Kettner Edelmetalle
24.02.2026
19:35 Uhr

Unternehmerin Claudia Obert rechnet mit der deutschen Steuerpolitik ab – und trifft den Nerv der Nation

Es sind Worte, die vielen Selbstständigen und Unternehmern in diesem Land aus der Seele sprechen dürften. Die Hamburger Modeunternehmerin Claudia Obert hat sich in einem vielbeachteten Instagram-Beitrag den Frust von der Seele geredet – über eine erdrückende Steuerlast, über miserable Rahmenbedingungen für den Mittelstand und über eine politische Klasse, die offenbar den Bezug zur wirtschaftlichen Realität längst verloren hat.

Wenn der Staat zum größten Kostenfaktor wird

Die 64-Jährige, die mit ihrem Label „Lean Selling" Mode, Schuhe und Accessoires vertreibt und Boutiquen in Hamburg und Berlin betreibt, macht zwischen drei und vier Millionen Euro Umsatz im Jahr. Klingt nach einer Erfolgsgeschichte – wäre da nicht der Staat, der sich wie ein unersättlicher Parasit an jedem erwirtschafteten Euro bedient. „Dafür zahle ich Steuern wie der Blöde", bringt Obert die Situation auf den Punkt. Besonders die Umsatzsteuer von 19 Prozent sei ein gewaltiger Kostenfaktor, den sie schlicht mit Enteignung gleichsetzt.

Und wer könnte ihr ernsthaft widersprechen? In einem Land, in dem Selbstständige und Mittelständler das Rückgrat der Wirtschaft bilden, werden genau diese Leistungsträger systematisch geschröpft. Das Finanzamt verlange sogar Vorauszahlungen, selbst wenn die Umsätze längst eingebrochen seien – dem Fiskus sei das schlicht egal, berichten andere Unternehmer in den Kommentaren unter Oberts Beitrag.

Merz und die Work-Life-Balance: Leere Worte aus dem Kanzleramt

Besonders pikant wird es, wenn Obert auf Bundeskanzler Friedrich Merz zu sprechen kommt. Der CDU-Mann fordert bekanntlich gebetsmühlenartig, die Deutschen müssten mehr arbeiten, und hält von der sogenannten Work-Life-Balance herzlich wenig. Eine bequeme Forderung aus dem Chefsessel des Kanzleramts, möchte man meinen.

Obert hält dagegen – und zwar mit der Autorität einer Frau, die weiß, wovon sie redet. Sie sei mehrfach in ihrem Leben nahe an einem Burnout gewesen, und das sei „etwas sehr Ungesundes". Als Managerin müsse sie Quartalszahlen abliefern, als ehemalige Sekretärin kenne sie aber auch die Perspektive normaler Angestellter, die ihre Urlaubstage abzählen müssten. Es ist diese Bodenhaftung, die vielen Berufspolitikern so schmerzlich fehlt – jenen Damen und Herren, die vom Hörsaal direkt in den Bundestag gewechselt sind, ohne jemals einen einzigen Euro selbst erwirtschaftet zu haben.

„Die sollen erst mal bei sich selbst hundert Milliarden einsparen"

Die zentrale Forderung der Unternehmerin ist so simpel wie bestechend: Bevor man den Bürgern immer neue Lasten aufbürde, solle die Politik zunächst bei sich selbst den Rotstift ansetzen. Obert würde sich gerne einmal im Detail anschauen, was im Finanzministerium eigentlich mit dem ganzen Steuergeld passiere. Sie sei überzeugt, dort etliche Milliarden einsparen zu können – aber ausdrücklich nicht bei den Sozialleistungen. Hundert Milliarden bei der Verwaltung und dem aufgeblähten Staatsapparat einzusparen, das sei „überhaupt keine Kunst".

Man muss kein Wirtschaftsprofessor sein, um zu erkennen, dass sie damit einen wunden Punkt trifft. Deutschland leistet sich einen der teuersten Staatsapparate der westlichen Welt. Hunderte Beauftragte, Kommissionen und Gremien verschlingen Milliarden, während gleichzeitig Brücken bröckeln, Schulen verfallen und die Digitalisierung der Verwaltung einem schlechten Witz gleicht. Und nun plant die neue Große Koalition unter Merz auch noch ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen – auf Pump, versteht sich –, das kommende Generationen über Jahrzehnte hinweg durch Steuern und Abgaben werden finanzieren müssen.

Die Reaktionen: Ein Volk am Limit

Die Kommentare unter Oberts Beitrag lesen sich wie ein Stimmungsbild der geschundenen deutschen Mittelschicht. Viele fordern sie auf, im Bundestag zu reden oder gleich selbst in die Politik zu gehen. Eine Steuerfachgehilfin mit 35 Jahren Berufserfahrung schreibt, jede Hausfrau würde den Bundeshaushalt besser managen als die aktuelle Regierung – „weil sie wissen, wie man mit Geld umgeht". Andere verweisen auf die absurde Mehrfachbesteuerung in Deutschland: Steuern auf bereits versteuerte Einfuhren, Steuern auf eine Rente, für die bereits Lohnsteuer gezahlt wurde. Ein System, das sich selbst ad absurdum führt.

Natürlich gibt es auch die üblichen Beschwichtiger, die meinen, wer unzufrieden sei, könne ja auswandern. Ein zynischer Ratschlag, der das eigentliche Problem elegant umschifft. Denn genau das tun immer mehr Leistungsträger tatsächlich – sie kehren Deutschland den Rücken. Und mit jedem Unternehmer, der geht, verliert dieses Land ein Stück seiner wirtschaftlichen Substanz.

Claudia Obert mag vielen vor allem als schillernde Reality-TV-Persönlichkeit bekannt sein. Doch in ihren wirtschaftspolitischen Einlassungen zeigt sie mehr gesunden Menschenverstand als so mancher Abgeordnete, der im Bundestag über Steuergesetze abstimmt, die er selbst nicht versteht. Vielleicht wäre es tatsächlich an der Zeit, dass mehr Menschen mit praktischer Wirtschaftserfahrung in der Politik mitmischen – und weniger Berufspolitiker, deren einzige Qualifikation darin besteht, Parteibücher zu sammeln.

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