
Zoll-Schock für Kanada: 50 Prozent – und Japans Autobauer zittern

Donald Trump zieht die Zollschraube gegen den Nachbarn im Norden brutal an. Ab dem 1. Januar 2027 sollen Autoimporte aus Kanada mit 50 Prozent belastet werden – eine Verdoppelung. Am härtesten trifft es Branchenexperten zufolge nicht Detroit, sondern Tokio: Toyota und Honda.
Drei Viertel der kanadischen Produktion kommen aus Japan
Die Rechnung ist simpel und für Ottawa bitter. Rund 1,2 Millionen Fahrzeuge laufen jährlich in kanadischen Werken vom Band – mehr als drei Viertel davon bei den beiden japanischen Konzernen. Rund 427.000 Arbeitsplätze hängen dort am Automobilbau.
Sollte der Zoll tatsächlich in Kraft treten, könnten die Hersteller gezwungen sein, Produktionslinien in Kanada dichtzumachen, warnten Analysten am Montag. Julie Boote vom Analysehaus Pelham Smithers formulierte es drastisch:
„Wenn man die kanadische Autoindustrie zerstören wollte, könnte man das mit diesen Zöllen erreichen.“
Japans Konzerne in der Zange
Für Toyota und Honda kommt der Schlag zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. In Europa, Südostasien und Lateinamerika drücken günstige Elektroautos chinesischer Rivalen wie BYD auf die Margen. Ausgerechnet die USA – der wichtigste Absatzmarkt, weil chinesische Konkurrenz dort weitgehend außen vor bleibt – werden nun zum Risiko.
Wie stark die Abhängigkeit ist, zeigen Zahlen von Barclays: Fast ein Viertel der in den USA verkauften Honda-Modelle und 17 Prozent der Toyota-Fahrzeuge stammten im vergangenen Jahr aus kanadischer Fertigung. Ein Zoll von 50 Prozent würde diese Lieferketten faktisch entwerten.
Und die Deutschen? Sie werden von der anderen Seite getroffen
Deutsche Hersteller betreiben keine Werke in Kanada – auf den ersten Blick also nicht betroffen. Doch der Konflikt hat zwei Fronten: Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie exportierten die deutschen Konzerne im vergangenen Jahr rund 35.000 Fahrzeuge aus ihren US-Werken nach Kanada. Genau diese Autos geraten in die kanadischen Gegenzölle.
Und die kommen. Medienberichten zufolge kündigte Premierminister Mark Carney Vergeltungsabgaben von 15 bis 50 Prozent auf eine breite Palette von US-Waren an, nachdem die Handelsgespräche gescheitert waren. Carney warf Washington vor, zentrale kanadische Industrien zerstören zu wollen. Trump wiederum forderte öffentlich die „Unterordnung“ Ottawas.
Handelskrieg als Dauerzustand – wer zahlt am Ende?
Was in Nordamerika eskaliert, ist auch eine Lehrstunde für Berlin und Brüssel. Wer sich über Jahrzehnte auf offene Märkte verlässt, ohne eigene industrielle Widerstandskraft aufzubauen, ist erpressbar, sobald ein Präsident den Zolltarif als Verhandlungswaffe entdeckt. Die deutsche Automobilindustrie kennt dieses Gefühl inzwischen bestens.
Für Verbraucher bedeutet der Zoll-Poker vor allem eines: höhere Preise. Zölle sind keine Strafe für ausländische Konzerne, sondern eine Steuer, die am Ende im Kassenbon landet. Und für Anleger heißt es: Wenn Handelsströme zur politischen Verfügungsmasse werden, steigt die Unsicherheit – historisch ein Umfeld, in dem physische Edelmetalle als krisenerprobter Anker im breit gestreuten Vermögen ihre Stärke ausspielen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen ab. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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