich in Rheinland-Pfalz zeigt, ist kein isoliertes PhĂ€nomen. Es ist der Ausdruck einer tiefen Vertrauenskrise zwischen BĂŒrgern und politischer Klasse. Die neue GroĂe Koalition unter Friedrich Merz hat mit ihrem 500-Milliarden-Schuldenpaket und der fortgesetzten Migrationspolitik bislang wenig getan, um dieses Vertrauen zurĂŒckzugewinnen. Im Gegenteil: Die Sorgen der Menschen vor Arbeitsplatzverlust, steigender KriminalitĂ€t und einer galoppierenden Staatsverschuldung werden durch die aktuelle Regierungspolitik eher befeuert als besĂ€nftigt.
Die 257 Gemeinden in Rheinland-Pfalz, in denen die AfD stĂ€rkste Kraft wurde, sind mehr als eine statistische FuĂnote. Sie sind ein Seismograph fĂŒr die Stimmung im Land. Und dieser Seismograph schlĂ€gt immer heftiger aus. Wer das ignoriert, wird bei der nĂ€chsten Wahl eine noch gröĂere Ăberraschung erleben.
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