
Wenn Kritik zum Staatsfeind wird: Miersch und das bizarre DemokratieverstÀndnis der SPD

Es gibt Augenblicke in der politischen Debatte, die offenbaren mehr ĂŒber den Zustand einer Partei als tausend Sonntagsreden. Einen solchen Moment hat der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch in der ARD-Talkshow "Hart aber fair" geliefert â und dabei ein DemokratieverstĂ€ndnis zur Schau gestellt, das einem die Sprache verschlĂ€gt. Wer nun hoffte, es handele sich um einen rhetorischen Ausrutscher eines HinterbĂ€nklers, der irrt gewaltig. Miersch fĂŒhrt die SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, er gehört zur obersten FĂŒhrungsriege der deutschen Sozialdemokratie. Seine Worte sind keine FuĂnote, sondern Programm.
Der Unternehmer als SĂŒndenbock
Was war geschehen? Der Unternehmer Heiner Kamp hatte sich erlaubt, die schwarz-rote Koalition zu kritisieren â also exakt jene TĂ€tigkeit auszuĂŒben, die in einer funktionierenden Demokratie nicht nur erlaubt, sondern ausdrĂŒcklich erwĂŒnscht sei. Miersch jedoch kanzelte ihn vor Millionenpublikum ab: Kamp solle gefĂ€lligst "differenzierter" sein, denn wer pauschal alles schlechtrede, liefere "Wasser auf die MĂŒhlen" jener, die "etwas ganz anderes" wollten. Mit diesen "anderen" war unverkennbar die AfD gemeint.
Damit hat Miersch die Verantwortungspyramide auf den Kopf gestellt. Nicht das jahrzehntelange politische Versagen der etablierten Parteien sei demnach schuld am Erstarken der Opposition, sondern die BĂŒrger, die dieses Versagen beim Namen nennen. Der Kritiker wird zum TĂ€ter, der Regierungsfehler zum Tabu erklĂ€rt. Honecker hĂ€tte es kaum prĂ€gnanter formulieren können.
Ein Muster mit Methode
Das Bemerkenswerte an diesem Vorgang sei weniger die Einzelaussage als vielmehr das dahinterstehende Weltbild. Wer Regierungskritik zur MajestĂ€tsbeleidigung erklĂ€rt, offenbart ein VerhĂ€ltnis zur Demokratie, das in besorgniserregender Weise an lĂ€ngst ĂŒberwunden geglaubte Staatsformen erinnere. Die BĂŒrger bemerken dies sehr wohl. In den Kommentarspalten zum Originalbeitrag hĂ€ufen sich die Stimmen, die an die Weimarer Republik, an die DDR und an den Paragraphen 188 des Strafgesetzbuches erinnern â jene umstrittene Norm, die Politiker unter besonderen Schutz vor Beleidigungen stellt und deren Erweiterung auf schlichte Regierungskritik viele bereits kommen sehen.
Die SPD auf Talfahrt
Die einstige Arbeiterpartei, die sich Jahrzehnte lang als Stimme der kleinen Leute inszenierte, ist heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. Umfragewerte im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich zeigen, wie weit sich die Partei von ihrer Basis entfernt hat. Statt sich der berechtigten Kritik an wirtschaftlichem Niedergang, ausufernder Migration, steigender KriminalitĂ€t und einer Energiepolitik, die deutsche Unternehmen reihenweise in die Knie zwingt, zu stellen, greift man zum klassischen Abwehrreflex: Wer kritisiert, ist verdĂ€chtig. Wer laut ist, nĂŒtzt den "Falschen".
Die Logik ist bestechend simpel â und zutiefst undemokratisch. Denn wer die offene Debatte scheut, hat vor dem WĂ€hler etwas zu verbergen. Dabei wĂ€re genau diese offene Debatte das einzige wirksame Mittel gegen das Erstarken der politischen RĂ€nder. Stellen sich Regierende der sachlichen Auseinandersetzung, verlieren Protestparteien automatisch an Zugkraft. Miersch wĂ€hlt jedoch den bequemeren Weg: Schweigen verordnen, Kritiker moralisch disqualifizieren, Opposition zu Staatsfeinden erklĂ€ren.
Was Regierungskritik eigentlich bedeutet
Wer die Grundlagen der reprĂ€sentativen Demokratie kennt, weiĂ: Die freie MeinungsĂ€uĂerung und die Kritik an AmtstrĂ€gern zĂ€hlen zum unverzichtbaren Kern jeder freiheitlichen Ordnung. Friedrich der GroĂe bemerkte einst, jeder solle nach seiner Façon selig werden. Heute offenbar genehmigt von der Kritikpolizei im Willy-Brandt-Haus. Ein freier Unternehmer, der seine Beobachtungen zur Wirtschaftslage vortrĂ€gt, sollte ernstgenommen, nicht abgekanzelt werden. SchlieĂlich sind es gerade die Unternehmer, die mit ihrer Arbeit jene Steuereinnahmen erwirtschaften, von denen Politiker wie Miersch ihre ĂŒppigen DiĂ€ten beziehen.
Vertrauen ist kein Geschenk â es wird verdient
Die Lehre aus diesem Vorfall ist ernĂŒchternd und zugleich aufrĂŒttelnd. Eine Regierung, die Kritik als Sabotage empfindet, hat den Kontakt zu ihren BĂŒrgern verloren. Eine Partei, die Kritiker stigmatisiert statt ihnen zuzuhören, unterschreibt ihr eigenes politisches Todesurteil. Und eine Demokratie, in der das offene Wort verdĂ€chtigt wird, verliert ihren Kern.
In Zeiten politischer und wirtschaftlicher UmbrĂŒche, in denen BĂŒrger um ihre Ersparnisse, ihre Kaufkraft und ihre Zukunft bangen, gewinnt ein anderer Gedanke an Bedeutung: die RĂŒckbesinnung auf bestĂ€ndige Werte. Wer das Vertrauen in die politische Klasse verliert, sucht verstĂ€ndlicherweise nach Anlagen, die unabhĂ€ngig von Regierungsentscheidungen ihren Wert behalten. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte bewiesen, dass sie politischen Moden und rhetorischen Nebelkerzen trotzen. Als Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio bieten sie jene Sicherheit, die ein gesundes Vermögenfundament braucht â gerade dann, wenn das Vertrauen in Institutionen bröckelt.
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