Kettner Edelmetalle
23.09.2025
10:40 Uhr

Zensur bei RTL+: Stefan Raabs Steinmeier-Witz fÀllt der Schere zum Opfer

Die schöne neue Welt des deutschen Fernsehens zeigt ihr wahres Gesicht: WĂ€hrend Stefan Raab noch vollmundig von "unzensierter Unterhaltung" schwadroniert, schneidet sein eigener Sender RTL+ bereits kritische Äußerungen ĂŒber den BundesprĂ€sidenten aus dem Programm. Was in der Live-Sendung noch zu hören war, verschwindet auf mysteriöse Weise aus der Streaming-Version – ein LehrstĂŒck ĂŒber vorauseilenden Gehorsam im Jahr 2025.

Der verschwundene Witz

Am 15. September prÀsentierte Stefan Raab in seiner neuen Show auf RTL verschiedene Videoclips, darunter einen Ausschnitt der Basketball-Europameisterschaft. Als BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier wÀhrend der Nationalhymne im Bild erschien und Kommentator Frank Buschmann hörbar hustete, konnte sich der Entertainer einen bissigen Kommentar nicht verkneifen: "Gut, beim Anblick von Frank-Walter Steinmeier, da kann man schon mal Brechreiz kriegen, das' klar."

Wer die Sendung spĂ€ter auf RTL+ nachschauen wollte, erlebte eine Überraschung: Der Großteil des Satzes war verschwunden. Nur der harmlose Nachsatz "das' klar" blieb ĂŒbrig – der Rest fiel offenbar der digitalen Schere zum Opfer. Die Bilder und GerĂ€usche bleiben nun unkommentiert stehen, als hĂ€tte Raab nie etwas gesagt.

Die Ironie der "unzensierten Unterhaltung"

Besonders pikant wird die Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass Raab erst kĂŒrzlich den amerikanischen Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel nach dessen Absetzung bei ABC zu sich einlud. Mit großer Geste bot er dem Amerikaner seine RTL-Show fĂŒr "uncensored entertainment" an – unzensierte Unterhaltung, wie er betonte. Kimmel sei abgesetzt worden, weil er "irgendwas gesagt" habe, "was irgendwem nicht so richtig gepasst hat", empörte sich Raab damals.

Nun steht der selbsternannte RTL-Chef, der sich aufgrund seines hochdotierten Mehrjahresvertrages scherzhaft so bezeichnet, selbst im Fadenkreuz der Zensoren. Die Schere im eigenen Kopf – oder besser gesagt: in der RTL-Redaktion – scheint bestens zu funktionieren.

MajestÀtsbeleidigung im digitalen Zeitalter

WÀhrend das BundesprÀsidialamt zu dem Vorfall schweigt und auf entsprechende Anfragen nicht reagiert, stellt sich die Frage nach den Grenzen der Meinungsfreiheit im deutschen Fernsehen. Zwar existiert mit Paragraph 90 StGB noch immer der Straftatbestand der "Verunglimpfung des BundesprÀsidenten", doch die nachtrÀgliche Zensur durch den Sender selbst wirft ein bezeichnendes Licht auf die Selbstzensur in deutschen Medien.

Es ist schon bemerkenswert: In einer Zeit, in der das Establishment stĂ€ndig von Meinungsfreiheit und Demokratie schwadroniert, verschwinden kritische Äußerungen ĂŒber Politiker stillschweigend aus dem Programm. Man stelle sich nur vor, ein konservativer Politiker wĂŒrde Ă€hnlich behandelt – der Aufschrei der ĂŒblichen VerdĂ€chtigen wĂ€re ohrenbetĂ€ubend.

ObszönitÀten ja, Politikkritik nein?

WĂ€hrend ein harmloser Scherz ĂŒber den BundesprĂ€sidenten der Zensur zum Opfer fĂ€llt, hatte RTL offenbar kein Problem damit, zur besten Sendezeit einen KĂŒnstler zu prĂ€sentieren, der aus seinen Genitalien Figuren formte. Auch eine Gruppe Nudisten durfte sich vor der Kamera prĂ€sentieren – alles um 20:15 Uhr, wenn eigentlich jugendschutzrechtliche Bestimmungen gelten sollten.

Die PrioritĂ€ten sind damit klar gesetzt: Geschmacklosigkeiten und ObszönitĂ€ten sind willkommen, solange sie dem Zeitgeist entsprechen. Kritik an der politischen Klasse hingegen wird stillschweigend entfernt. Das ist die neue deutsche Medienlandschaft im Jahr 2025 – ein Jahr nach dem Zusammenbruch der Ampel-Koalition und unter der neuen Großen Koalition von CDU/CSU und SPD.

Ein Symptom des vorauseilenden Gehorsams

Der Fall Raab ist symptomatisch fĂŒr den Zustand der deutschen Medienlandschaft. WĂ€hrend man sich gerne als kritisch und unabhĂ€ngig inszeniert, kuscht man bei der kleinsten Kritik an den MĂ€chtigen. Die Selbstzensur funktioniert perfekt – es braucht keine staatliche Zensurbehörde, wenn die Sender selbst vorauseilend alles entfernen, was auch nur ansatzweise kontrovers sein könnte.

Stefan Raab, einst bekannt fĂŒr seine spitze Zunge und sein loses Mundwerk, scheint in der neuen RTL-Welt angekommen zu sein. Ob er sich zu der Zensur Ă€ußern wird? Unwahrscheinlich. Schließlich will man es sich mit dem neuen Arbeitgeber nicht verscherzen. Das Geld stimmt, und fĂŒr ein paar Millionen Euro schluckt man schon mal die eine oder andere Kröte – oder lĂ€sst sie schlucken.

So bleibt am Ende nur die bittere Erkenntnis: Die vielgepriesene Meinungsfreiheit im deutschen Fernsehen endet dort, wo die Politik beginnt. Und wÀhrend man dem Publikum Genitalkunst und Nacktinterviews zumutet, ist ein kleiner Seitenhieb auf den BundesprÀsidenten offenbar zu viel des Guten. Willkommen in der schönen neuen Medienwelt des Jahres 2025.

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