Kettner Edelmetalle
25.06.2026
05:45 Uhr

Wenn die Währungshüter zu Klima-Aposteln werden: Bundesbank und EZB auf grünem Irrweg

Wenn die Währungshüter zu Klima-Aposteln werden: Bundesbank und EZB auf grünem Irrweg

Es gibt Institutionen in unserem Land, denen man traditionell ein gewisses Maß an Nüchternheit zugetraut hat. Die Bundesbank gehörte dazu. Über Jahrzehnte war sie der Fels in der Brandung, der unbestechliche Hüter der D-Mark, später ein mahnendes Gewissen im Euro-System. Doch wer heute genauer hinschaut, der reibt sich verwundert die Augen: Aus den einstigen Wächtern der Geldwertstabilität sind zunehmend Prediger der grünen Transformation geworden. Geldpolitik? Fehlanzeige. Stattdessen Klima-Mission.

Der eigentliche Auftrag – und was daraus geworden ist

Erinnern wir uns kurz, wozu Notenbanken überhaupt existieren. Ihre Kernaufgaben sind klar umrissen: Preisstabilität sichern, also die Inflation in Schach halten, das Finanzsystem überwachen, die Bankenaufsicht gewährleisten und dafür sorgen, dass die Bargeldversorgung reibungslos funktioniert. Energiepolitik sucht man in diesem Aufgabenkatalog vergeblich. Und doch verhalten sich Bundesbank und Europäische Zentralbank zunehmend wie verlängerte Werkbänke des grünen Zeitgeists.

Besonders entlarvend wurde dieser Aktivismus jüngst in einem Interview der Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer. Sie beklagte, dass Deutschland noch immer 67 Prozent seines Energiebedarfs durch Importe decke, überwiegend fossile Energieträger. Europa stehe mit 57 Prozent etwas besser da, die Abhängigkeit sei jedoch weiterhin hoch.

„Es braucht deutlich mehr Tempo bei der Energiewende in Europa.“

Man muss sich diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen. Hier spricht nicht eine grüne Parteifunktionärin auf einem Parteitag, sondern die Stellvertreterin an der Spitze der Deutschen Bundesbank. Auf die Frage nach einer „smarten Energiestrategie“ wurde Mauderer noch konkreter: Die schnellere Umstellung auf erneuerbare Energien sei ein wichtiger Beitrag, Netze und Speicherkapazitäten müssten konsequent ausgebaut werden. Wer hier noch den Unterschied zwischen einer unabhängigen Notenbank und der grünen Programmatik erkennen will, der braucht ein gutes Vergrößerungsglas.

Vom unabhängigen Ratgeber zum politischen Akteur

Pikant ist, dass Mauderer an anderer Stelle desselben Interviews einräumt, die Festlegung der Rahmenbedingungen für die Energiemärkte sei „ganz klar Aufgabe der Politik“. Notenbanken sollten sich „auf die Rolle des unabhängigen Ratgebers beschränken“. Schöne Worte – die im völligen Widerspruch zu ihrem eigenen Handeln stehen. Wer konkrete Tempovorgaben für die Energiewende formuliert, der ist kein neutraler Beobachter mehr, sondern ein politischer Mitspieler.

Und dieses Engagement ist kein Ausrutscher, sondern System. Bereits 2024 übernahm Mauderer den Vorsitz des sogenannten Network for Greening the Financial System, eines weltumspannenden Netzwerks von Zentralbanken, das sich der „Finanzierung der Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft“ verschrieben hat. Anfang Juni veröffentlichte die Bundesbank gar einen eigenen Klimabericht 2026, in dem sie stolz verkündete, ihre „klima- und naturbezogenen Aktivitäten“ weiter ausgebaut zu haben. Man fragt sich unwillkürlich: Wer kümmert sich eigentlich noch um die Inflation?

Brüssel macht es vor

Auf europäischer Ebene tobt derselbe Aktivismus. EZB-Präsidentin Christine Lagarde kündigte schon 2020 an, jeden Anleihekauf darauf prüfen zu wollen, ob er dem Kampf gegen den Klimawandel diene. 2021 folgte ein eigener Klimamaßnahmenplan. Und ab Oktober 2022 ging die EZB dazu über, ihre Käufe von Unternehmensanleihen tatsächlich nach Klimakriterien auszurichten.

„Bestände an Unternehmensanleihen werden zugunsten von Emittenten mit besseren Scorewerten verschoben.“

Im Klartext: Unternehmen mit vermeintlich schlechterer Klimabilanz werden systematisch benachteiligt – unabhängig davon, ob sie solide wirtschaften oder nicht. Im Januar 2024 verkündete die EZB drei neue Schwerpunkte, die sämtlich um „grüne“ Themen kreisten. Eine ursprünglich nüchterne Finanzinstitution hat ihren Fokus damit praktisch vollständig auf ideologische Klimafragen verlagert.

Der eigentliche Skandal: Klimakurs als Inflationstreiber

Hier offenbart sich die ganze Absurdität dieses Treibens. Die Energiewende, für die Bundesbank und EZB so vehement werben, treibt die Strompreise nachweislich in die Höhe. Der Grund liegt in der wachsenden Integration wetterabhängiger Quellen wie Wind und Sonne. Scheint die Sonne nicht und steht der Wind still, produzieren diese Anlagen wenig bis gar keinen Strom. Die Folge sind Angebotsengpässe – und damit explodierende Preise, vor allem in den dunklen Wintermonaten. Hinzu kommt die CO₂-Bepreisung, die als zusätzlicher Kostentreiber wirkt und von beiden Institutionen ausdrücklich begrüßt wird.

Steigende Energiepreise aber sind ein direkter, ein klassischer Inflationstreiber. Und nun die alles entscheidende Frage: Warum predigen ausgerechnet jene Institutionen, deren oberste Pflicht die Bekämpfung der Teuerung ist, eine Politik, die die Preise zwangsläufig nach oben jagt? Es ist, als würde die Feuerwehr mit Benzinkanistern anrücken.

Der lange Marsch durch die Institutionen

Was wir hier beobachten, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines geduldigen Marsches durch die Institutionen. Stück für Stück werden die einst unabhängigen Pfeiler unserer Wirtschaftsordnung mit ideologischem Personal durchsetzt und auf grünen Kurs getrimmt. Die Bundesbank, die über Generationen für solide Geldpolitik und Disziplin stand, gerät dabei in eine gefährliche Schieflage. Wer die Geldwertstabilität dem Klima-Aktivismus opfert, der spielt mit dem Vertrauen der Bürger – und am Ende mit ihrem Vermögen.

Diese Sorge teilt längst nicht nur unsere Redaktion, sondern ein wachsender Teil der Bevölkerung, der mit zunehmendem Unbehagen verfolgt, wie sich politisch neutrale Institutionen in Vorfeldorganisationen einer bestimmten Ideologie verwandeln.

Was bedeutet das für den Sparer?

Wenn die Hüter des Geldes selbst zu Befürwortern einer inflationstreibenden Politik werden, dann sollte jeder Bürger sich fragen, wie sicher seine Ersparnisse in einem solchen System eigentlich noch sind. Papiergeld verliert seinen Wert, wenn die Notenbanken ihre Kernaufgabe vernachlässigen. Genau hier zeigt sich der zeitlose Wert physischer Edelmetalle wie Gold und Silber: Sie lassen sich nicht durch politische Beschlüsse vermehren, sie kennen keinen Klima-Score und keine ideologische Agenda. Als bewährte Bausteine eines breit gestreuten und krisenfesten Vermögens haben sie über Jahrtausende ihre Beständigkeit bewiesen – gerade in Zeiten, in denen Institutionen das Vertrauen verspielen.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlageberatung dar. Wir betreiben keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und seine Entscheidungen selbst zu verantworten oder fachkundigen Rat einzuholen. Für getroffene Anlageentscheidungen übernehmen wir keine Haftung.

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